US-Musiker vs. Donald Trump Das Comeback der Protestmusik?

Donald Trump zieht ins Weiße Haus ein und die Musikwelt zieht aus, um sich ihm entgegen zu stellen. Warum Protestmusik aufleben könnte, viele Musiker Angst haben – und sich andere sogar auf Trump freuen.

Von: Jasper Ruppert

Stand: 23.11.2016 | Archiv

Der größte Teil der Musik- und Kunstwelt hat sich schon im Wahlkampf gegen Trump gestellt. Egal ob Madonna, Katy Perry oder Bruce Springsteen – sie alle waren früh auf der Seite von Hillary Clinton. Mehrere Musiker haben sogar eine Aktion gestartet: 30 Days, 30 Songs. Unter dem Slogan „Artists for a Trump-free America“ haben sie Anti-Trump-Songs veröffentlicht: Von Death Cab For Cutie über R.E.M. bis Eminem.

Trump hat die Opposition der Musikwelt immer dann zu spüren bekommen, wenn er auf seinen Wahlkampf-Events Musik gespielt hat. Durch die Bank haben die Künstler Trump öffentlich aufgefordert, ihre Songs nicht mehr zu spielen: Adele und die Rolling Stones, Aerosmith und Elton John, Queen und Twisted Sister. Die Liste könnte noch lange weiter gehen.  Dabei ist Trump mal eine rapkulturelle Referenz gewesen, im Wahlkampf ist er auf Ablehnung gestoßen und jetzt gibt es sogar Hass.

Trump hat das besonders gespürt, als sein Team Künstler gesucht hat, die bei seiner Amtseinführung auftreten. Auch hier könnte man wieder eine endlose Liste von Stars zitieren, die mal dankend, mal wütend abgelehnt haben. Die britische Sängerin Rebecca Ferguson erklärte sich zwar bereit, aber nur, wenn sie "Strange Fruit" von Billie Holiday singen darf - einen der bekanntesten Protestsongs der USA. "Strange Fruit" aus dem Jahr 1939 prangert gewalttätigen Rassismus in der amerikanischen Gesellschaft an. In diesem Fall hat dann das Team von Trump dankend abgelehnt.

Die Liste der Musiker, die auf der Seite von Trump stehen, ist eher kurz: Ted Nugent, Kid Rock – und seit neuestem: die konservativen Rocker von Three Doors Down. Das wirkt etwas kümmerlich, wenn Acts wie Ryan Adams, Gorillaz und Arcade Fire extra Anti-Trump-Songs für die Amtseinführung geschrieben und veröffentlicht haben – nachdem sich eh schon fast alle großen Stars gegen ihn gestellt haben.

Gute Zeit für Protestmusik?

Wegen dieser Songs und der Opposition der Musiker im Wahlkampf, glauben viele, dass in den nächsten vier Jahren die Protestmusik wieder aufleben wird. Das liegt zum Beispiel deshalb nahe, weil es nach dem Höhepunkt der Protestmusik in den 60er Jahren um Künstler wie Bob Dylan und James Brown vor allem bei republikanische Präsidenten kleine Revivals gab. Nachdem die Musik in den 90ern eher unpolitisch war, war es George Bush junior mit seiner ultrareligiösen Agenda, der Protestmusik und Punk wieder eine Bedeutung gegeen hat. Bands wie Green Day erlebten ein Revival und der Sänger von NOFX, Fat Mike, gründete sogar eine Kampagne: Punkvoter sollte junge Menschen animieren, sich als Wähler registrieren zu lassen, um so eine zweite Amtszeit von Bush zu verhindern.

Abgesehen davon, dass die Republikaner wieder den Präsidenten stellen, ist es natürlich die Person Trump, an der viele Musiker nicht gleichgültig vorbeikommen, weil der Mann zum Beispiel damit prahlt, Frauen zu begrabschen, mexikanische Einwanderer als Vergewaltiger bezeichnet, Behinderte nachäfft und das ganze Land während einer Debatte wissen ließ, dass er keinen kleinen Penis hat. Außerdem beleidigt Trump alles und jeden entweder in Interviews oder bei Twitter. Da fällt es den meisten Musikern offensichtlich schwer, nicht irgendetwas an dem Mann anstößig zu finden.

Musik war schon unter Obama politisch

Das die Protestmusik in den USA eine neue Hochphase erleben wird, scheint also naheliegend. Diese Erwartungshaltung übersieht aber, dass die Musik unter Obama so politisch war, wie lange nicht mehr. Klar, war Obama selbst ein Popstar, der engen Kontakt zu Künstlern gesucht hat. In dieser Zeit ist aber auch Musik von Künstlern wie Beyonce oder Kendrick Lamar entstanden, die hochpolitisch war und gesellschaftliche Missstände anprangern. Zu glauben, dass unter Trump wieder alles politisch wird, ignoriert das, was in den letzten acht Jahren in diesem Bereich entstanden ist.  

Es gibt aber einen Punkt, bei dem viele sogar auf die Trump-Regierung hoffen: beim Thema Copyright-Reform. “Wir hoffen, dass die neue Regierung fairer zu Songwritern sein wird und den Einfluss von großen Tech-Firmen wie Google reduziert”, sagt zum Beispiel David Isrealite, CEO der National Music Publishers Association.

Wenigstens ein positiver Effekt von Trump auf die Musikwelt?

Der Hintergrund ist ein ähnlicher wie bei dem 2016 beendeten Streit in Deutschland zwischen YouTube und der GEMA. Viele Künstler hoffen, dass sie in Zukunft mehr Lizenzgebühren für ihre Werke bekommen, besonders im Bereich der digitalen Verbreitung. Die Kritik an Obama ist, dass er bei diesem Thema immer gebremst hat, wegen der engen Beziehungen seiner Regierung zu Google. Weil Trump ein vermeintlich Konservativer ist und selbst die Lizenzen für seine Show "The Apprentice" hat, hoffen viele, dass er sich bei dem Thema auf die Seite der Kulturschaffenden stellt.

Wenn man das aber außen vorlässt, bleibt mit Trump der Sieg einer gefährlichen Rhetorik. Musik lebt von Diversität und die ist es, die er immer wieder angreift. Werden sich also Musiker, die einer Minderheit angehören, weiter frei äußern oder werden sie Angst vor möglichen Folgen haben?

Es wird in den nächsten vier Jahren mehr Protestmusik geben, das ist relativ sicher. Sie wird in einem Umfeld entstehen, in dem demokratische Grundregeln in Gefahr sind. Das wird einige lauter werden lassen und andere zum Schweigen bringen. Umso wichtiger könnte es für die werden, die nicht mit Trump einverstanden sind, sich nicht auf die demokratische Partei, die Medien oder Protestmusik zu verlassen. Oder wie Chris Barker, Sänger und Bassist der Punk-Band Anti-Flag im PULS-Interview fordert:

"Wenn dir bedrohte Minderheiten nicht egal sind, wenn dir die Leute nicht egal sind, die Donald Trump attackiert, wenn du Mitleid für mehr als nur für dich selbst hast, dann will ich dich im Kampf gegen Donald Trump in meinem Team. Es wird uns alle brauchen."

Chris Barker, Anti-Flag