Jetzt Fever The Black Keys

Info The Black Keys aus Akron, Ohio sind nur zu zweit, klingen aber fett wie vier. "Fever" (2014) klingt, als könnte es die gesunde Körpertemperatur mindestens um 3 Grad nach oben treiben. Vermutlich, weil man einfach mittanzen muss.


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Die Frage // Wie komme ich mit dem Tod klar? "Anfangs will man die Ärzte verprügeln…"

"Hallo, ich bin Luise und habe den Krebs satt" - so stellt sich Luise auf ihrer Facebook-Seite vor. Ihr Krebs ist nicht mehr heilbar. Wie macht Luise trotzdem das Beste aus der Zeit, die ihr bleibt?

Von: Michael Bartlewski & Tobias Henkenhaf

Stand: 27.04.2015 | Archiv

Tod, Sterben - normalerweise versuchen wir gar nicht daran zu denken. Bei Luise ist das anders. Sie muss sich jeden Tag damit auseinandersetzen, dass sie bald vielleicht nicht mehr da ist. Mit 23 Jahren erhält Luise die Diagnose Scheidenkrebs – ein Schock, aber Luise wird operiert und ist erstmal krebsfrei. Erstmal.

Im Herbst 2013 macht sie Urlaub mit Freunden an der Ostsee. Luise fühlt sich total schwach, selbst durch den Sand zu laufen fällt ihr schwer. Sie geht wieder zur Untersuchung. Endloses Warten auf das Ergebnis, bis fest steht: "Der Krebs hat gestreut, sie haben Lungenmethastasen."

"Man ist gesund, hat Spaß, macht Party, raucht ohne Ende Zigaretten, betrinkt sich gerne mal und genießt den Rausch, hat Sex mit Menschen, die man eigentlich kaum kennt und alles ist total geil. Und man denkt, so geht es erstmal immer weiter. Bis man halt 'erwachsen wird' und 'reifer'. HARHAR…Dann bekommt man Krebs und merkt: 'Hups, geht halt doch nicht ewig so weiter, die Zeit hat sowas wie Grenzen.'"

Luise auf Facebook

Die zweite Diagnose ist schlimmer für Luise als die erste: "Ich hab dann direkt nachfragt: Sterbe ich in zwei Wochen oder was?" Eine genaue Prognose können ihr die Ärzte nicht geben, ihr Krebs ist sehr selten, es gibt wenige Statistiken. Und: Die Ärzte sagen ihr auch gleich, man kann nicht mehr operieren, weil der Krebs ungünstig liegt und schon zu groß ist.

Luise fällt in ein depressives Loch, motzt ihre Freunde an, ist wütend. "Am Anfang möchte man die Ärzte verprügeln, und sagen: Ihr müsst mir doch helfen können, anderen könnt ihr doch auch helfen, warum mir nicht?"

Es braucht Zeit, bis Luise lernt, mit ihrem Schicksal umzugehen. Luise entdeckt "Recover your Smile". Der Verein bietet Fotoshootings für krebskranke Menschen an. Mit Schminke, mit Kostümen – das Lächeln wieder entdecken, trotz Krankheit.

Die Menschen dort geben Luise viel Kraft, sie sagt: „Ich bin dadurch viel selbstbewusster geworden“. Durch die Krankheit erkennt die 26-Jährige was ihr wirklich wichtig ist. Zeit mit Freunden verbringen. Gute Gespräche führen. Intensiv leben. Die Zeit nützen. Nicht so viel Jammern, sondern das Beste draus machen.

Der Krebs wird bei Luise zwar mit einer Chemotherapie behandelt, aber es geht nicht mehr darum ihn komplett zu besiegen, sondern um ihre Lebensqualität.

"Am Anfang hab‘ ich mir gedacht, wieso mach ich den ganzen Scheiß mit Chemotherapie nochmal? Damit ich dann zwei Wochen länger lebe, oder wofür? Und mittlerweile denke ich mir, ja genau dafür mache ich das, und wenn es nur ein Scheiß Tag länger ist. Ich bin noch da, und dafür bin ich dankbar."

Luise

Mit ihrem Blog und ihren Videos gibt sie vielen anderen Menschen Kraft. Aber manchmal sitzt sie auch einfach weinend vor Schmerzen in der Wohnung. Luises Leben ist ein ständiges Auf und Ab. Es geht von Untersuchung zu Bestrahlungen. Stunden im Krankenhaus sind Alltag für sie, ein Termin bei der Bronchoskopie oder wenn mal wieder Blut- und CRP-Werte gecheckt werden. Trotzdem, Luise lässt sich nicht unterkriegen.

"Man sollte vielleicht doch JETZT anfangen, sein Leben genauso so zu leben, wie man es möchte, wie man es schon vorher hätte machen sollen. Nicht mehr zu sagen, 'ach naja, das mach ich nächstes Jahr, dieses Jahr hab ich zu wenig Zeit'. Nein! Denn keine Zeit zu haben, gibt es eigentlich nicht, wenn wir mal ehrlich zu uns sind."

Luise

Luise,

wir haben alle gehofft. Bis zum Schluss. Aber am 5. Juni 2015 bist du leider von uns gegangen. Dieser Scheiß-Krebs. Vielen Dank, Luise, dass du uns in dein Leben gelassen hast. Dass wir dich kennenlernen durften. Du wirst bleiben. In unseren Köpfen und Herzen. Wir sind in Gedanken bei dir und deiner Familie.


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