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Info Endlich Rudern aus München verpassen dem schroffen Post-Punk von Bands wie Die Nerven oder Trümmer eine rosa Gurkenmaske aus Charme und großen Gefühlen. Bei ihren Live-Shows schreiben sie dem Publikum sogar echte Liebesbriefe.


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Freeriden im Frühwinter Achtung: Eismumien-Gefahr!

Weg mit grau-brauner Tristesse, Schnee muss her! Damit an den ersten Tagen im freien Gelände mit noch wenig Schnee unter den Skiern auch nichts schiefgeht, haben wir die besten Tipps für Freerider und Tourengeher im Frühwinter.

Von: Sebastian Nachbar

Stand: 20.11.2017 | Archiv

Gefahren im Frühwinter | Bild: BR

Es schneit – und für Frühwinter schon recht passable Mengen. Viele juckt es jetzt tierisch, endlich die Latten aus dem Keller zu kramen und wieder auf den Ski zu stehen. Und zwar nicht zum Pisteln, sondern zum Freeriden oder Skitourengehen. Bevor's auf den Berg geht haben wir vier Tipps für einen sicheren Saisonstart im Gelände.

1. Lawinen: Wenig Schnee, viel Gefahr

Die kurze Hose von der letzten Herbsttour liegt noch rum, da denkt doch jetzt noch niemand an Lawinen. Ganz nach dem Motto: Es hat doch noch nicht so viel Schnee, da passiert schon nichts. Von wegen! Wenig Schnee ist oft gefährlicher als viel Schnee. Das liegt an der ungünstigen Schichtverteilung in der Schneedecke, sagt Skiführer Stephan Skrobar. "Bei mächtiger Schneedecke ist das Eigengewicht des Schnees so hoch, dass es die für uns gefährlichen Schichten stark zusammenpresst. Wir als kleiner Skifahrer dringen gar nicht mehr dorthin durch." Bei wenig Schnee ist das Gewicht hingegen geringer und die Schneedecke deswegen nicht so kompakt.

Außerdem ist das Wetter im Frühwinter durch die Inversionslage am Berg oft gleichzeitig sonnig und windig. Und dadurch bilden sich Harschdecken: Die sind gefährlich, weil unter ihnen eine grießige Schneeschicht ungebunden auf dem Fels liegt, der sogenannte Schwimmschnee. Die Schneekristalle haben darin wenig Bindung zueinander und rieseln aus der Hand wie ungekochter Reis. Deswegen haftet dieser Schnee ganz schlecht am Hang – und die Lawinengefahr steigt. Richtig tückisch wird’s allerdings erst, wenn auf den Schwimmschnee noch Neuschnee fällt. Kommt dann ein Skifahrer da drauf, kann sich schnell eine Lawine lösen. Die österreichischen Lawinenexperten Rudi Mair und Patrick Nairz charakterisieren diese Situation als typisches Gefahrenmuster des Frühwinters und nennen es den "Zweiten Schneefall". Deswegen: Trotz wenig Schnee jetzt schon umschalten auf Winter-Modus.

2. Gletscherspalten: Fallgruben unter dünner Schneedecke

Wer jetzt schon fahren will, muss auf den Gletscher – und dort oben gibt’s Spalten. Die sind jetzt im Frühwinter entweder offen, was gut ist, weil man sie sieht – oder sie sind leicht zugeschneit, was schlecht ist, weil man sie übersieht. Skiführer Stephan Skrobar erklärt das seiner Gruppe direkt an einer Gletscherspalte unterhalb des Dachstein-Gipfels im Schneetreiben: "Was glaubt ihr, wie die Spalte morgen ausschaut, wenn das Wetter so bleibt? Man sieht sie nicht mehr, trotzdem ist sie natürlich noch da. Und der Schnee ist natürlich noch viel zu locker, als dass er uns halten kann." Auch wenn so ein Loch zugeschneit ist,  kann man trotzdem reinfallen. Wer auf eine Museumskarriere als Eismumie verzichten will, der braucht deswegen zwei Dinge: Wissen und Planung. Blindlings irgendwelchen Spuren hinterherfahren: schlechte Idee. Karte anschauen oder Locals fragen: gute Idee.

3. Felsen: Sharks mit weißem Kleid

Alles, was für uns Skifahrer gefährlich ist, überdeckt der Schnee. Das Problem dabei: Ein paar Flocken wirken zwar optisch Wunder, beim Fahren schützen sie aber vor gar nichts. Vor allem wenn sich unter einer dünnen Schneedecke Felsen verstecken. Wer so einen erwischt, für den geht’s oft geradewegs ins Krankenhaus. Skiführer Stephan Skrobar ist das vor zehn Jahren selbst passiert: Er war damals Anfang Dezember am Stubaier Gletscher bei super Neuschnee unterwegs. Nur war unter dem Neuschnee keine dicke Altschneedecke, sondern blanker Stein. Stephan kollidierte mit hoher Geschwindigkeit mit einem Felsen – den er "Shark" nennt – und verletzte sich schwer. "Ich würde nicht sagen, dass ich damals zu jung war, aber ich war sicher relativ blöd. Mit der Zeit denkt man einfach mehr über alles nach", sagt er heute. Wer zum Saisonstart auf dem Gletscher zum Freeriden geht, für den gilt also: Die Line akribisch genau planen und langsam fahren – auch wenn's schwer fällt.

4. Kopf: Wir selbst sind die größte Gefahr

Nach Monaten ohne Schnee haben wir riesige Lust auf Powder, ganz klar. Genauso klar ist aber auch, dass die Skifahr-Kompetenz im Sommer einrostet. Blöd nur, dass viele das nicht immer auf dem Schirm haben: Natürlich muss man trotzdem am ersten Tag den 45-Grad-Hang ganz oben fahren. Vorbei an der Warteschlange, rein in die Gondel, auf geht’s. Wer bremst, zahlt den ersten Schnaps. Auch wenn das die Wenigsten tatsächlich so durchziehen, geht die größte Gefahr tatsächlich von uns selbst aus, nicht vom Berg. Denn die meisten verbringen die ersten Tage der Saison am Gletscher, sagt Stephan: "Da kommt die Höhe dazu, das ist man nicht gewohnt. Die tiefstehende Sonne, eventuell Alkohol und viele Leute auf den Gletschern." Also: Erstmal runter vom Gas. Später kann man das Limit wieder umso gezielter pushen. Und: "Das Bier nachher umso mehr genießen",  schreibt Stephan in seinem Blog.

Stephan Skrobar

Stephan Skrobar ist staatlich geprüfter Skilehrer und Skiführer aus der Steiermark. Er betreibt ein Freeride- und Alpincenter namens "Die Bergstation" in der Ramsau am Dachstein. Als Gründungsmitglied im Fischer Freeski Team betreut er häufig Nachwuchsfahrer, schreibt aber auch Artikel. "Der Frühwinter ist ein Hund" heißt einer davon, den er im Oktober auf der Website seiner Bergschule veröffentlicht hat. Stephan schreibt außerdem für das Freeski-Magazin Downdays.

Sendung: Filter, 20. November 2017 – ab 15 Uhr


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