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Tracks der Woche #47/17 FIL BO RIVA, C.O.W. 牛, Quiet Luke, Lakedaimon, Gerard

Die Tracks der Woche umweht ein Hauch von Mystery: geheime Identitäten, eine mystische Aura, ein Medium zwischen Vergangenheit und Gegenwart, antike Heldensagen und ein Track über Vergänglichkeit.

Von: Sophie Kernbichl

Stand: 20.11.2017 | Archiv

FIL BO RIVA, C.O.W. 牛, Quiet Luke, Lakedaimon, Gerard | Bild: FIL BO RIVA, C.O.W. 牛, Quiet Luke, Lakedaimon, Gerard

FIL BO RIVA – Head Sonata (Love Control)

Der Titel "Head Sonata" klingt wie aus der Zeit, als noch weißgepuderte Männer mit Perücken am Klavier ihr adeliges Publikum begeistert haben. Und so weit weg ist dieses Bild gar nicht von Fil Bo Riva, der eigentlich den eleganten Namen Filippo Bonamici trägt. Der gebürtige Italiener sitzt ebenfalls gerne am Klavier und weiß die Massen – wenn auch eher auf Festivals als bei privaten Soireen – mit Songs wie "Killer Queen" und "Like Eye Did" zu begeistern. Antiquiert klingt seine Musik aber nicht, denn Fil Bo Riva hat da einige Trümpfe im Ärmel. Besonders ist seine facettenreiche Stimme: In einem Moment klingt sie noch zerbrechlich und im nächsten strotzt sie nur so vor Kraft. Auf "Head Sonata (Love Control)" greift der Newcomer außerdem zu schwungvollen Bläsern und packt gegen Ende sogar noch die dreckigen Gitarren aus. Das Ergebnis ist eine wilde Mischung aus Singer-Songwriter-Pop, Folk und Rock.

C.O.W.  牛 – Level Up

Die Gameboy-Optik ist zum Markenzeichen der Band C.O.W. 牛 geworden: Die Musiker zeigen sich in ihren Videos und bei Live-Auftritten nur mit Pixelgesicht-Masken und auch ihr Sound erinnert gelegentlich an die 8-bit-Intros alter Spiele. Da ist es nur logisch, dass ihr neuer Track "Level Up" sich in diese Ästhetik einreiht. C.O.W. 牛 überzeugen darauf mit ihrem verkopften, elektronischen Sound und den ungewöhnlichen, verzerrten Lyrics. Der Track ist die erste Single aus der zweiten EP "$hanghai Money¥“, die am 1. Dezember erscheinen wird. Auch wenn das Kollektiv selbst, dank ihrer gelungenen Live-Auftritte, nicht mehr unbekannt ist, bleibt die Identität der Mitglieder des Quartetts immer noch streng geheim.

Quiet Luke – I Wanna Go

Die schwarzen Haare, der große Ohrring, der vielsagende Blick. Wenn man das Cover der Debüt-EP "Beholden" von Quiet Luke betrachtet, könnte man auf den ersten Blick meinen, es handle sich um eine alte Prince-CD. Den mittlerweile in New York lebenden Künstler umgibt auch so eine mystische Aura. Und das mit Anfang 20! Sein Sound ist vielschichtig, oft auch von der eher düsteren Sorte und eine innovative Mischung aus R’n’B und Elektro. Die neue Single "I Wanna Go" ist Teil der kommenden EP "Your Happy Place" und schlägt zunächst eine etwas andere Richtung ein: betont fröhlich, locker und perfekt geeignet zum Mitschnippen. Doch Quiet Luke scheint selbst nicht überzeugt zu sein von diesem super-duper-alles-easy-Life. Das führt dazu, dass sich der Sänger am Ende des Videos zu "I Wanna Go" verzweifelt mit seiner Gitarre im Gras wälzt, anstatt sich über seine fette Villa zu freuen.

LAKEDAIMON – Inhale/Exhale

Wie genau es passiert ist, wissen wir nicht. Aber irgendwie haben die Münchner Indie-Folk-Band Dobré und der Produzent Occupanther bei der Arbeit am neuen Album ein Nebenprojekt gestartet. Lakedaimon heißt es und trägt im Namen schon eine gehörige Portion Selbstvertrauen. Lakedaimon ist in der griechischen Mythologie der Sohn des Zeus und Stammvater der kampflustigen Spartaner. Die Debütsingle "Inhale/Exhale" klingt aber nicht nach angriffslustigem Kampfgeschrei, sondern viel mehr nach fast schon meditativer Entspannung: Das bedächtige, elektronische Instrumental und der beruhigende, Mantra-artige Refrain versetzen einen in Trance. Ob man bei wiederholtem Hören des Songs auch Visionen bekommt, wie die Priesterin des Orakels von Delphi? Das gilt es noch herauszufinden. Wir sagen der Band Lakedaimon jedenfalls nach diesem Debüt eine glänzende Zukunft voraus. Orakel Ende.

Gerard – Azurblau

Niemals wurde Bierpong stilvoller gespielt, als in Gerards neuem Video zu "Azurblau": Mit Kristallgläsern statt Pappbechern und bernsteinfarbenem Whiskey statt Billigbier feiert eine Meute Rentner eine rauschende Party zwischen Analogfernseher und Smartphones. Vergänglichkeit und Veränderung ist das Hauptthema des Tracks: "Unsere Sticker auf den Toiletten unsrer Clubs sind schon längst überklebt", rappt Gerard. Aber anstatt in der Quarterlife-Crisis zu versinken, hat sich der Österreicher scheinbar damit abgefunden und findet es mittlerweile ganz ok nicht mehr jeden Tag im Club zu stehen. "Azurblau" trägt klar die Handschrift des Rappers: poppige Beats, Synthie-Refrain, klare Artikulation und ein bisschen das Gefühl von Isolation.

Sendung: Freundeskreis, 20. November 2017 - ab 10 Uhr.