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Ruhmeshalle Bob Marley - Exodus

Am 6. Februar 2010 wäre Bob Marley 65 Jahre alt geworden. Höchste Zeit, mal über den Greatest-Hits-Tellerrand hinauszublicken und das Meisterwerk "Exodus" aus dem Jahr 1977 feierlich in unsere Ruhmeshalle aufzunehmen.

Stand: 05.02.2010 | Archiv

Bob Marley | Bild: Universal

Es gibt Musiker, die leiden ganz besonders unter der Best-of-Wut der Musikindustrie. Das wohl prominenteste Beispiel heißt Robert Nesta Marley, besser bekannt als Bob Marley. Zusammen mit seiner Band The Wailers hat der Übervater des jamaikanischen Reggae in verschiedenen Studios unzählige Songs und zehn Alben aufgenommen. Aber obwohl sein Schaffen vielschichtig und tiefgründig ist, steht doch in fast jeder Plattensammlung nur ein zusammengewürfeltes Album – und das heißt "Legend".

Am 6. Februar 2010 wäre Bob Marley 65 Jahre alt geworden. Höchste Zeit, mal über den Greatest-Hits-Tellerrand hinauszublicken. Da wäre das wütende "Survival" von 1979, eine in Vinyl gepresste Anklage gegen Unterdrückung und Rassismus. Nicht minder interessant ist "Uprising", Marleys letztes Album, in dem er sich so ernsthaft wie nie zuvor mit der Rastafari-Religion auseinandergesetzt hat. In seiner Vielfalt spiegelt aber wohl "Exodus" am besten Bob Marleys Leben und Karriere wider – inklusive all der Hochs und Tiefs, die er privat und als Musiker durchlebt hat.

Bob Marley - Exodus (Cover)


"Exodus" entsteht 1977. Wie der Name schon vermuten lässt, wird es nicht in Jamaika aufgenommen. Marley war in Kingston bei einem Anschlag auf sein Leben angeschossen worden – er hatte nur knapp überlebt. Um das Trauma zu verarbeiten, geht er nach London. Dort findet er die Ruhe, die ihm in seinem Heimatland verwehrt bleibt. "Exodus" wird eines seiner erfolgreichsten Alben: Die Platte hält sich über ein Jahr in den britischen Charts. Marley und seiner Band gelingt der perfekte Brückenschlag zwischen entspannter Feel-Good-Music und Klageliedern über gesellschaftliche Missstände.

"Are you satisfied with the life you're living?" fragt uns Bob Marley auf "Exodus", denn er selbst war ein Getriebener, der nie zufrieden war. "Jamming" und der Titelsong haben es auf die Best-Of-Compilation "Legend" geschafft – aber wer außer seinen wahren Fans kennt schon das resignierte "Guiltiness"? Das laszive "Turn Your Lights Down Low"? Das entrückte "So Much Things To Say"?

Obwohl das Time Magazine "Exodus" zum besten Album des 20. Jahrhunderts gekürt hat, ist längst noch nicht alles über dieses Meisterwerk gesagt. Und das ist gut so – denn mit Worten kann man die Magie des Albums sowieso nicht erklären.


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