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Medizinstudium in Oberfranken So werdet ihr Arzt ohne Einser-Abi

Medizin zu studieren, ohne in der Schule der absolute Überflieger gewesen zu sein, kann man in Bayern vergessen. Bis jetzt! In Oberfranken wird genau das jetzt möglich. Einen Haken hat es allerdings.

Author: Christian Orth

Published at: 20-7-2016 | Archiv

Vor allem auf dem Land fehlen in Bayern die Ärzte | Bild: pa/dpa

Eine großartige Nachricht für alle, die gerne einmal im weißen Kittel durch den Tag schreiten möchten, aber am Numerus Clausus scheitern würden: Ab Herbst kann man in Oberfranken Medizin studieren, ohne ein Einser-Abi zu haben. Die Regiomed Kliniken in Coburg und Lichtenfels bieten in Kooperation mit der School of Medicine der Universität Split in Kroatien ab Herbst einen neuen Medizin-Studiengang in Bayern an. Die Vision dahinter: Am 1. Oktober 2022 hat Oberfranken 25 neue Ärzte.

Statt des Abischnitts zählen bei der Auswahl der Studenten die Schulnoten in Mathe, Physik, Chemie und Biologie - und vor allem ein Aufnahmegespräch. Darin muss man auf Deutsch und Englisch klar machen, warum man unbedingt Arzt werden will - und nicht nur die Jury, sondern auch die Mitbewerber überzeugen. Wer schon praktische Erfahrungen wie eine Ausbildung zum Rettungssanitäter voweisen kann, erhöht seine Chancen.

Jeder vierte Hausarzt hört in den nächsten Jahren auf

Mit der neuen Medical School sollen vor allem Ärzte für die Region gewonnen werden. Das ist wichtig, denn bis 2020 wird sich rund ein Viertel der niedergelassenen Ärzte in den Ruhestand verabschieden. Während das in Ballungszentren wie München kein Problem ist, könnte das für ländlichere Regionen dramatisch werden. Dem Ärztemangel in Oberfranken entgegen zu wirken, ist das erklärte Ziel.

"Wir sind nicht so vermessen zu glauben, dass wir den bayernweiten Ärztemangel lindern können. Aber wir sind überzeugt, wenn wir hier das Studium und einen Ausbildungsplatz für den Facharzt anbieten, also sehr attraktive Voraussetzungen schaffen, dass sich junge Ärztinnen und Ärzte langfristig in Oberfanken und Südthüringen engagieren."

- Prof. Dr. Brachmann vom Klinikum Coburg.

Theorie in Split, Praxis in Coburg

Die Bewerbungsphase für das Wintersemester ist schon vorbei, die Zusagen gehen in Kürze raus. 80 Interessenten haben sich beworben. Sie werden für das theoretische Studium und die vorklinische Praxis drei Jahre nach Kroatien gehen, das Studium ist dort auf Englisch. Den klinischen Part absolvieren sie dann in Coburg und Lichtenfels in den Kliniken. Nach den sechs Jahren sind sie dann medizinischer Doktor wie jeder, der klassisch an der Uni Medizin studiert hat. Kliniken in Ingolstadt und Nürnberg machen es mit ähnlichen Projekten schon vor.

Der Haken? 54.000 Euro

Aber die Ausbildung hat ihren Preis: 9.000 Euro muss man pro Jahr auf den Tisch legen, also 54.000 Euro im gesamten Studium. Ganz schön teuer. Und das ist nicht der einzige Kritikpunkt. Ärzteverbände fürchten um die Qualität der Medizinerausbildung, außerdem werden durch die Existenz von privaten Hochschulen wohl nicht mehr reguläre und damit kostenlose Studienplätze an staatlichen Unis geschaffen. Aber weil im bayerischen Staatshaushalt schlichtweg das Geld fehlt, ist man im Gesundheitsministerium offen für Ärzte, die von privaten Hochschulen kommen.


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