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Yeezy Season 3 Wie Kanye West an seiner Unsterblichkeit bastelt

Per Livestream stellt Kanye West der Welt sein neues Album vor – inklusive Modenshow. Größenwahnsinnig? Narzistisch? Ja. Aber auch konsequent, findet PULS Autorin Katja Engelhard. Sie hat sich die Liveshow im Kino angeschaut.

Von: Katja Engelhardt

Stand: 01.02.2016 | Archiv

Kanye West | Bild: picture-alliance/dpa

Das muss man sich erstmal vorstellen: Kanye West will sein neues Album "The Life Of Pablo" präsentieren. Im ganz großen Stil. Dazu soll auch gleich noch seine neue Modekollektion gezeigt werden. Und für diese Listening Session mit Kleiderbeschau sollen wir alle weltweit in die Kinos rennen und uns das per Live-Übertragung ansehen. Wie selbstverliebt muss ein Mensch sein, um das von anderen, völlig fremden Erdenbewohnerin zu erwarten? Sehr. Da muss man natürlich dabei sein! Außerdem ist das wahnsinnig unterhaltsam. Dachte ich.

Jeder darf mal anfassen

Jubel. (Nicht im Münchner Kino, sondern in New York.) Kanye West marschiert in die Halle des Madison Square Garden, wie ein Sportler auf das Spielfeld. Er hat sogar seinen eigenen Lichtkegel, der ihm überall hin folgt. Auch zu einem Tisch, auf dem ein Laptop steht. Scheiß auf Performance, scheiß erst recht auf Vinyl,  Kanye West erweckt sein neues Musik-Meisterwerk nur durch die Magie des Play-Knopfes zum Leben. Auf einem Laptop. Den er erstmal umständlich anstöpseln muss. Er erinnert mich dabei ein bisschen an den Dozenten, der während seines Seminars Probleme mit Powerpoint hat.

Nachdem alle USB-Kabel ihren Platz haben und Kanye seine Fingerkuppe heimlich aufgewärmt hat, geht's los - und Kanye feiert sich, wie Schüler beim Abistreich. Nach und nach stehen von Pusha T bis A$AP Rocky alle mal in einem Pulk um ihn herum - und ich drücke mich tief in den Kinosessel. So unangenehm ist das, wie übertrieben geil Kanyes Kumpels ihn finden. Und er sich selber sowieso.

Eigentlich geht's gar nicht um Musik

Die Kinogänger, alles waschechte Fans, sind wegen der Musik gekommen. Aber so richtig ernst ist es Kanye in dieser Show wohl doch nur mit der Mode.

Mit dem ersten Song werden zwei riesigen Blöcke enthüllt, die mitten auf dem eigentlichen Spielfeld stehen. Darauf Models, wie in zwei Armeen aufgeteilt: Alle schauen in eine Richtung, stehen im gleichen Abstand zueinander und tragen Kleidung von Kanye West. Als hätte Kanye deinem abgetragenen Hoodie den Krieg erklärt. Zwei Stunden lang stehen die Models: still. Und starren in die Kamera. Okay, sie dürfen sich ab und an setzen, natürlich choreografiert. Mittlerweile kann man auch die prosaischen Instruktionen lesen: Seid nicht cool, verdammt!

Das ist... zäh. Folglich frage ich mich die ganze Zeit, warum die Kamera nicht öfter zu den Kardashians in einem der Ränge schwenkt. Kanyes Ehefrau Kim und ihre Familie sehen aus, "als wäre der ganze Nordpol für sie getötet worden" (Zitat PULS Kollege Malte Borgmann). Ich nehme an, der Nordpol gehört denen sowieso. Ist also okay.

Das neue Album? Nicht so wichtig

Ich würde gerne sehr tiefgreifende Dinge über dieses Album sagen, aber mir fällt während des Abends immer mehr auf: Keine Sau soll sich irgendetwas merken können. Und wenn Kanye doch mal etwas zu einem Song sagt, dann versteht man kein Wort.

Ich versuche es trotzdem mal: Ja, die Platte ist wundervoll von Gospel inspiriert, Sister Nancys Reggea Stück "Bam Bam" wird gesampelt, und ein Intro erinnert stärkstens an French House. Mehr bleibt bei mir erstmal nicht hängen.

Naomi Campbell und Kanyes Mutter

Aber vielleicht hat das Ganze ja doch einen tieferen Sinn: Kanye West stellt den Menschen in den Mittelpunkt. Viele der Models sind schwarz. Und sie haben krause Haare, keine geglätteten. Es sind ausdrucksstarke Gesichter mit breiten Nasen. Neben den echt spannenden unbekannten Models schlägt Stargast und Supermodel Naomi Campbell die Brücke zwischen den Generationen. Dass die kein bisschen wie eine 45-jährige aussieht, liegt sicher an dem Schönheitsgeheimnis, dass sie sich mit Pharrell Williams teilt: das Gesicht nur mit kaltem Wasser waschen.

Das hat schon was. Aber das hier ist keine runde Kunstperformance. Sondern zwei Promoveranstaltungen zum Preis von einer. Das Album ist nicht die Vertonung der Mode. Das passt nicht: Die Models sind stoisch, die Songs zu heterogen. Unterbrochen wird diese pseudo-bedächtige Stimmung durch Kanye West, der sein neuestes Hobby vorstellt: Er hat ein Videospiel kreiert. In dem fliegt seine verstorbene Mutter als Engel durch den Himmel.

Was für ein Typ

Die ganze Zeit über versucht Kanye West uns mit allen Mitteln vorzugaukeln, wir wären mittendrin in einem andauernden Prozess. Deswegen hat er im Vorfeld ständig den Namen für dieses Album geändert und deswegen streamt er diesen Abend. Allein der Mut uns alle so zu strapazieren, ist schon bemerkenswert. Das Event ist es nicht. Dass ihm Meinungen wie diese vermutlich wieder einmal ziemlich egal sein werden, macht ihn zu einem der konsequentesten und spannendsten Künstler unserer Zeit. Aber nicht zu einem der besten.


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Jakob, Sonntag, 14.Februar 2016, 02:42 Uhr

2.

Grauenhaft geschriebener Artikel.

Madleine, Freitag, 12.Februar 2016, 18:20 Uhr

1.

Warum wird eigentlich über jeden Furz von dem Typen berichtet?? Interessiert das echt jemanden???