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Tracks der Woche #9/19 Rex Orange County, Modeselektor & Tommy Cash, Joplyn, Two Year Vacation, Exclusive

Beatles-Inception-Pop, Techno-Rap, Conscious-R’n’B, Ironie-Indie und Seilspringen mit dem Sound von Rio Reiser und Linkin Park. Die Tracks der Woche spielen Genre-Roulette.

Von: Jan Limpert

Stand: 22.02.2019 | Archiv

Rex Orange County, Modeselektor & Tommy Cash, Joplyn, Two Year Vacation, Exclusive | Bild: Leopold Jonas, Ali Kanaan, Birgit Kaulfuss, Emil Daniel

Rex Orange County – New House

Normalerweise kennen wir Rex Orange County als verträumte Mischung aus Frank Sinatra, Mac DeMarco und dem nerdigen Außenseiter vom Pausenhof. "New House" behält diese Trademarks zwar bei, hebt sie aber auf eine neue Stufe. Denn "New House" klingt wie eine Liebeserklärung an "A Day in The Life" der Beatles, Auto-Tune und dem Inception-Soundtrack von Hans Zimmer, der auf halber Strecke im Song auftaucht. Derartige Soundkreuzungen sind wir ja eher von Tyler The Creator gewöhnt. Hardcore-Fans wissen aber natürlich schon längst, dass Rex Orange County mit ihm auf dem legendären Album "Flower Boy" zusammengearbeitet hat. Da wundern wir uns natürlich nicht, dass der gute Rex jetzt Beatles-Inception-Pop produziert.

Modeselektor & Tommy Cash – Who

"Call him Mr. Raider, call him Mr. Wrong" – Kopfnicken ist angesagt, denn der Raver-Hit von Culture Beat lässt grüßen, wenn man sich mal die neue Kreation von Modeselektor und Tommy Cash gibt. Klar, dass der Sound von "Who" aus Berlin kommen muss – einem DER Hotspots für Techno und allerlei basslastiger Subgenres. Die DJs Gernot Bronsert und Sebastian Szary haben sich entschieden, diesmal keinen Instrumental-Track zu basteln und deshalb den estnischen Rapper Tommy Cash ins Boot geholt. Zu den krass hypnotischen Beats steuert der Gast-MC einen philosophischen Selbstfindungstrip bei: "Who says study will get you work? Who says school will get you class? Who said that job will get you the cash? Who said the loan will save your ass?" Fragen über Fragen bis zur Ekstase.

Joplyn – Money Machine

"Sellin’ your body as ad space. Make yourself look like what they praise. Go perform, wipe the tears away. Come on, show them your pretty face". Joplyns Track "Money Machine" ist keine leichte Kost, denn Thema ist die Ausbeutung und Objektifizierung von Frauen. Seit kurzen macht Model-Mama Heidi mit ihren MÄÄÄDELS ja wieder die Fernsehlandschaft unsicher und natürlich scheiden sich mal wieder an genau dieser Show die Geister. Passender könnte der neue Song von Joplyn daher gerade nicht sein. Ihrer Namensvetterin und Ikone des Feminismus, Janis Joplin, macht sie damit jedenfalls alle Ehre. Aber auch wenn man die politische Message ausblendet, geht "Money Machine" mit seinem harten, orientalischen Electro-Sound immer noch richtig nach vorn!

Two Year Vacation – I Forgot Your Name (But I Like You)

Wenn Two Year Vacation eins haben, dann ist es Sinn für Ironie. Der Songtitel kommt von dem verballerten Anmachspruch, den man um drei Uhr nachts nach einer spontanen Ansammlung von Mut und Alkohol loslässt. Obwohl der zur Kategorie "No F’s Given" gehört, stehen die Aussichten auf Erfolg bei dieser Pick-Up-Line eher nicht so gut.  Auch beim Sound haben die Schweden einen Clown gefrühstückt, denn wer kommt schon auf die Idee, einen astreinen Gute-Laune-Beach-Track im Winter zu veröffentlichen? Immerhin haben die Jungs ihr Video am Strand gedreht. Doch schon Konfuzius wusste: Karma is a bitch, Baby! Deshalb gibt es für die Jungs statt Sommer, Sonne, Sonnenschein nur Regen und klirrende Kälte. Kein schlechter Anmachspruch bleibt ungestraft.

Exclusive – Oslo

2008 gründen ein paar Münchener Jungs eine Electropop-Band, taufen sie "The Exklusive" und rocken still und heimlich erstmal so vor sich hin. Kurz darauf verzichten sie aus Coolness-Gründen auf den bestimmten Artikel und verbringen seitdem ihre gemeinsamen Mußestunden damit, mit den musikalischen Grenzen zwischen Linkin Park und Rio Reiser Seilspringen zu spielen. Die Mischung hat Erfolg: Auftritte bei Rock im Park, Rock am Ring und den New Music Award oben drauf – soweit so geil. Dann erstmal drei Jahre Funkstille in Sachen Neuerscheinungen. "Oslo" ist das jüngste Erzeugnis seit ihrem Album "Neuer Mensch" von 2015 und macht richtig Bock auf das kommende Werk "Songs für die Autobahn". Wir hoffen inständig, dass das komplette Album voll von solchen Soundkreuzungen und Experimenten ist!

Sendung: Freundeskreis, 25.02.2019 - ab 10.00 Uhr