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Kunst // Max Fesl Zerlaufene Gesichter

Der Münchner Max Fesl malt großformatige Portraits, bei denen er die Farbe über die Gesichter laufen lässt. Der Zufall spielt am Ende aber nur eine kleine Rolle, denn das genaue Bild hat er meist schon lange davor im Kopf.

Von: Florian Nöhbauer

Stand: 28.11.2013 | Archiv

Name: Max Fesl

Wohnort: München

Alter: 25

Brotjob: Grafiker bei PULS

Meine Art Bilder zu malen...

Mir kommen die Bildideen und visuellen Stilbrüche nicht während des Arbeitsprozesses, sondern weit vorher, meistens wenn ich Musik höre, auf einem guten Konzert bin oder verkatert durch die Stadt spaziere. Der Grundgedanke eines Bildes oder einer Serie ist allerdings kaum greifbar und meistens total unkonkret. Diesen Gedanken behalte ich dann oft Monate, nicht selten sogar Jahre lang im Kopf und arbeite ihn aus, fechte ihn an, kritisiere, reflektiere, werfe alles um und setze alles wieder neu zusammen, bis ich eine exakte Vorstellung von dem habe, wie das Bild auszusehen und was es zu bedeuten hat. Wenn ich dann anfange zu arbeiten, ist das Bild im Prinzip schon fertig. Der Prozess ist dann nur noch die Umsetzung.

Zur Kunst bin ich gekommen...

...in der Grundschule. Mit meinen damaligen zwei besten Kumpels habe ich schon immer lieber kleine Comics gezeichnet statt Fußball zu spielen. Nachdem wir nicht mehr so viel miteinander zu tun hatten, bin ich trotzdem darauf hängen geblieben, hab weiter gemacht und so lange alles ausprobiert, bis ich wusste, in welche Richtung ich will und was meine Ziele sind.

Ich lasse mich inspirieren von...

...Musik. Ansonsten hauptsächlich von meinem Umfeld, den zwischenmenschlichen Beziehungen und den Menschen, die in mir starke Gefühle auslösen. Künstler, die mich faszinieren, gibt es zwar genug, sie nehmen aber keinen großen Einfluss auf meine Malerei oder mein Gedankenleben. Ich bin zu sehr auf mich selbst fixiert, um mich großartig mit der Kunst anderer auseinanderzusetzen.

Zum Malen brauche ich unbedingt...


...Musik und Druck. Mir fällt es schwer, einfach so vor mich hin zu arbeiten. Ich organisiere mir ständig viele Ausstellungen und Projekte, an denen ich parallel arbeiten kann. Wenn ich mich nicht immer ein bisschen übernehme, bin ich unterfordert, wobei diese Arbeitsweise natürlich auch kräftezehrend ist. Aber anders wäre ich, glaube ich, nicht produktiv genug.

Meine Bilder erzählen über mich...

...alles und nichts. Im Prinzip könnte man sagen, meine Bilder sind das einzige wahrhaftig Ehrliche und Unverfälschte, was ich der Welt von mir zeige. Jeder, der von sich behauptet, auch noch so straight und ehrlich zu sein, spielt letzten Endes nur eine von ihm kreierte Rolle, mit der er sich in der Gesellschaft einfügt - bewusst oder unbewusst. Meine Bilder sind meine tiefsten und ehrlichsten Gedanken und Gefühle, die ich aber ohne Weiteres zeigen kann, da sie quasi wie eine Geheimschrift funktionieren, die niemand lesen kann.

Mein Heimatort hat mich geprägt, indem...

...ich so ziemlich mit jeder Art von Mensch konfrontiert wurde, die man so treffen kann. Ich habe aufgrund der vielen Schulwechsel, meines verworrenen Ausbildungswegs und der vielen Nebenjobs viele Leute kennengelernt und mich an ihnen bereichern können, positiv wie negativ. München ist zwar klein, aber trotzdem vielfältig, hier kommt auf engstem Raum alles zusammen: von superreich bis arm, Szeneleute, Drogen, Schlägertypen, Künstler, Musiker... Ich glaube, in anderen Städten gibt es zwar ein größeres Angebot, es ist aber schwerer, in die verschiedenen Kreise zu kommen, weil sie so weit auseinander leben. Also zwischenmenschlich betrachtet, gar nicht auf die Entfernung bezogen. Hier kennt dann doch irgendwo irgendwie jeder jeden und es ist einfacher, Erfahrungen zu machen, ohne sein Leben großartig umstellen zu müssen. Man kann sich hier also mit einer gesunden Distanz auf alles einlassen, ohne sich gleich einvernehmen lassen zu müssen.

Warum Bayern und nicht Berlin?

Berlin, Wien, London sind, was Kunst, Musik und Kultur angeht, schon seit Jahren die "In-Städte", die Orte, von denen man sagt: "Da geht's ab" , "Da muss man hin, weil da geht was". Aber genau die Argumente sind für mich Anzeichen dafür, dass man auf einen abgefahrenen Zug aufspringt. Ich finde, in München gibt es viel Potential und wenn das viele auch nicht sehen wollen: In den letzten Jahren hat sich in kultureller und vor allem subkultureller Hinsicht viel getan, was jetzt langsam auch nach oben kommt. Wobei ich es nicht ausschließen will, in den nächsten 10 oder 20 Jahren wegzuziehen, wenn hier das Leben dann doch zu teuer wird.


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