Bayern 1 - Experten-Tipps


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Heißes Wasser Wasserkocher oder Kochtopf?

Wasserkocher erhitzen Wasser schneller als ein Kochtopf auf dem Elektroherd. Doch schneidet der Wasserkocher auch im Vergleich mit modernen Induktionsherden besser ab? Der Bayern 1-Umweltkommissar ermittelt unter Hochdruck!

Von: Barbara Jelen

Stand: 20.08.2013

Illustration: Der Umweltkommissar hält eine Tasse in der Hand, die Biene bringt ihm einen Teebeutel, im Vordergrund steht ein Wasserkocher und ein Topf auf einem Herd | Bild: BR/Susanne Baur

Jeder zweite deutsche Haushalt besitzt einen elektrischen Wasserkocher, damit gehören sie laut Öko-Institut zur Standardausstattung. Wasserkocher sind günstig in der Anschaffung und verbrauchen weniger Strom als ein Wasserkessel auf dem Elektroherd, um die gleiche Menge Wasser zu erhitzen.

Wasserkocher gibt's in jedem zweiten deutschen Haushalt.

Das Öko-Institut empfiehlt wegen der gesamten Auswirkungen auf die Umwelt - inklusive Herstellung, Transport und Entsorgung der Wasserkocher - Wasserkocher als die "bedarfsgerechtere Methode des Wassererhitzens" im Vergleich zum Herd.

Allerdings sind bei dieser Untersuchung die modernen Induktionskochfelder, bei denen die Hitze durch ein elektromagnetisches Feld direkt im Boden des Kochgeschirrs entsteht, noch nicht berücksichtigt.  

Induktionskochfelder

Induktionskochfelder arbeiten energiesparsam.

Das Kochfeld selbst bleibt weitgehend kühl, nur der Boden und die Seitenwände des Topfes werden erhitzt. Dadurch erwärmt sich auch in sehr kurzer Zeit das Wasser oder andere Lebensmittel. Zudem lässt sich die Temperatur schnell und exakt regulieren. Es wird kaum Wärme an die Umgebung abgegeben. Eine herkömmliche Herdplatte strahlt noch etwa 20 Minuten nach dem Ausschalten Restwärme ab. 

Im Vergleich der unterschiedlichen Herdarten verfügt eine Induktionskochplatte über die beste Energieausnutzung, so das Umweltinstitut München. Außerdem brauchen moderne Induktionsherde (mit sogenannter Boost-Funktion) kaum länger als ein Wasserkocher, um Wasser zu erhitzen, hat die Deutsche Energieagentur berechnet.

"Die Induktion ist eine sehr effiziente Beheizungsart."

Professor Rainer Stamminger, Haushaltstechniker an der Universität Bonn

Allerdings sind Induktionskochfelder sehr teuer in der Anschaffung. Stiftung Warentest hat ausgerechnet, dass diese Kosten durch die Energieeinsparung nicht zurückgewonnen werden können. Außerdem müssen Töpfe und Pfannen für den Induktionsherd geeignet sein. Empfindliche Menschen stören sich unter Umständen an einem leisen Brummen oder Summen. Patienten mit Herzschrittmacher sorgen sich vor gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch das Magnetfeld. Dazu sind jedoch noch keine Untersuchungen bekannt.

Vergleich Wasserkocher - Induktionsherd

Im jüngsten "Wasserkocher-Test" der Stiftung Warentest (1/2013 test) wurde auch der Energieverbrauch von Induktionskochfeldern mit einbezogen. Das Ergebnis zeigt die Grafik.

Auch in diesem Vergleich erhitzt nichts das Wasser schneller als ein elektrischer Wasserkocher - weder Mikrowelle, Glaskeramik- oder Induktionskochfeld, weder Herdplatte noch Gasherd.

Nudelwasser und mehr

Nudelwasser am besten gleich im Kochtopf erhitzen.

Wer eine größere Menge Wasser braucht, um zum Beispiel eine große Portion Nudeln zu kochen, sollte das Wasser direkt im Kochtopf erhitzen. Einige geben das Wasser zuerst in den Wasserkocher, weil es da schneller kocht. Allerdings ist das nicht sehr energiesparend, sagt Professor Rainer Stammiger von der Uni Bonn: "In diesem Fall haben wir zweimal Energieverluste: Zuerst wird der Wasserkocher mit dem Wasser erwärmt, dann muss der Topf mit der größeren Menge Wasser wieder erwärmt werden. Vor allem bei Wasserkochern aus Metall ist der Verlust hoch, weil sie selbst viel Wärme speichern."

Wenn man also fünf Liter Wasser erhitzen will, ist es nach Ansicht des Experten sinnvoll, das direkt im Topf zu machen. Je größer die Wassermenge, desto weniger relevant ist der Aufheizverlust von Topf und Herd.

Wichtige Faktoren, die das Ergebnis beeinflussen:

  • Temperaturregelung beim Wasserkocher spart Zeit und Energie
  • möglichst geringer Zeitverzug bei Abschaltautomatik (teilweise dauert es 20 bis 30 Sekunden, in denen das Wasser weiterkocht)
  • Standby-Strom
  • ein Plastik-Wasserkocher heizt sich weniger stark auf als einer aus Stahlblech
  • bei kleineren Wassermengen (bis etwa 1,5 Liter) ist der Wasserkocher dem Induktionsherd überlegen
  • nicht mehr Wasser erhitzen, als jeweils gebraucht wird
  • am besten Geräte verwenden, die keine Mindestmenge Wasser benötigen
  • bei verkalkten Geräten steigt der Energieverbrauch

(Quelle: Stiftung Warentest)

Fazit:

Für den Tee ist der Wasserkocher die effizienteste Methode.

Bis etwa 1,5 Liter Wasser bleibt der Wasserkocher die effizienteste Alternative, um Wasser zu erhitzen. 


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