Jetzt Ready To Let Go Cage The Elephant

Info Cage The Elephant aus Kentucky haben etwas mit den Killers gemeinsam: Der Erfolg kam zuerst in England, bevor irgendwann auch die Heimat überzeugt war. Und sie klingen immer noch sehr britisch mit "Ready To Let Go" (2019).

03:59 Uhr WAY2 Flohio

Youtube-Trend 8D-Audio Wie ein Psychotrick den Super-Surround-Sound erzeugt

Wummernde Tracks aus scheinbar acht Dimensionen? Der Youtube-Trend 8D-Musik will euch aus den Socken hauen – dabei steckt dahinter ein ganz simpler Trick.

Von: Inés Peyser-Kreis

Stand: 08.05.2019 | Archiv

Grafik 8D Audio | Bild: BR

Ein krass räumlicher Klang und beinah das Gefühl, live bei einem Konzert dabei zu sein – obwohl man die Musik nur über stinknormale Kopfhörer hört: das verspricht ein Trend auf Youtube durch sogenannten 8D-Sound.

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KitschKrieg ft. Trettmann, Gringo, Ufo361 & Gzuz - Standard (8D AUDIO) **KOPFHÖRER** | Bild: 8DGermany (via YouTube)

KitschKrieg ft. Trettmann, Gringo, Ufo361 & Gzuz - Standard (8D AUDIO) **KOPFHÖRER**

Aber sind mit 8D auch acht Dimensionen gemeint? Was nach trippig neuer Sci-Fi-Technologie klingt, steht in diesem Fall wohl für "8 Directions", also acht Richtungen, aus denen die Musik zu kommen scheint. Die Assoziation mit den acht Dimensionen ist nur ein schlau gewählter Name, um die Leute zum Klicken zu bringen.

Seit Herbst 2018 laden täglich immer mehr Youtuber ihre selbstgemachten 8D-Versionen von bekannten Songs hoch. Immer dabei der Befehl: unbedingt Kopfhörer tragen!  Und die Youtube-Gemeinde feiert es: Von "Ich habe drei Mal meine Kopfhörer herausgenommen, weil ich dachte, meine Mum hört alles", über "Für was braucht man Konzerte, wenn man eins in seinem Zimmer haben kann?", bis hin zu "Ich denke die ganze Zeit, Capital Bra läuft um mich rum!", ist fast ausnahmslos Begeisterung dabei.

Hinter dem allen steckt keine Magie, sondern eine stinknormale MP3-Stereo-Datei. Die eigentliche Arbeit, das alles so krass dreidimensional klingen zu lassen, erledigt nämlich unser Gehirn.

Simple Signalverarbeitung

Dafür muss man erstmal verstehen, wie der Mensch ganz grundlegend Töne und ihre Richtung wahrnimmt.

"Wenn ich in einer natürlichen Umgebung stehe, kann ich Dinge unterscheiden: oben, unten, vorne, hinten. Wenn ich nur ein Ohr hätte, würde das nicht gehen, aber ich habe ja zwei Ohren. Denn es gibt Laufzeitunterschiede, wann das Signal am linken und wann das Signal am rechten Ohr ankommt. Das heißt: Das Gehirn hat gelernt, das, was über zwei Ohren reinkommt, irgendwelchen Richtungen zuzuordnen."

- Dr. Bernhard Grill, Leiter des Fraunhofer Institut in Erlangen, Mitentwickler der MP3

Wenn also schräg rechts hinter mir jemand spricht, kommt dieser Schall zuerst an meinem rechten Ohr an und erst einen klitzekleinen Moment später am linken, dann aber leiser und halliger. Diesen spezifischen Unterschied verarbeitet das Gehirn als: Aha, der Ton kam von schräg rechts. Binaurale Lokalisation lautet der Fachbegriff dafür.

Natürlich ist räumliches Hören noch ein bisschen komplexer. Unser Gehirn verwendet nämlich noch weitere Informationen von unserem Körper, um den Klang im Raum zu verorten: Wie der Schall etwa auf der Ohrmuschel auftrifft, gibt dem Gehirn Informationen, ob ein Ton von vorne oder hinten kommt. Schon die minimalen Zeitunterschiede zwischen links und rechts können eine total realistische Illusion erzeugen, soweit die Kopfhörer direkt am Ohr liegen und ansonsten keine Signale ans Ohr gelangen – und genau damit spielen die Macher der 8D-Songs.

Ohne Kopfhörer unsinnig

Die Klangkünstler wenden einen vergleichsweise simplen Trick an: Sie laden einen schon existierenden Song in eine entsprechende Audio-Software. Ein Reverb-Plugin übersetzt dann die gewünschte Raumbewegung in die notwendigen Schall- und Lautstärkenunterschiede. Sie erstellen quasi eine Art Remix, der einen ganzen Fake-Raum simuliert. In dem wabert die Musik scheinbar hinten um den Kopf herum.

Durch den Hall klappt die Illusion nicht, wenn ein 8D-Song über offene Lautsprecher läuft, denn dann kommt der Schall komplett unkontrolliert und vermischt an den beiden Ohren an. Der Song hat also nur ein irritierendes Echo und fühlt sich ein wenig daneben an. Ähnlich, wie wenn man einen 3D-Film ohne 3D-Brille anschaut.

Youtube-Wonderland

An sich ist das keine neue Erfindung – es gibt ja alle paar Jahre einen neuen Hype um ähnlich funktionierende psychoakustische Spielereien: so wie das Meme, in dem man den Song "Redbone" hört, als wäre man in dem Badezimmer auf einer großen Party oder 2007 bei einem virtuellen Friseurbesuch.

Das Schöne daran ist: Solche Software ist immer leichter zu bedienen. Fans auf der ganzen Welt laden ihre 8D-Remixe auf Youtube hoch. Darum findet man mittlerweile wirklich jeden erdenklichen, vielleicht unnötigen Song in einer 8D-Version.

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Use Headphone | CRAZY FROG - AXEL F | 8D Audio with 8D Feel | Bild: 8D Feel (via YouTube)

Use Headphone | CRAZY FROG - AXEL F | 8D Audio with 8D Feel

Übrigens: Psychoakustik ist nicht nur zum Spaß da, sondern wird auch für richtig sinnvolle Dinge eingesetzt, wie etwa intelligente Hörgeräte oder Heimkino-Soundsysteme.

Sendung: Netzfilter vom 30. März 2019