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Erfolg dank Streaming "Durch Spotify sind Milky Chance global geworden"

YouTube, SoundCloud, Spotify - ohne Streaming geht im Musikbusiness heute gar nichts mehr. Wie das die Karriere von Milky Chance beeinflusst hat und was die Streaming-Daten über die Band verraten, weiß Marie Heimer von Spotify.

Von: Katja Engelhardt

Stand: 19.05.2015 | Archiv

Marie Heimer von Spotify | Bild: BR

Schon bevor Milky Chance vom Mainstream entdeckt und bei Radiostationen von Deutschland bis Australien hoch und runter gespielt wurden, hatten die zwei Kasseler schon Fans außerhalb von Deutschland. Stichwort: Internet. Immerhin konnte man die ersten Songs, die Sänger Clemens auf eigene Faust bei YouTube hochgeladen hat, auf dem ganzen Globus hören.

Wie wichtig Streaming für die Musikkarriere allgemein und speziell für Milky Chance ist, darüber haben wir mit Marie Heimer gesprochen, Managerin der Label Relations bei Spotify.

PULS: Wie ist denn die Geschichte von Milky Chance auf Spotify?

Marie Heimer: Es ist auf jeden Fall eine Erfolgsgeschichte. Wir sehen bei der Band, dass es nicht wie im klassischen Download-Geschäft oder im klassischen CD-Geschäft den einen, großen Verkaufsmoment gab und danach fällt das Ganze wieder ab. Stattdessen steigert sich das im Streaming langsam - und das sehen wir besonders bei Milky Chance. Im Oktober 2012 ist das Album erschienen, der höchste Ausschlagspunkt an Streams ist aber erst im Mai des Folgejahres erfolgt. Es dauert einfach eine Weile, bis der große Moment der Popularität erreicht ist.

Würdest du sagen, das ist eine organische Entwicklung?

Auf jeden Fall. Die Band hatte schon eine sehr große Fanbase innerhalb von Deutschland. Über Spotify sind Milky Chance dann aber auch global geworden. Das sieht man deutlich an den Städten, in denen sie am meisten gestreamt werden - London, Städte in Mexiko. Viele der Hörer wissen gar nicht, dass Milky Chance aus Kassel kommen. Ich glaube, Milky Chance haben wirklich einen Nerv getroffen - gerade in unserer Zielgruppe, die ja sehr jung ist. Die globale Verbreitung von Songs funktioniert bei Spotify so gut, weil sie sich nicht an Ländergrenzen orientiert: Jeder hat Zugriff auf jede Playlist weltweit.

Inwiefern kann ich die Verbreitung denn selbst beeinflussen, wenn ich als Musiker auf Spotify bin?

Wichtig zu verstehen ist, dass Spotify nicht nur eine Kaufplattform ist, sondern eine Plattform, zu der du jeden Tag zurück kommst, auf der du Neues entdecken und auch mit Bands interagieren willst. Als Musiker kannst du dir bei Spotify ein Profil einrichten - so ähnlich wie auf Facebook oder Twitter - und über Playlisten mit deinen Fans kommunizieren. Milky Chance haben zum Beispiel eine Playlist mit Songs angelegt, die sie im Tourbus hören. Das ist für Fans natürlich total interessant, weil sie die Band so nochmal auf einer ganz anderen Ebene kennenlernen.

Spotify stellt den Künstlern auch seine gesammelten Daten zur Verfügung. Wie kann denn eine Band die Daten nutzen?

Wir stellen zum Beispiel demografische Daten zur Verfügung, durch die man erfährt, wer die Musik eigentlich regelmäßig hört und vielleicht die Art Fan ist, die man auch auf Konzerten wiedersieht. Darauf aufbauend kann man dann seine Tour planen und das Risiko ausschließen, in eine Stadt zu fahren, wo einen keiner sehen will.

Was kannst du denn über die Fans von Milky Chance bisher sagen?

Wenn wir uns die Daten anschauen, sehen wir, dass mittlerweile die Mehrzahl der Streams aus den USA kommt. Das ist für eine Band aus Deutschland sehr ungewöhnlich. Wir sehen auch, dass Milky Chance in unserer Hauptzielgruppe unterwegs sind, also bei den 18- bis 27-Jährigen. Und wir sehen, dass die Playlistnutzung sehr stark ist. Das heißt: User hören die Songs auch über Playlisten von Freunden, von unserer Redaktion oder von Labels, nicht nur über die selbst angelegten Listen. Bei Milky Chance sind das sogar über 50 Prozent.

Warum ist das so wichtig?

Beeindruckende Klickzahlen auf Spotify

Von den Playlisten aus findet dann im besten Fall eine Art Reise statt, so dass der Anteil fremder Playlisten beim Hören abnimmt und die Songs in die eigenen Playlisten der User wandern: Jemand hört einen Song woanders, nimmt den Track und packt ihn in seine eigene Playlist. Dadurch ist dann sichergestellt, dass sich das Streamingvolumen ständig steigert und nicht mehr niedriger wird. Das Interessante beim Streaming ist also, dass es nicht nur den einen Moment gibt, wenn das Album veröffentlicht wird und dann ist wieder drei Jahre nichts - sondern, dass die Hörer und Verkäufe über Jahre immer mehr werden. Das ist eine Dynamik, die man so bisher nicht kannte.

Der größte Hit von Milky Chance ist ja "Stolen Dance". Bleibt das so oder hören die Leute eher das ganze Album?

Bei Milky Chance wird sehr viel das Album gehört. Mit "Flashed Junk Mind" gibt es auch noch einen zweiten Track, der sehr oft einzeln gehört wird. Aber das Album ist insgesamt eine sehr geschlossene Einheit. Das ist relativ selten. In anderen Pop-Produktion ist oft nur ein Track so relevant, dass er das Album mitzieht.

Gibt es bestimmte Playlisten, die für Milky Chance sehr wichtig waren?

Die meisten Plays kommen aus der Playlist eines ganz normalen Users, die heißt "Dance around the house". Außerdem waren Milky Chance in einer unserer eignenen Playlists, die relativ weit oben war - sie heißt "Chill Hits". Man sieht wirklich, dass diese Playlisten einen enormen Einfluss auf das Streamingvolumen haben.  Am Anfang können bis zu 80 Prozent der Plays aus so einer Playlist kommen. Später verteilen sich die Songs langsam und organisch in die Playlisten der User.

Milky Chance sind ja im Herbst 2014 bei Jimmy Kimmel in den USA aufgetreten. Gibt es einen Zusammenhang zwischen solchen Auftritten und den vielen Plays auf Spotify? Wird bei euch nach aufstrebenden Talenten gefragt?

Wir haben relativ viele Medienkooperationen, nicht nur in den USA. Die Sichtbarkeit solcher Künstler ist unglaublich interessant, weil es ja bei Spotify wirklich darum geht, wie viel gehört wird - also um Trends, die sich manchmal unter der Oberfläche befinden. Und nicht unbedingt um die größte Marketingkampagne.


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Kommentare

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Kilian, Mittwoch, 20.Mai 2015, 17:37 Uhr

1. Fremde Feder

Da schmückt sich Spotify aber gehörig mit fremden Federn! Als ich im Januar 2013 Milky Chance für mich und meine Radiosendung entdeckte kam das über HypeMachine (als MP3 Blog aggregator) und HypeMachines "Fanbase" liegt in den USA. Spotify hat sicher später weiteren Anteil gehabt...