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Studie zum Musikgeschmack Wenn wir alt sind, werden wir alle Schlager hören

Britische Wissenschaftler haben herausgefunden, dass unser Musikgeschmack mit uns altert. Mit 80 dürften wir also zum Beispiel Schlager hören, ohne uns zu schämen. Denn dann sind wir in der passenden Lebensphase dafür.

Stand: 26.09.2016 | Archiv

Andy Borg | Bild: ORF/ORF/Milenko Badzic

Samstagabend, ihr habt nichts zu tun, zappt durchs TV-Programm - und landet plötzlich bei Carmen Nebel oder Florian Silbereisen. In solchen Momenten hat sich vermutlich jeder schon mal geschworen: "Wenn ich mal alt bin, werde ich niemals solche Musik hören!"

Wir müssen euch leider enttäuschen: Jeder von uns wird irgendwann schunkelnd im Offbeat zu Volksmusikklängen klatschen. Denn unser Musikgeschmack altert mit uns. Das hat jetzt eine Studie der Cambridge Universität bewiesen.

Der Musikkonsum von 250.000 Testpersonen verschiedenen Alters wurde über einen Zeitraum von zehn Jahren beobachtet. Heraus kam, dass sich unser Musikgeschmack jeweils unseren verschiedenen Lebensphasen und deren Bedürfnissen anpasst.

Die Forscher haben in der Folge das sogenanntes "MUSIC Model" aufgestellt. Die verschiedenen Musikgenre wurden fünf Kategorien zugeordnet: "mellow", "unpretentious", "sophisticated", "intense" und "contemporary".

Die 5 Phasen des Musikgeschmacks

1. "intense": In der ersten "intensiven" Phase des Lebens befinden wir uns in der Pubertät. Identitätsfindung und Rebellion liegen an der Tagesordnung. Musik ist da ein effektives Mittel, deswegen dominieren hier Musikrichtungen wie Punk oder Metal.

2. "contemporary": Im jungen Erwachsenendasein zelebrieren wir unsere Selbstbestimmtheit und fühlen uns zu "zeitgenössischen" Klängen wie elektronischer Musik und R&B hingezogen.

3. "mellow": Danach folgt die "sanfte" Phase. Wir sind erwachsen, sehnen uns nach Liebe und wollen eine Familie gründen. Begleitet wird dies von romantischer, emotionaler und tanzbarer Musik.

4. "sophisticated": Im mittleren Alter greifen wir zu "anspruchsvoller" Musik wie Jazz und Klassik. Warum? Wir wollen unseren sozialen Status, Intellekt und Wohlstand zur Schau stellen.

5. "unpretentious": Im reifen Alter sind wir nicht mehr auf Anerkennung von anderen angewiesen, also lassen wir uns gehen - auch musikalisch. Wir hören Country, Folk oder eben: Schlager!

Unser Musikgeschmack verändert sich übrigens mit der Zeit, um psychologische und soziale Bedürfnisse zu stillen. So betrachtet klingt der Musikantenstadl total logisch. Die Studie würde übrigens auch den ein oder anderen gescheiterten "Ich mach' jetzt mal total andere Mucke"-Tonträger von Max Herre oder Denyo erklären.


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