Bayern 1 - Experten-Tipps


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Kaffee, Kaffee, Kaffee Wie umweltfreundlich sind Kaffee-Kapseln?

Die Deutschen sind leidenschaftliche Kaffeetrinker, immer häufiger werden einzelne Tassen statt ganzer Kannen gebrüht. Sehr beliebt sind Kaffee-Kapseln. Ob das umweltfreundlich ist, will der Bayern 1-Umweltkommissar herausfinden.

Von: Alexander Dallmus

Stand: 05.08.2014

Illustration: Der Umweltkommissar hält ein Tablett mit drei dampfenden Kaffeetassen | Bild: BR/Susanne Baur

Die Zeiten von langweiligem Filter-Kaffee, ausgeschenkt aus der großen Thermoskanne, sind vorbei. Immer häufiger werden in Firmen und auch in Privathaushalten Einzelportionen aufgebrüht. 37.650 Tonnen Zellstoff-Pads, Kunststoff- oder Aluminum-Kapseln wurden im vergangenen Jahr in Deutschland verkauft.

Die Zeiten des Filterkaffee aus der Maschine scheinen vorbei.

Die Deutschen trinken leidenschaftlich gern Kaffee, pro Kopf durchschnittlich 149 Liter im Jahr. Der Kapsel-Kaffee-Markt boomt: Allein in Deutschland verzeichnen Hersteller einen Anstieg von 30 Prozent. Pro Minute - so die Angaben der Hersteller - werden weltweit 12.300 Tassen aus Kaffee-Kapseln getrunken.

Weder ökonomische noch ökologische Bedenken können dem Boom etwas anhaben. Die Kapseln vom Marktführer "Nespresso" kosten zwischen 31 und 37 Cent. Hört sich günstig an, wenn man aber bedenkt, dass in einer Kapsel lediglich sechs Gramm Kaffee enthalten sind, kommt man auf einen Kilo-Preis von mehr als 60 Euro. Selbst billigere Pads vom Discounter bringen es noch auf knapp 13 Euro - weit über dem derzeitigen Marktpreis. Ein Kilo Kaffeebohnen im Supermarkt kostet ungefähr zwischen acht und zehn Euro.

Alu-Problem

Die Herstellung von Aluminium ist alles andere als umweltfreundlich, weil es sehr energieintensiv ist: Zur Gewinnung von etwa einem Kilogramm Aluminium aus Bauxit liegt der Stromverbrauch bei gut 14 Kilowattstunden, allein dafür werden acht Kilogramm Kohlendioxid frei.

Alu-Kapseln verbrauchen in der Herstellung sehr viel Energie.

Aus einem Kilogramm lassen sich wiederum etwa 1.000 Alukapseln formen. Klingt viel. Rechnet man aber aus, dass 2010 sechs Milliarden Kapseln verkauft wurden, wurden dafür mindestens sechs Millionen Kilogramm Aluminium benötigt! Kaffeetrinker verursachen mit Kapselmaschinen – jede Minute – mehr als zwölf Kilogramm Aluminium-Abfall. 

Dass bei der Aluminium-Produktion Bauxit abgebaut, Regenwald abgeholzt, Landschaften zerstört und giftiger Rotschlamm entsteht, ist dabei noch nicht einmal berücksichtigt.

Markenführer "Nespresso" sieht hingegen die Vorteile des Materials. Aluminium ist geschmacksneutral und hält dem hohen Brühdruck, mit bis zu 19 Bar, sicher stand.

Recycling

Allerdings versucht Nestlé in der Schweiz, die Kunden mit einem gut organisierten Sammel- und Recyclingsystem zu besänftigen. Anders in Deutschland: Hier "dürfen" die gebrauchten Kapseln in den gelben Sack oder die gelbe Tonne, wo sie eigentlich nicht hingehören.

Auch eine Art des Recyclings: Schmuck aus gebrauchten Kaffee-Kapseln.

Das bereitet ökologisch sensiblen Kunden immer wieder Kopfzerbrechen, so dass sie ihre Kapseln vor dem Wurf in die Recyclingtonne (rest-)entleeren, um dem Material bessere Chancen zu geben, wiederverwertet zu werden. Dazu nutzen sie gerne den "Outpresso", eine Art Zange, in die man die Kapsel legt und die beim Zusammenkneifen das Kaffeepulver herausdrückt.

Nach Angaben der Nestlé-Tochter liegt die Recycling-Kapazität für Alu-Kapseln global betrachtet bei rund 75 Prozent.

Aluminium ist gut recycelbar. Für Alt-Aluminium reduziert sich der Energieeinsatz bei der Produktion um 90 bis 95 Prozent. Fünf bis zehn Prozent des ursprünglichen Energieeinsatzes bleiben also und würden so auch die Umweltbilanz von Kaffeekapseln verbessern. Wie hoch die Rückgabequote auch sein mag, die Produktion der Kaffee-Kapseln ist immer auch auf Neu-Aluminium angewiesen. Daraus sind nicht nur die Verschlussfolien, ein geringer Teil davon ist selbst für Alu-Recyclingprodukte nötig. Wirklich nachhaltig ist das natürlich nicht.

Es gibt auch Alternativen: zum Beispiel Kaffee-Kapseln aus wasserfesten Zellulosefastern. Der frühere Nespresso-Chef Jean-Paul Gaillard und seine Ethical Coffee Company vertreiben die schon seit einigen Monaten in Frankreich über die Casino-Supermarktkette. Gebrauchte Kapseln können angeblich bedenkenlos auf den Kompost geworfen werden und innerhalb von sechs Monaten zersetzen sie sich vollständig.

Entsorgungsvorteil bei Pads und Filter

Gebrauchte Filtertüten schaden der Umwelt nicht. Sie können zur Gänze in den Biomüll oder den Komposthaufen geworfen werden, die Filter verrotten dort.

Die Verpackung des Kaffeepulvers kann recycelt werden: Ab in die Gelbe Tonne damit – dann fallen nur 0,2 Gramm Abfall pro Tasse Kaffee an. Im Vergleich zu anderen Systemen landet die Filtertüte damit auf Platz eins!

Bei Kaffeepads ist die Umverpackung das größere Problem.

Pads schaden der Umwelt vor allem durch die Verpackung. Auch ein Kaffeepad darf in den Bio-Müll. Bei den Pads schlägt jedoch die Verpackung negativ zu Buche: 0,8 Gramm Müll verursacht jede Tasse Pad-Kaffee. Pads schaden damit der Umwelt im Vergleich mehr als die traditionellen Filtertüten.

Die Hauptsache ist der Kaffee

Kaffeeanbau hat eine schlechte Ökobilanz.

Was den Kaffeegenuss in erster Linie ökologisch bedenklich macht, ist der Kaffeeanbau selbst. Kaffee hat allgemein eine schlechte Ökobilanz. Für den Anbau wird Urwald gerodet, es kommen Düngemittel und Pestizide zum Einsatz. Sie belasten das Grundwasser und reduzieren die Artenvielfalt. Der Wasserverbrauch ist enorm: Die Herstellung von einem Kilogramm Röstkaffee erfordert in der Herstellung etwa 21.000 Liter Wasser. Pro Tasse sind das mehr als 140 Liter. Zum Vergleich: Eine Tasse Tee kommt in der Produktion mit 30 Litern Wasser aus. Rechnet man zusammen, was bei Anbau, Transport und Zubereitung anfällt, werden pro Tasse Kaffee etwa 50 bis 100 Gramm CO2 produziert.

Kaffee aus nachhaltigem Anbau ist derzeit noch ein Nischenprodukt, doch jeder Bioladen hat ihn im Sortiment. Wollen Sie umweltverträglichen Kaffee trinken, kommen Sie um Biokaffee nicht herum. Und dann – so das Ergebnis einer Schweizer Studie von 2011 – schneiden der Kaffee aus der Espressokanne, löslicher Kaffee und der traditionelle Filterkaffee (vorausgesetzt, die Kanne wird leer getrunken) am besten ab. In puncto Ökobilanz sind sie die Gewinner. Bei den Einzelportionen führt der Kaffee im Zellstoff-Pad die Rangliste an.

Fazit

Eine bewusste Kaffeewahl ist auf jeden Fall das Beste für die Umwelt. Wer Kaffee mit Nachhaltigkeitslabeln kauft, trinkt den umweltfreundlicheren Kaffee. Das gilt auch für Kapselkaffee, obwohl dort Pulver aus nachhaltigem Anbau erst langsam im Kommen ist. 

Im schlechtesten Fall macht die Kaffeekultivierung rund 70 Prozent der Umweltbelastung einer Tasse Kaffee aus, im besten Fall gerade noch ein Prozent.

Kaffee mit gutem ökolischen Gewissen zu trinken, ist gar nicht so einfach.

Wegen der unterschiedlichen Materialmengen der Kapseln und deren Verpackung gibt es auf dem Markt sehr große Unterschiede. Bei einem durchschnittlichen Kaffee macht die Kapsel rund einen Viertel der Umweltbelastung aus. Relativ schwere Kunststoffkapseln und solche, die zusätzlich noch einzeln verpackt sind, schneiden schlechter ab. Werden Aluminiumkapseln recycelt – und nur dann – sind sie die besten.

Unabhängig vom Kaffee gibt es aber auch zwei klare Gewinner: Unter der jeweiligen Annahme, dass beim Filterkaffee die ganze aufgebrühte Kanne getrunken und beim löslichen Kaffee nur so viel Wasser erhitzt wird wie auch benötigt, ist die Ökobilanz bei diesen beiden Zubereitungsarten pro Tasse Kaffee mit Abstand am besten. Auch die gute, alte Espressokanne kommt ähnlich gut weg – vorausgesetzt, es wird pro Tasse gleich viel Pulver wie beim Filterkaffee genommen und ganz ausgetrunken.


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