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Ruhmeshalle Erykah Badu - Baduizm

Mutter, Produzentin, Künstlerin, Aktivistin, Geburtshelferin und Veganerin - so beschreibt sie sich selbst. Wir sagen: Erykah Badu ist eine Göttin und Neo-Soul ihr Baby. "Baduizm" erscheint 1997 und verändert ein Genre.

Von: Franziska Niesar

Stand: 19.03.2014 | Archiv

Erykah Badu bei  | Bild: Universal

Ich bin zu Besuch bei Freunden, als ich Erykah Badu das erste Mal sehe. Was für eine wunderschöne Frau, denke ich mir und nehme das Bild von der Wand. Ihr überdimensional großer Afro umrahmt das feenartige Gesicht. Sie wirkt mysteriös, sie starrt mich an. Und das, obwohl wir uns gar nicht kennen. Mir ist klar, dass sie zum erweiterten Dunstkreis um The Roots, Common und D'Angelo gehört. Aber mehr? Weiß ich nicht. Das muss sich ändern.

Ein paar Tage später halte ich drei Alben in der Hand: "Worldwide Underground" (2003), "Mama's Gun" (2000) und ihr Debüt "Baduizm" von 1997. Produziert haben es The Roots. Und da bleibe ich hängen: Zwischen HipHop-Beats, Jazz-Akkorden mit jeder Menge Soul und ihrer absolut außergewöhnlichen Stimme. Schon das Intro von "Baduizm" macht klar, was Erykah Badu will.

"I wanna my rim shot, hey, digi, digi/ A rim shot, hey, c'mon/ I wanna my rim shot, hey, digi, digi/ A rim shot, hey, c'mon"

Erykah Badu - Rim Shot (Intro)

Erykah Badu braucht einen Rim Shot. Sie will keinen klassischen Soul, sie will drückende Beats. Weniger Herzschmerz, mehr HipHop - der Sound auf "Baduizm" ist reduziert und hat trotzdem Power. In den Songs passiert oft gar nicht viel, aber Badus Stimme gibt ihnen Form und Gehalt, wie es sonst nur Rap schafft. Loop-basierte Tracks wie "No Love" und "Sometimes" erweckt sie durch ihren Gesang zum Leben.

Ihre Stimme hat etwas angenehm Beruhigendes und ich glaube ihr jedes Wort. Sie wirkt weise, manchmal fast übermenschlich. Egal, ob sie über Alltägliches singt, zum Beispiel über Beziehungen, die man nicht eingehen sollte, oder über Schwächen, die einen am Ende stärker machen. Dabei ist sie viel unaufgeregter und weniger theatralisch als etwa eine Jill Scott.

Erykah Badu legt mit "Baduizm" schon 1997 den Grundstein für die Ära des Neo-Soul. Sie ist die Erste aus der Familie der "Soulquarians", die mit ihrem Album den kommerziellen Durchbruch schafft. Sie bringt das Genre in den Mainstream. Aber Familie wäre nicht Familie, wenn nicht alle etwas vom Erfolg abbekämen. So schaffen zum Beispiel The Roots ihren Durchbruch mit der Platte "Things Fall Apart" - und Badu als Gastsängerin.

Mit "Voodoo" von D'Angelo erreicht Neo-Soul im Jahr 2000 dann seinen Zenit. Übrigens: In dem Zimmer, in dem ich die Erykah damals kennengelernt habe, war ich nie wieder. Da musste ich aber auch nicht mehr hin, denn jetzt hängt sie auch bei mir ab.


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