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Ruhmeshalle AC/DC - Highway To Hell

Wäre die Welt des Rock ein Rindvieh, er hätte ihr sein Brandzeichen aufgedrückt: Angus Young, Leadgitarrist von AC/DC. Mit "Highway To Hell" hat er eine Platte geschaffen, die alles verschlungen hat - sogar ihre eigenen Schöpfer.

Von: Sebastian Nachbar

Stand: 04.12.2009 | Archiv

AC/DC (Sony Music) | Bild: Sony Music

Groß und fett prangt ein Brandzeichen auf dem Tier namens Rock: A und ein Y, auf dem Hinterlauf, wo es jeder sehen kann. Das A und das Y, das ist er, Angus Young, Leadgitarrist der australischen Rockband AC/DC. Er hat der zotteligen Welt des 70er-Jahre-Rock seinen Namen aufgedrückt. Und zwar mit einem Plektrum, so heiß, dass es die Haut versengt. Seither gehört es ihm, das große Rock-Rindvieh, unauslöschlich bis zum Ende aller Tage. Ihm, dem schmächtigen Schuljungen mit Lederranzen und zerschlissenem Hemd, der zum rauesten aller Raubeine wurde, dort unten auf der Rückseite des Globus. In den späten 70er Jahren streckt er sich von dort gen Himmel, hält seine Gitarre hoch und stößt zu mit seinem rotzigen Riff. Einem Riff aus drei Akkorden. "Highway To Hell" heißt das Riff. Und genau so heißt das Album, mit dem AC/DC Weltruhm erlangen.

Prügel für die Punks

AC/DC - Highway To Hell (Cover)

Ende der 70er Jahre wollen die stinkenden Punks hinterrücks den Rock abstechen - ins Fleisch von AC/DC dringen sie gerade mal so tief ein wie ein Mückenstich in die Haut des roten Riesenkänguruhs. Dann wollen sie AC/DC als Punk vereinnahmen, wollen sie zu Komplizen ihres Meuchelmordes machen. Aber auch das geht schief: Mit "Highway To Hell" kommt die Antwort von AC/DC, und zwar in Form einer ordentlichen Tracht Prügel. AC/DC machen Rock. Mehr noch, im Jahr 1979 sind sie der Rock. Schnell, direkt, ungekünstelt und heiß. Und alles, was es vorher gab, war Quatsch.

Vorbei an der Ausfahrt ins Heute

Dreißig Jahre ist das jetzt her. Und das Brandzeichen von Angus Young trägt die große Melkkuh des Rock noch immer. Obwohl man sich berechtigterweise fragen darf, warum sie das tut. Denn aus den wilden Jungs aus Sydney sind längst alte Männer geworden. Blutleere Jünger, die ihrem eigenen Glanz von damals huldigen, und die statt der Schnellstraße zur Hölle nur noch ihre eigene Lunge teeren. Alle paar Jahre raffen sich AC/DC dann auf und wollen es noch einmal wissen, nur damit die Organisatoren gigantischer Bühnenshows ein bisschen mehr zu tun haben. Und genau so eine Show liefern sie dann denen, die sie gemeinsam mit ihnen verpasst haben - die Ausfahrt ins Neubaugebiet der Musikszene.

Highway To Hell hat sich selbst an seiner eigenen Größe überfressen. Und immer noch muss man aufpassen, dass man nicht selbst als Beute endet. Als Beute von Highway To Hell, der Platte mit den Hörnern, die immer mehr Musikhörer verschlingt, sich über Jahrzehnte zunehmend aufbläht und schließlich genau das verkörpert, was man verächtlich als Mainstream bezeichnet. Diese Platte hat inzwischen auch die verschlungen, die sie einst erschaffen haben. Die sich zwar noch AC/DC nennen, aber es längst nicht mehr sind. Denn das heisere Gekreische von Brian Johnson ist irgendetwas anderes. Aber AC/DC ist das nicht. Wer AC/DC erleben will, baut sich am besten eine Zeitmaschine und reist zurück ins Jahr 1979. Als Bon Scott mit seiner Stacheldrahtstimme zum ersten Mal "Highway To Hell" singt, kurz darauf am Alkohol verreckt und die Band mit sich in die Hölle reißt.


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