Bayern 1 - Experten-Tipps


55

Zusatzheizung im Test Radiator, Konvektor oder Heizlüfter?

Es gibt nichts Schlimmeres als im Winter in einer kalten Wohnung zu sitzen. Die Gründe dafür sind vielseitig. Abhilfe versprechen zusätzliche Heizgeräte wie Konvektor, Radiator oder ein elektrischer Heizlüfter. Der Bayern 1-Umweltkommissar will wissen, ob diese Geräte ökologisch wärmen.

Von: Alexander Dallmus

Stand: 10.10.2017

Illustration: Der Umweltkommissar und die Biene frieren und überlegen welche zusätzliche Heizung sie einschalten sollen | Bild: BR/Susanne Baur

Der Vermieter muss 20 Grad garantieren

Es gibt eigentlich eine Zentralheizung oder eine Etagenheizung, aber die Bude bleibt trotzdem kalt? Ärgerlich! Natürlich kann das viele Gründe haben: Die Heizungsanlage funktioniert nicht richtig und einzelne Heizkörper werden nicht richtig oder gleichmäßig warm, Wohnung oder Haus sind schlecht gedämmt und durch die undichten Fenster kriecht die Kälte in die Wohnung.

In Deutschland gibt es außerdem noch etwa 1,5 Millionen Nachtspeicherheizungen die mit Strom Wärme erzeugen. Die Große Koalition hatte 2009 eigentlich ein Verbot für „Nachtspeicheröfen“ ab 2020 beschlossen. Mit Ausnahme einiger Sonderfälle, sollten alle Nachtspeicheröfen bis dahin ausgetauscht werden. Betroffen von dieser Regelung waren Geräte, die vor dem 1. Januar 1990 in Betrieb genommen worden sind und in Gebäuden mit mehr als fünf Wohneinheiten stehen. Im Mai 2013 hat die damals schwarz-gelbe Koalition dieses Gesetz allerdings wieder gekippt, auch mit der Aussicht auf  eine moderne Regeltechnik bei Nachtspeicheröfen, sozusagen als Energiespeicher für schwankende Strommengen aus Windkraftwerken im Zuge der Energiewende. Dabei gelten die Nachtspeicherheizungen als Stromfresser und nicht mehr zeitgemäß. Nicht nur Umweltschutzorganisationen, auch Energieexperten meinen, dass Nachtspeicher-Heizungen große Mengen Strom verbrauchen und damit dreimal mehr Klimagase erzeugen, als Gas-Brennwertkessel und sogar zehnmal mehr als Holzpellet-Heizungen.

Wer zuhause im Winter bibbert, dem ist es erstmal egal warum es nicht richtig heizt, Hauptsache, es wird wieder warm. Dabei ist es Sache des Vermieters ein angenehmes Raumklima zu garantieren. Wenn es zu kalt ist, sagt Norbert Endres, Energieberater der Verbraucherzentrale Bayern, „dann ist der Vermieter eindeutig dafür zuständig, zu garantieren, dass zumindest in der Heizperiode – das ist Oktober bis einschließlich April – mindestens 20 Grad Lufttemperatur erreicht werden.“ Klappt das nicht, ist das sogar ein Grund zur Mietminderung. Wobei man das natürlich nicht der erste Schritt ist, sondern erst eine Mängelanzeige schriftlich beim Vermieter gestellt werden sollte, um dort sein Recht auf die 20 Grad Raumtemperatur einzufordern. Dieses Recht gilt für alle Räume, die einen Heizkörper besitzen, und zwar bei geschlossenen Fenstern und Innentüren.

Eine Zusatzheizung ist teuer und keine Lösung

Wer sich nach einer elektrischen Alternative umschaut, um zuzuheizen, muss sich in der Regel zwischen einem Heizlüfter, einem Konvektor oder einem Radiator entscheiden. Alle Arten haben ihre Vor- und Nachteile. Grundsätzlich funktionieren alle Elektroheizungen mit sogenannten Heizwiderständen, die sich erwärmen, wenn Strom fließt. Diese Wärme kann dann einerseits über einen Ventilator direkt an die Raumluft abgegeben werden oder bei Infrarotstrahlern direkt die Umgebung wärmen. Oft wird aber auch ein Speicher erwärmt werden (z.B. bei Elektroheizungen mit Schamottkern, Marmor oder Naturstein). Diese Wärme wird dann entweder ganz als Strahlungswärme abgegeben oder die Wärmeabgabe läuft mit Hilfe eines Ventilators.

Eine zusätzliche Heizquelle, die noch dazu am Strom hängt, macht energetisch und auch ökonomisch eigentlich keinen Sinn. „Denn elektrische Direktheizungen sind sehr teuer und man verheizt nichts anderes, als den teuersten, hochwertigsten Energieträger überhaupt“, sagt Energiebrater Endres, „nämlich den elektrischen Strom.“ Und der hat seinen Preis und kostet etwa drei Mal mehr als andere Brennstoffe. Liegt der Preis pro Kilowattstunde Strom, bei der effektiven Wärmeerzeugung, bei etwa 30 Cent, sind es bei Öl knapp unter zehn Cent und bei Gas sogar nur um die fünf Cent pro Kilowattstunde.“ In einem  Gaskraftwerk müssen mindestens zwei Kilowattstunden Gas eingesetzt werden, um eine Kilowattstunde Strom zu erzeugen. In Kohlekraftwerken ist der Faktor 3:1. Das sagt schon sehr viel, denn man nimmt Brennstoff her, mit dem man direkt heizen könnte, um Strom zu erzeugen. Das ist ein – energetisch betrachtet – sehr verlustreicher Weg.

Wer friert, will vor allem eins: Wärme!

Wer seine Heizkosten über so genannte „Verdunstungsröhrchen“ abrechnen muss, sollte von dieser Art der zusätzlichen Beheizung grundsätzlich die Finger lassen. Hier zahlen Sie nämlich doppelt: Nicht nur weil Sie ihre Extra-Heizquelle am Stromnetz hängen haben, sondern weil diese Röhrchen anzeigen, dass Sie es eigentlich mollig warm haben und schlagen so ebenfalls bei der Jahresabrechnung auch noch zu Buche.

Alternativen – Hydraulischer Abgleich

Eine zusätzliche elektrische Heizquelle macht natürlich erst Sinn, wenn alle anderen Möglichkeiten, die Wohnung warm zu bekommen ausgeschöpft sind. Das geht über die Fensterdichtungen, die Dämmung bis hin zum so genannten „hydraulischen Abgleich“. Vor allem in Mehrfamilienhäusern tritt nämlich immer wieder das Problem auf, dass im Erdgeschoss oder im ersten Stock, die Heizkörper noch einwandfrei funktionieren, aber in den höheren Etagen die Heizkörper nicht richtig warm werden. Das passiert deshalb, weil das Rücklaufwasser von der nächstgelegenen Wärmequelle der Heizungsregelung anzeigt, dass die Wärmezufuhr abgeschaltet werden soll. Möglicherweise durch einen zu geringen Durchflusswiderstand. Dadurch werden dann weiter entfernte Heizkörper nicht mehr richtig warm. Oft wird dann die Leistung erhöht, was aber dazu führt, dass das heiße Wasser einfach schneller oder noch heißer zurückfließt und das Problem nicht gelöst ist. Hier können nur Heizungsfachbetriebe Abhilfe schaffen, indem beispielsweise Thermostatventile neu eingestellt bzw. geschlossen werden. Diese Maßnahmen können in einem Mehrfamilienhaus allerdings schnell über 1.000 Euro kosten und sind nicht Sache des Mieters.

So wirkt sich ein hydraulischer Abgleich aus.

Die Energieberater der Verbraucherzentrale können hier helfen. Norbert Endres. hat sogar konkrete Entscheidungshilfen für den Vermieter parat: „Diese Heizungsoptimierung, sprich sogar der Austausch von alten Heizungs-Umwälzpumpen gegen moderne, hocheffiziente und auch die Heizungsoptimierung insgesamt – Stichwort: Hydraulischer Abgleich –, der wird staatlich gefördert. Vom Bundeswirtschaftsministerium gibt’s 30 Prozent Zuschuss für solche Maßnahmen.“

Konvektor – für den kurzfristigen Einsatz

Eine Konvektorheizung überträgt Wärme durch Konvektion an die Raumluft, nutzt also den thermisch bedingten Aufstieg von Luftmassen in kalte Schichten. Die von unten in den Heizkörper einströmende kühle Raumluft wird vom Konvektor erwärmt und gibt die erwärmte Luft oben an den Raum ab. Die warme Raumluft steigt nach oben, die kalte Raumluft „fällt“ nach unten, der Konvektor saugt die kalte Raumluft von unten wieder an und so entsteht eine Luftzirkulation im Raum. Um die warme Luft vom Konvektor wegzublasen und den Raum effektiver zu erwärmen, ist ein Ventilator eingebaut, der natürlich nicht geräuschlos ist. Deshalb ist es wichtig, darauf zu achten, ob es bei Konvektor-Heizungen auch die Möglichkeit gibt, den Lüfter abzuschalten.

Heizlüfter – auf Stauwärme achten

Der klassische Heizlüfter hat ebenfalls den Vorteil die Raumluft schnell zu erwärmen. Allerdings sind die meisten Geräte nur für kleine Räume (z.B. Badezimmer) geeignet. Weil vor allem das Gebläse für Geräusche sorgt, sollten Sie unbedingt die Geräte vor dem Kauf dahingehend vergleichen.

Beim Betrieb eines Heizlüfters muss außerdem unbedingt darauf geachtet werden, dass dieser möglichst frei steht und der Luftstrom nicht behindert wird. Stauwärme (beispielsweise durch zu wenig Ansaugluft oder versperrten Abluftweg) führt in kurzer Zeit zu einer Überhitzung des Gerätes und dessen Abschaltung, kann aber auch in Ausnahmefällen zu Bränden führen.

Radiator – braucht etwas länger

Ein Radiator ist einfach nur eine mobile Elektroheizung. Ein Ölradiator verbrennt beispielsweise kein Öl, sondern erhitzt nur das Öl im Innern des Radiators. Die Hitze des Öls wird über das Gehäuse dann an die Raumluft abgegeben. Durch die Rippen des Radiators wird die Oberfläche vergrößert, über die die Wärme abgegeben werden kann und deshalb können auch große Räume mit dem Gerät beheizt werden. Öl ist aber nicht das einzige Heizmedium welches in dieser mobilen Elektroheizung zum Einsatz kommen kann. Man findet auch Ausführungen in denen Wasser oder Gas durch die Rippen geführt wird. Egal welches Heizmedium verwendet wird, es wird immer durch ein Heizaggregat erhitzt, welches für den Betrieb Strom benötigt. Der Nachteil eines Radiators liegt darin, dass es länger dauert, bis sich der Raum erwärmt, da es kein Gebläse oder Ventilator gibt, der die Wärme besser verteilt. Der Vorteil liegt darin, dass der Radiator weitgehend geräuschlos ist und entsprechend sicherer, was Brände angeht. Auch wenn teilweise dazu geraten wird, mit einem kleinen Ventilator die warme Luft effektiver zu verteilen, ist das natürlich aus ökologischer Sicht unsinnig, weil eine zusätzliche Stromquelle genutzt wird.

Übersicht der Heizalternativen

Heizlüfter

Der klassische Heizlüfter hat ebenfalls den Vorteil, die Raumluft schnell zu erwärmen. Allerdings sind die meisten Geräte nur für kleine Räume, zum Beispiel das Badezimmer, geeignet. Weil vor allem das Gebläse für Geräusche sorgt, sollten Sie die Geräte vor dem Kauf dahingehend vergleichen.

Beim Betrieb eines Heizlüfters muss außerdem darauf geachtet werden, dass dieser möglichst frei steht und der Luftstrom nicht behindert wird. Stauwärme, die durch zu wenig Ansaugluft oder versperrten Abluftweg ensteht, kann in kurzer Zeit zu einer Überhitzung des Gerätes und dessen Abschaltung - in Ausnahmefällen jedoch zu Bränden führen.

Konvektor

Eine Konvektorheizung überträgt Wärme durch Konvektion an die Raumluft, nutzt also den thermisch bedingten Aufstieg von Luftmassen in kalte Schichten. Die von unten in den Heizkörper einströmende kühle Raumluft wird vom Konvektor erwärmt und gibt die erwärmte Luft oben an den Raum ab. Die warme Raumluft steigt nach oben, die kalte Raumluft "fällt" nach unten, der Konvektor saugt die kalte Raumluft von unten wieder an und so entsteht eine Luftzirkulation im Raum. Um die warme Luft vom Konvektor wegzublasen und den Raum effektiver zu erwärmen, ist ein Ventilator eingebaut, der natürlich nicht geräuschlos ist. Deshalb ist es wichtig, darauf zu achten, ob es bei Konvektorheizungen auch die Möglichkeit gibt, den Lüfter abzuschalten.

Radiator

Ein Radiator ist einfach nur eine mobile Elektroheizung. Ein Ölradiator verbrennt kein Öl, sondern erhitzt nur das Öl im Innern des Radiators. Die Hitze des Öls wird über das Gehäuse dann an die Raumluft abgegeben. Durch die Rippen des Radiators wird die Oberfläche vergrößert, über die die Wärme abgegeben werden kann. Deshalb können auch große Räume mit dem Gerät beheizt werden. Öl ist aber nicht das einzige Heizmedium, das in dieser mobilen Elektroheizung zum Einsatz kommen kann. Es gibt auch Modelle, in denen Wasser oder Gas durch die Rippen geführt wird. Egal, welches Heizmedium verwendet wird, es wird immer durch ein Heizaggregat erhitzt, das für den Betrieb Strom benötigt. Der Nachteil eines Radiators liegt darin, dass es länger dauert, bis sich der Raum erwärmt, da es kein Gebläse oder Ventilator gibt, der die Wärme verteilt. Der Vorteil liegt darin, dass der Radiator weitgehend geräuschlos ist und entsprechend sicherer, was Brände angeht. Auch wenn teilweise dazu geraten wird, mit einem kleinen Ventilator die warme Luft effektiver zu verteilen, ist das aus ökologischer Sicht unsinnig, weil eine zusätzliche Stromquelle genutzt wird.

Der beste Einstieg ins Thema Energieeffizienz ist die persönliche Beratung durch einen Experten - Informationen dazu gibt es bei der Verbraucherzentrale.

Infrarot – für gezielte Wärme

Der Vorteil von Infrarotheizungen liegt darin, dass durch die Infrarotstrahlen nur der Bereich oder der Gegenstand erwärmt wird, auf den sie treffen und dabei diese Strahlung absorbiert wird. Deshalb braucht eine Infrarotheizung auch weniger Strom, als andere elektrische Zusatzheizungen. „Also solche Marmor- oder Infrarotheizplatten, die kann man sich an die Decke hängen“, empfiehlt Energieberater Norbert Endres, „es gibt sogar Strahler für unter den Tisch, also wenn man im Büro kalte Füße hat oder in Kirchenbänken gibt’s solche Heizstrahler auch.“

Durch die gezielte Wärmeabgabe wird zudem die Luftfeuchtigkeit im Raum nicht verändert. Nachteil: Die Infrarotheizungen müssen in der Regel fest installiert werden.

Fazit

Keine Frage: Wenn die Wohnung oder auch einzelne Zimmer kalt sind, fallen Umweltaspekte erstmal hinten runter. Aber der Bayern1-Umweltkommissar kann eine elektrische Zusatz-Heizung natürlich nicht gut heißen. Der Wirkungsgrad, das heißt die Ausnutzung der eingesetzten Primärenergie, liegt nämlich im besten Fall bei gut 50 %. Das bedeutet Brennwertheizungen, die Gas oder Öl oder Pellets nutzen, bringen deutlich höhere Wirkungsgrade. Die Ökobilanz von Elektroheizungen würde natürlich wesentlich verbessert, wenn die Geräte zu 100 % mit Ökostrom beheizt werden. Gut und sinnvoll wäre außerdem ein Timer im Gerät, der zum Zeitpunkt X anfängt zu erwärmen, z.B. bevor man von der Arbeit nach Hause kommt oder morgens im Badezimmer, bevor man aufsteht.

Es gibt  noch ein weiteres Argument: Die Kosten! „Teuer dürfte es dann werden, wenn man sie ausschließlich benutzt und nichts Anderes, rechnet Energieberater Endres vor, „dann können die Heizkosten, pro Quadratmeter, für eine Heizperiode bis zu 80 Euro betragen.“

Abonnieren Sie den Umweltkommissar als Podcast - entweder hier in unserem Podcast Center oder direkt für iOs-Nutzer im iTunes-Store.


55