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Sicherheit beim Wintersport "Alkohol hat auf der Piste nichts verloren"

Bei keiner anderen Sportart wird nebenher so viel gebechert, wie beim Ski-und Snowboardfahren. Trotzdem gibt es keine Promillegrenze, obwohl man bergab enorme Geschwindigkeiten erreicht. Wäre es nicht Zeit für ein Alkoholverbot?

Von: Hannah Heinzinger

Stand: 28.02.2019 | Archiv

Alkohol auf der Skihütte  | Bild: picture-alliance/dpa

Wer sich bei der Mittagspause auf der Hütte mal so umschaut, sieht schnell, dass sich in der Sonne Weißbiergläser an Weinschörlchen reihen. Zwischendrin knallen sich lustige Herrenrunden auch gerne mal ein, zwei Jagertee hinter die Binde. Und ein kleiner Obstler nach dem Essen, weil‘s grad so schön ist - auch keine Seltenheit. Damit wir uns nicht falsch verstehen: So ein kleines Bier in der Sonne kann wunderbar sein und wirkt nach dem Sport ja sogar isotonisch. Aber bei keiner anderen Sportart wird so viel nebenher so gesoffen wie beim Skifahren. Und das, obwohl man sich nach dem Umtrunk wieder auf die Piste schwingt, wo man bei der Abfahrt auch locker mal gut 60 Stundenkilometer schnell wird. Das ist eine Geschwindigkeit, die mit dem Fahrrad im Normalfall gar nicht erst geschafft wird – trotzdem ist mit 1,6 Promille der Führerschein weg. Wenn mit 0,3 Promille ein Unfall passiert, gibt’s eine Strafanzeige. Aber beim Skifahren kann unbeschwert gebechert und Gas gegeben werden. Was soll das? 

Verbote sorgen nur für Trotz

Norbert Höflacher von der Stiftung Sicherheit im Skisport (SIS) sagt, ein Verbot würde nichts bringen: "Verbote fördern ja auch manchmal, dass man etwas erst recht macht. Und wir müssten die Einhaltung auch kontrollieren mit Polizei auf der Piste. Wir setzen da eher auf die Vernunft der Leute."

Es gibt leider keine Zahlen oder Untersuchungen, die den tatsächlichen Alkoholpegel von Skifahrer*Innen auf deutschen Pisten belegen könnten. Nur eine Untersuchung des Kuratoriums für Verkehrssicherheit in Österreich von 2013 liefert eine Einordnung. Per Zufall wurden 600 Ski- und Snowboardfahrer*Innen gebeten, mal ins Röhrchen zu pusten. Das Ergebnis: 20 Prozent aller Ski- und Snowboardfahrer*Innen waren alkoholisiert und hatten einen Pegel von mehr als 0,5 Promille. Jeder fünfte hatte also einen im Tee! Wie repräsentativ diese Zahlen aber für die heutige Lage auf den deutschen Pisten sind, ist fraglich. Auch hier gibt es nur eine österreichische Studie der Beratungsstelle für Unfallverhütung von 2018. Bei einer Befragung gaben 15 Prozent der Skifahrer*Innen und 19 Prozent der Snowboarder*Innen an, gelegentlich unter Alkoholeinfluss auf der Piste unterwegs zu sein.

"Der größte Fehler steht auf dem Ski"

Die Unfallstatistik des SIS ist deutlich. Alkohol ist nicht die größte Unfallursache auf deutschen Skipisten. "Alkohol liegt als Ursache für Unfälle nur im einstelligen Prozentbereich", sagt Höflacher. Vor zwanzig Jahren sah das noch ganz anders aus. Da waren noch zwischen 10 und 15 Prozent aller Unfälle Alkohol zuzuschreiben. Heute sind vor allem die Skifahrer*Innen selber das Problem. Die schätzen ihre Kondition und ihr Können nämlich oft besser ein, als sie eigentlich sind: "Der größte Fehler steht auf dem Ski. Selbstüberschätzung ist die Ursache für die meisten Unfälle", sagt Höflacher. Ob aber das Weißbier nach dem Mittagessen so zuträglich ist, diese Selbsteinschätzung realistischer werden zu lassen?

Insgesamt ist die Zahl der Unfälle auf deutschen Skipisten die letzten Jahre stetig ein bisschen angestiegen. In der Saison 2017/18 waren es 44.000 deutsche Skifahrer*Innen, die sich so stark verletzten, dass sie stationär behandelt werden mussten. Das sind zwar immer noch viel weniger als vor 30 Jahren, aber das heißt nicht, dass diese Entwicklung kein Problem wäre. Laut der ASU-Unfallanalyse ist vor allem das Risiko für Kollisionsunfälle enorm gestiegen und "stark verbesserungswürdig". Inwiefern Alkohol da eine Rolle spielt, lässt sich nicht sicher sagen.

Nur weil es früher schlimmer war, ist heute nicht alles gut

Übermäßig viel Alkohol im Blut auf der Piste kann momentan erst dann rechtlich belangt werden, wenn tatsächlich was passiert ist. Und nur weil es früher schlimmer war, heißt das nicht, dass heute alles gut ist. Laut einer Untersuchung der Weltgesundheitsorganisation WHO von 2018 nimmt in Deutschland der Alkoholkonsum zu, obwohl er in ganz Europa eigentlich rückläufig ist. Schon ab 0,1 Promille schätzt das Auge Entfernungen falsch ein, ab 0,3 Promille lassen Aufmerksamkeits- und Reaktionsvermögen nach. Wie schon diese geringe Mengen Alkohol Unfälle beeinflussen können, darüber gibt es keine Statistiken für den Skisport. Aber mit dem Pegel, den manche beim Skifahren haben, würde man auch nicht mehr aufs Fahrrad steigen. Der SIS sieht im Alkohol auf der Piste zwar kein akutes Problem, fordert aber trotzdem: "Alkohol hat auf der Piste nichts verloren."

Sendung: Filter vom 27.02.2018 - 15 Uhr