Bayern 1 - Experten-Tipps


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Auf kleiner Flamme Streichholz oder Feuerzeug?

Zum Anzünden von Zigaretten, Kerzen oder Grills gibt's die Wahl: Zündholz oder Feuerzeug? Der Bayern 1-Umweltkommissar will wissen, welche der beiden Alternativen umweltfreundlicher ist.

Stand: 07.05.2014

Illustration: Der Umweltkommissar hält ein brennendes Benzinfeuerzeug in der Hand, die Biene versucht ein Streichholz aus einer Schachtel zu ziehen | Bild: BR/Susanne Baur

Was heute an jeder Supermarktkasse für knapp einen Euro im Zweier- oder Dreierpack rumliegt, hätte vor 200 Jahren noch für großes Erstaunen gesorgt. Ein Klick und das Feuerzeug erzeugt eine Flamme, mit der sich Kerzen, Zigaretten und anderes anzünden lassen.

Feuerzeuge sind billige Massenware geworden.

Feuerzeuge sind ein Massenartikel geworden, der meist aus Plastik besteht und mit einem Gasgemisch aus Propan, Butan und Iso-Butan gefüllt ist. Weil es auch ein Wegwerfartikel ist, scheint es auf den ersten Blick klar, dass Streichhölzer wohl umweltfreundlicher sein müssen, da sie aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz bestehen und zumindest in der Entsorgung weniger problematisch sind.

Andererseits wird nur ein geringer Teil der Hölzer tatsächlich entzündet und die Köpfe bestehen schließlich aus einer Mischung aus Gummi, Kaliumchlorat, -chromat und sind mit Glasmehl und Schwefel überzogen.

Zündhölzer

Zündhölzer konnten erst Mitte des 19. Jahrhunderts gefahrlos hergestellt und entzündet werden.

Die sogenannten Sicherheitszündhölzer, wie wir sie heute kennen, gibt es noch gar nicht mal so lange. Auch wenn in China bereits vor mehr als 1.500 Jahren Kiefernhölzchen, in Schwefel getränkt, zum Anzünden verwendet worden sind, hat erst der Chemiker Rudolf Christian Böttger Mitte des 19. Jahrhunderts die Zündhölzer so weiter entwickelt, dass sie gefahrlos hergestellt und entzündet werden konnten.

Sein Patent für Sicherheitsstreichhölzer hat er denn auch nach Schweden verkauft, weshalb die Zündhölzer lange auch "Schwedenhölzer" hießen. Sie lassen sich nur an speziellen Reibflächen entzünden. Dadurch war das Problem der Selbstentzündung weitgehend gebannt. Der Kopf der Hölzer enthält meist ein Gemisch aus Schwefel oder Antimon(V)-sulfid sowie Kaliumchlorat als Oxidationsmittel. Hinzu kommen noch Zusätze wie Leim, Paraffin oder Farbstoff. Die Reibefläche ist verleimt und besteht aus Glaspulver und rotem Phosphor. Das Holzstäbchen ist mit Paraffin getränkt, damit es besser brennt. Die Imprägnierung mit wasserlöslichen Phosphatsalzen (zum Beispiel Ammoniumhydrogenphosphat) verhindert ein Nachglühen.

Bei den Vorgängermodellen brannte die Flamme oft unregelmäßig und es gab einen unangenehmen Geruch. Oder es gab Probleme durch die leichte Selbstentzündlichkeit beim Einsatz von weißem Phosphor. Dieser weiße Phosphor machte die Herstellung der Zündhölzer extrem gesundheitsschädigend, bis er schließlich durch roten Phosphor ersetzt wurde.

Bis 1983 gab es in Deutschland ein Zündholz-Monopol. Die Hölzchen hießen zum Beispiel "Welthölzer".

In Deutschland gab es übrigens lange Zeit das Zündwarenmonopol. Es wurde 1930 vom Reichstag erlassen. Der schwedische Industrielle Ivar Kreuger machte den Deal und vergab im Gegenzug langfristige Kredite an das wirtschaftlich schwächelnde Deutsche Reich. Anschließend durften dort Zündhölzer (und später auch in der BRD) nur von der Deutschen Zündwaren-Monopolgesellschaft vertrieben werden. Die Markennamen lauteten "Welthölzer" und "Haushaltsware". Den deutschen Herstellern sind dabei Produktionskontingente zugeteilt worden. Exporte oder gar Neugründungen waren nicht mehr erlaubt. Erst 1983 wurde das Monopol mit der endgültigen Rückzahlung der Kredite aufgelöst.

Feuerzeuge

Beim Feuerzeug entzündet ein Funken ein Gasgemisch.

Neben den bekannten Benzin- oder Gasfeuerzeugen gibt es mit den Luntenfeuerzeugen noch eine weitere gängige Variante. Wichtig war vor allem die Entdeckung des Österreichers Carl Auer von Welsbach. Er entdeckte 1903, das Cereisen, auch Zünd- oder Auermetall genannt, als Zündmittel. Cereisen ist eine Legierung aus 30 Prozent Eisen und 70 Prozent Cerium. Ein sehr effektives Zündmittel und noch heute in nahezu jedem Wegwerffeuerzeug drin. Bei Reibung oder einem Schlag entstehen heißglühende Funken, die zunächst Benzin entzündeten. Als in den 1960er-Jahren die nachfüllbaren Gastanks eingesetzt wurden, setzte sich das Gasfeuerzeug weitgehend durch.

Beim Luntenfeuerzeug glimmt eine fünf bis 20 Millimeter dicke Lunte aus umsponnener, chemisch imprägnierter Baumwolle. Die chemische Behandlung lässt die Lunte lediglich glimmen, eine Flamme entsteht nicht. Beim Benzinfeuerzeug wird die Brennflüssigkeit über einen Baumwolldocht zum Entzündungsort geleitet.

Einwegfeuerzeuge funktionieren übrigens nicht mehr, wenn es eisig kalt ist.

Feuerzeuggas besteht - je nach Hersteller unterschiedlich - aus einem Gemisch von Propan, Butan und Iso-Butan und alle drei Gase sind dabei hochentzündlich. Das Gas strömt mit hohem Druck über ein Ventil aus und entzündet sich, wenn Sauerstoff als Oxidator dazu kommt. Gasfeuerzeuge funktionieren übrigens bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt nicht mehr, weil der Dampfdruck des Feuerzeuggases Butan mit sinkender Temperatur abnimmt und deshalb nicht mehr genug Gas ausströmen kann.

Die Einwegfeuerzeuge werden mittlerweile in Massen aus Plastik hergestellt. Ist das Gas aufgebraucht, müssen sie entsorgt werden. Wegen der Vielfalt ihrer Inhaltstoffe sind die Einwegfeuerzeuge nach Gebrauch nicht mehr für das Recycling geeignet und werden zu Müll.

Herstellung und Kurzlebigkeit

Die herkömmlichen Einwegfeuerzeuge lassen sich zwischen 300 und 1.000 Mal entzünden, bis das Gas leer ist. Wie oft das tatsächlich klappt, hängt ganz von der Qualität des Feuerzeugs ab. Bei 38 Streichhölzern pro Packung und geschätzten 40 bis 50 Cent für die 10er-Packung sind Streichhölzer in jedem Fall etwas teurer als billige Einwegfeuerzeuge.

Ob das Holz für Streichhölzer aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammt, lässt sich nicht sicher sagen.

Zündhölzer bestehen zwar grundsätzlich aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz. Allerdings lässt sich nicht sagen, ob dieses tatsächlich aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammt. Außerdem werden natürlich mit jedem Entzünden auch Schwefeldämpfe frei, die es in der Gesamtbilanz zu berücksichtigen gilt. Der Zündkopf der heutigen Sicherheitszündhölzer wird aus Sauerstoffträgern (Kaliumchlorat, insbesondere Mangandioxid), leicht brennbaren Stoffen (Schwefel), reibenden Zusätzen (Glaspulver) und Farbstoffen sowie Bindemitteln (Tierleim) hergestellt. Das alles wiegt jedoch den Einsatz der Ressourcen nicht auf, der bei der Herstellung und letztlich auch der Verbrennung von Plastikfeuerzeugen entsteht.

Wiederauffüllbare Feuerzeuge halten unter Umständen Jahrzehnte.

Insofern haben Streichhölzer hier die Nase vorn. Anders sieht es natürlich aus, wenn ein wiederauffüllbares Feuerzeug zum Einsatz kommt, das vielleicht sogar Jahrzehnte hält und bei dem lediglich ab und an der Zündstein und die Lunte ausgetauscht werden müssen.

Unschlagbar sind sogenannte Öko-Zündhölzer, also Zündbriefchen. Die "Hölzchen" selbst sind ausschließlich aus Recyclingkarton hergestellt.

Fazit

Zündbriefchen bestehen aus Recyclingkarton und haben deshalb eine gute Ökobilanz.

Billig sind Einwegfeuerzeuge in jedem Fall und preislich selbst von einfachen Zündhölzern nicht zu schlagen. Aus ökologischer Sicht gehören die Plastikfeuerzeuge aber wie Wegwerfrasierer oder -Kameras zum Problemmüll, der in Massen anfällt und nicht verwertet werden kann. Er muss verbrannt werden.

Die umweltfreundlichste Variante etwas zu entzünden sind Zündbriefchen aus Recyclingkarton. Mit etwas Übung lassen sie sich gut entzünden und weisen eine gute Ökobilanz auf.


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