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Ruhmeshalle Suede - Dog Man Star

Suede hatten alles: Sex, Drogen und etwas, das später "Britpop" werden sollte. Blur waren ihre Erzrivalen und die Gallaghers noch gar nicht in Sichtweite. 1994 waren Suede im Zugzwang: Sie brauchten ein geniales zweites Album.

Von: Katja Engelhardt

Stand: 19.09.2013 | Archiv

Pressebilder von Suede | Bild: picture-alliance/dpa

1992: Ein hochgewachsener Schlacks in Frauenbluse tanzt auf der Bühne und schlägt sich währenddessen mit einem Mikrofon auf den Hintern. What the fuck?! Der Schlacks heißt Brett Anderson und ist der Frontmann von Suede. Seine Band gilt als Vorreiter einer neuen Welle britischer Gitarrenmusik, später auch "Britpop" genannt. Seit The Smiths wurde keine englische Band so gefeiert. Deren Kopf Morrissey kommt höchstpersönlich zu Suede-Konzerten. Der Hype ist also vorprogrammiert.

"We'd take the pills to find each other"

New Generation

Die Texte des Debütalbums "Suede" entspringen vor allem Liebeskummer. Bandkollegin Justine Frischmann ist gegangen - aus dem Bett von Brett Anderson in das Bett von Damon Albarn, ja, der Damon Albarn. Der von Blur. Um das zweite Album zu schreiben, zieht Brett Anderson sich zurück. Er mietet eine düstere Wohnung, die er kaum verlässt und nimmt, was geht: Alkohol, Gras, Ecstasy, Kokain. Seine Halluzinationen verarbeitet er zu Songtexten, z.B. die Vision, der Sohn von James Dean zu sein. Inspiriert von dessen tödlichem Autounfall entsteht "Daddy's Speeding".

Während Anderson der stärkste, wenn auch nicht einzige Konsument in der Band ist, bleibt Gitarrist Bernard Butler clean. Wenn sich der Rest der Band abschießt, will Butler im Studio an Songs arbeiten. In den Augen der Öffentlichkeit entsteht ein klassisches Dilemma der Musikgeschichte: exaltierter Frontmann gegen musikalisches Mastermind. Als es zum Bruch kommt, ist das zweite Album "Dog Man Star" aber fast im Kasten.

"Dog man star took a suck on a pill"

Introducing The Band

Aber die Popwelt ist noch nicht bereit für "Dog Man Star". Die Texte von Brett Anderson könnten kaum abgewandter vom britischen Zeitgeist sein: Düstere Philosophien über amerikanische Ikonen und nukleare Endzeitstimmung rauschen an der breiten Masse vorbei. Was die Verkäufe von "Dog Man Star" dennoch befeuert, sind hedonistische Songs wie "New Generation" und "The Wild Ones".

Der weltweite Durchbruch wird mit dem dritten Album "Coming Up" zwar erst noch folgen, aber "Dog Man Star" ist der wahre Meilenstein in der Geschichte von Suede. Die Band hat den Abgang des Komponisten Bernard Butler überlebt, sich vom Label "Britpop" abgewandt und bewiesen, dass sie mehr ist als ein Hype vom Jahr davor.


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Damon Albarn, Donnerstag, 19.September 2013, 20:36 Uhr

1. "Liebe und Drogen"?

Solche Überschriften haben selbst Suede nicht verdient!