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Info So unwiderstehlich breitbeinig wie die Wiener Wunderband Bilderbuch kommen wenig deutschsprachige Rockgruppen daher. Da tropfen Sexappeal und Spielfreude nur so aus den Lautsprecherboxen. So auch bei "Checkpoint (Nie Game Over)".

Instagram für Blinde Was taugen die neuen Features für Sehbehinderte?

Wieso Instagram, wenn man gar nicht sehen kann? Weil es geht! Mit zwei gerade neu eingeführten Features sogar noch besser. Aber auch als sehende Menschen könnt ihr mehr tun, als ihr denkt.

Von: Amy Zayed

Stand: 12.12.2018 | Archiv

Instagramlogo mit Braille-Schrift | Bild: BR

Ich bin Amy, Radiofrau für alles rund ums Thema Popkultur. Ich bin blind, und ich nutze Instagram! Warum? Weil es geht! Es macht Spaß – und es hilft mir bei der Arbeit. Ich nutze Insta wie jeder andere auch: Checken, was Freunde und Familie so treiben, aber auch um zu recherchieren, was es bei Künstlern, Schauspielern, Museen, Musikern oder Modedesignern gerade Neues gibt.

Warum Insta? Weil’s geht!

Ich nutze es aber auch, um meine Interviews zu bewerben, und meine Follower auf Sendetermine aufmerksam zu machen. Dabei ist mir dann wie jedem anderen wichtig, wie das Bild aussieht, und wie es wirkt. Deshalb bin ich auch bei den Fotografen, die ich für solche Zwecke auswähle sehr sorgfältig, und gucke ganz genau, wer mir in der Art am Besten zusagt.

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#jarviscocker #pulp

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Die meisten blinden Menschen benutzen eine bestimmte Smartphone-Marke: nur die hat serienmäßig eine Software im Betriebssystem, die reibungslos und einwandfrei das Display entweder vorliest oder in Blindenschrift lesbar macht. Wenn ich also auf Instagram gehe, liest mir entweder der Screenreader den Bildschirm vor – oder ich schließe per Bluetooth eine sogenannte Braillezeile an mein Handy oder Tablet an. Die übersetzt mir den Bildschirm in Blindenschrift, die ich dann ertasten kann.

Fotos, vorgelesen

Seit einigen Tagen hat Instagram neue Features, die es mir und anderen Blinden vereinfachen soll, es zu nutzen. Der Screenreader liest mir jetzt vor, was auf den Fotos zu sehen ist. Zum Beispiel: "Drei Leute, einer mit Sonnenbrille, eine Bühne mit Musikern". Oder: "Strand, Meer, Wellen und fünf lachende Menschen." Instagramnutzer können mittlerweile auch Tags setzen, um anzuzeigen, wo man gerade ist und auch eine Art Extra-Bildunterschrift hinzufügen, die ganz genau beschreibt, wer oder was auf dem Bild zu sehen ist.

Ist das hilfreich? Auf jeden Fall! Denn nicht jeder Blinde ist gleich blind. Es gibt Blinde, die gar nichts sehen, andere sehen wiederum hell, dunkel und Schatten, andere können Gesichter bei besonderen Lichtverhältnissen besser erkennen. Zusätzliche Erklärungen helfen definitiv!

Was Blinde und Sehende tun können

Am wichtigsten: einfach die Kernaussage hinschreiben, gerne auch in die normale Bildunterschrift. Es muss gar kein ausufernder Bericht sein. Es reicht schon wenn da steht: "Mein Bruder und ich beim Tennisspielen im Club" oder "Meine beste Freundin und ich beim Shoppen". Genauso wie "Tolle Schuhe gesehen, passen mir, bloß meinem Konto nicht", wenn ihr zum Beispiel die Schuhe und das Preisschild postet. Prägnante kurze Angaben, das reicht dicke! So können sehende Menschen ihre Posts auch Blinden einfach zugänglich machen.

Und als blinder Mensch? Sollte man sich vor allem immer fragen: Was möchte ich mit meinen Posts erreichen und wie wirke ich darin? Was will ich den anderen Nutzern, die meist ja sehen können, vermitteln? Fragt mehrere Menschen, nutzt euren eigenen Sehrest, wenn ihr einen habt, und bildet schließlich und endlich eure Meinung. Kommentiert oder liket andere Posts nur dann, wenn ihr ganz sicher seid, was ihr da liket. Wenn da nur steht "#Urlaub", kann das schließlich alles heißen. Am Ende ist Instagram, wie jedes andere soziale Medium, vor allem durch uns alle, ob sehend oder blind, so gut wie es ist. Hilfsmittel vereinfachen nur, aber wir gestalten!

Sendung: Filter, 12.12.2018, ab 15 Uhr