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Interview zum abgebrochenen Chiemsee Summer Festival "Eine Evakuierung muss sehr, sehr gut überlegt sein"

Herumfliegende Zelte, verängstigte Besucher, mehrere Verletzte: Am Freitagabend hat das Unwetter, das in Bayern gewütet hat, auch das Chiemsee Summer erreicht. Kam die Evakuierung des Geländes zu spät? Wir haben mit Festivalsprecher Jonas Rohde geredet.

Von: Laury Reichart

Stand: 21.08.2017 | Archiv

Beschädigte Zelte und Habseligkeiten von Besuchern des Chiemsee-Summer-Festivals liegen auf dem Gelände in Übersee (Bayern). | Bild: picture-alliance/dpa/Christian Hartmann

PULS: Jonas, ihr habt das Chiemsee Summer am Freitagabend abgebrochen. Viele Besucher haben sich darüber beschwert, dass ihr zu spät reagiert habt, dass zwischen der Aufforderung, Schutz zu suchen und dem Beginn des Unwetters relativ wenig Zeit vergangen ist. Was sagst du zu diesen Vorwürfen?

Jonas Rohde, Festivalsprecher vom Chiemsee Summer: Als Mensch kann ich natürlich verstehen, dass es so wirkt und auch dass sich Leute beschweren. Letztendlich sieht die Situation aber etwas anders aus, als es vielleicht den Anschein hatte. Fest steht nämlich, dass wir die Evakuierung schon früher begonnen haben und zwar mit den Festzelten auf dem Gelände. Das hatte den Hintergrund, dass das Sicherheitskonzept auch überall auf vergleichbaren Großveranstaltungen vorsieht, sowas zuerst räumen zu lassen. Denn wenn es ein Unwetter auf dem Gelände gibt, dann ist der erste Reflex: "Man will nicht nass werden“ - und sucht sich Schutz in den Zelten. Und das galt es eben ganz akut zu verhindern. Denn wenn sehr viele Leute in ein Zelt kommen, ist klar, was passiert. Es kann zu einer Massenpanik kommen und dabei kann es ja allein durch die Überfüllung selbst zu Verletzungen kommen. Das heißt: Erst mussten alle Räume auf dem Festivalgebiet evakuiert werden und erst dann kam die Aufforderung über die Bühne, die Lautsprecher und die Pushbenachrichtigung in der App, dass sich das restliche Veranstaltungsgelände in die Autos begeben soll. 

Ihr habt also zuerst das Zelt evakuiert. Das erklärt auch das Gerücht, dass angeblich die Evakuierung vorher in einem Zelt geprobt wurde. Trotz allem kann man natürlich auch sagen: Vielleicht habt ihr ein bisschen zu spät angefangen, die Zelte zu evakuieren…

Also fest steht, dass sowohl die Meteorologen, die wir ja eigens vor Ort hatten, wie auch der Deutsche Wetterdienst von der Intensität und auch der Geschwindigkeit des Unwetters überrascht worden sind. Das hat auch die örtliche Polizei so schriftlich in einem Statement rausgegeben. Und dem schließen wir uns natürlich an. Wir hätten gerne früher angefangen. Aber Fakt ist, dass wir die Situation mit eigens engagierten Meteorologen das ganze Festival über beobachtet haben und nicht früher zu dem Entschluss kommen konnten. Und das ist eben ein ganz wichtiger Punkt. Denn bevor man eine Evakuierung auf gut Glück sehr früh in Auftrag gibt, muss das sehr, sehr gut überlegt sein. Und die Wetterlage sah eben so aus, dass wir sehr gute Gründe hatten, mit einem weitaus schwächeren Sturm zu rechnen - und vor allem, dass dieser Sturm uns erst später erreicht. Von daher: Ja, wir hätten gerne früher gewarnt, aber wir haben es schlichtweg nicht gekonnt.

Es lag also nicht daran, dass ihr unbedingt noch The Offspring fertig spielen lassen wolltet, die gerade auf der Hauptbühne waren?

Nein. Es ist natürlich eine Ansicht, die jemandem, der die Branche nicht kennt, nahe liegt. Aber die Realität sieht so aus: Es gibt Versicherungen und es gibt auch entsprechende Vereinbarungen mit dem Management. Es geht definitiv nicht darum, The Offspring möglichst lange spielen zu lassen, damit wir als Veranstalter noch länger Bier verkaufen können, oder damit wir irgendwelchen vertraglichen Bestimmungen mit der Band gerecht werden. Der Spielbetrieb selbst kann jederzeit mit gutem Grund eingestellt werden, ohne dass wir da einen wirtschaftlichen Schaden befürchten müssen.

Ihr habt den Besuchern ja per App geschrieben: "Behaltet auf jeden Fall eure Tickets." Gibt‘s in Sachen Rückerstattung schon was Neues?

Mehr als diesen Satz kann ich erstmal leider auch nicht sagen. Auch das ist natürlich ein Prozess, der länger dauert. Wir sprechen jetzt natürlich mit mehreren Akteuren und wir werden uns dann wegen der Rückerstattung möglichst schnell an unsere Besucher wenden.

Sendung: Filter vom 21.08.2017 ab 15 Uhr