Bayern 1 - Experten-Tipps


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Zusatzstoffe Wie gefährlich sind Parabene in Kosmetika?

Parabene werden als Konservierungsmittel in Kosmetikprodukten verwendet. Doch seit einiger Zeit wird das kritisch gesehen. Beeinflussen sie den Hormonhaushalt - das will der Bayern 1-Umweltkommissar wissen.

Von: Alexander Dallmus

Stand: 20.10.2014

Illustration: Der Umweltkommissar grübelt, ob Parabene gut oder schlecht sind | Bild: BR/Susanne Baur

Viele Männer haben vielleicht erst kürzlich zum ersten Mal etwas von Parabenen gehört, als der TÜV angab, die Salze im neuen Freistoßspray für die Fußball-Bundesliga gefunden zu haben. Der Erfinder des Sprays, der Argentinier Pablo Silva, bestreitet, dass in seinem Original-Spray Parabene enthalten sind. Seit dem 18. Oktober 2014 wird es jetzt doch auch in der Bundesliga eingesetzt.

Dank Freistoßspray haben auch Männer von Parabenen gehört.

Frauen sind Parabene wahrscheinlich bereits eher begegnet: in Kosmetikprodukten. Sie werden vor allem als Konservierungsmittel eingesetzt. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat erst kürzlich rund 21.000 Produkte neu untersucht und in 18 Prozent davon - also in etwa jedem fünften Produkt - hormonell wirksame Chemikalien gefunden; die meisten davon waren Parabene. Immerhin: insgesamt etwas weniger als in einer Untersuchung zwölf Monate vorher.

Seit einiger Zeit werden diese Parabene zunehmend kritisch gesehen. Einerseits, weil eine britische Studie (2004) für Aufsehen gesorgt hat, als parabenhaltige Deos mit dem Auftreten von Brustkrebs in Verbindung gebracht wurden. Andererseits, weil Parabene zumindest in bestimmten Konzentrationen in der Lage sind, das Hormonsystem zu beeinflussen. Grund genug, sich diese Ester der para-Hydroxybenzoesäure mal genauer anzuschauen. 

Wie wirken Parabene?

Bestimmte Parabene werden als Konservierungsmittel in kosmetischen Mitteln wie Cremes, Lippenstiften und Lotionen, aber auch in Sonnenschutzmitteln oder Rasiercremes eingesetzt. Und das schon seit mehr als 80 Jahren. Sie sollen verhindern, dass Kosmetika (aber auch Arznei- oder Lebensmittel) von Keimen befallen werden. Es handelt sich bei den Parabenen um eine Gruppe von Stoffen, zu denen Methyl- und Ethylparaben, Butyl- und Propylparaben sowie Isopropyl-, Isobutyl-, Pentyl-, Benzyl- und Phenylparaben gehören. Von einigen Parabenen ist aus Tierversuchen bekannt, dass sie das Hormonsystem beeinflussen können.

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Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) kommt in seiner Untersuchung zu dem Ergebnis, dass beispielsweise Methyl- und Ethylparaben aufgrund der toxikologischen Daten in einer Konzentration von bis zu 0,4 Prozent als sicher für alle Bevölkerungsgruppen anzusehen sind. Das entspricht nämlich der Konzentration, die nach der EU-Kosmetikverordnung als Anwendungskonzentration für Konservierungsstoffe zugelassen sind. Methyl- und Ethylparaben haben eine schwach endokrine Wirkung im uterotrophen Test (Effekt der Östrogene auf die Gebärmutter). Jedoch ist ihre östrogene Potenz sehr viel geringer als die von physiologischem Östrogen (um den Faktor 1 Million für Ethylparaben).

Neuere Daten zeigen laut BfR, dass Methyl- und Ethylparaben beispielsweise keine negativen Auswirkungen auf die Reproduktionsfähigkeit männlicher Ratten haben. Im Übrigen nehmen wir hormonell aktive Stoffe jeden Tag mit der Nahrung auf, zum Beispiel Parabene, die als Konservierungsmittel für Nahrungsmittel verwendet werden, aber auch hormonell aktive  Pflanzeninhaltsstoffe (in Sojaprodukten oder Bier).

Propyl- und Butylparaben können, nach Meinung des BfR, nach wie vor nicht abschließend bewertet werden, da wichtige Daten zur Aufnahme über die Haut, zum Stoffwechsel und zur Schätzung, in welchem Maße der Mensch dem Stoff ausgesetzt ist, noch fehlen. Deshalb hat das BfR hier eine Höchstkonzentration von lediglich 0,19 Prozent veranschlagt, die für diese beiden Stoffe gesundheitlich unbedenklich ist. Diese Konzentration ist wegen des konservativen Ansatzes der Risikobewertung nach heutigem Kenntnisstand auch für Kinder als sicher anzusehen.

Parabene dienen in Cremes als Konservierungsstoffe.

Für die Parabene Isopropyl-, Isobutyl-, Pentyl-, Benzyl- und Phenylparaben ist nach Ansicht des BfR die Datenlage für eine Bewertung des gesundheitlichen Risikos derzeit nicht ausreichend. Deshalb sind diese, eher selten verwendeten Parabene,  als Konservierungsmittel in kosmetischen Mitteln seit Oktober 2014 in der EU nicht mehr zugelassen (Verordnung Nr. 358/2014). Einen generelles Verbot von Parabenen in kosmetischen Mitteln hält das Bundesinstitut für Risikobewertung jedoch nicht für sinnvoll. Viele der gegenwärtig verwendeten anderen Konservierungsstoffe haben ein deutlich höheres allergenes Potenzial als Parabene.

Obwohl schon lange in der Diskussion, ist ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Brustkrebs und Parabenen bisher wissenschaftlich nicht nachgewiesen worden. Unbestritten ist aber, dass Parabene eine gewisse hormonelle Aktivität haben. Ob diese Aktivität ausreicht, um das menschliche Hormonsystem negativ zu beeinflussen, hängt von der jeweiligen Aufnahmemenge durch die Haut in den Körper ab. Dass ein Stoff hormonell aktiv ist, bedeutet nämlich nicht automatisch, dass er schädlich sein muss.

Die Summe macht’s

Natürlich werden alle Konservierungsmittel wissenschaftlich bewertet, bevor sie in den entsprechenden Anhang der EU-Kosmetikverordnung (Anhang V - 1223/2009) aufgenommen werden. Deshalb hat sich auch das internationale wissenschaftliche Expertengremium (SCCS), im Auftrag der EU-Kommission, bereits mehrfach in den vergangenen Jahren mit Parabenen beschäftigt, vor allem wegen ihrer hormonähnlichen Wirkung. Dies hat schließlich auch dazu geführt, dass Isopropyl-, Isobutyl-, Pentyl-, Benzyl- und Phenylparaben verboten worden sind.

Für die Parabene Methylparaben und Ethylparaben hat die wissenschaftliche Prüfung ergeben, dass sie nur geringe hormonelle Aktivität besitzen und deshalb in der in kosmetischen Produkten eingesetzten Konzentration (maximal 0,4 Prozent) kein Risiko für die Gesundheit darstellen.

Koservierungsmittel in Kosmetikprodukten werden im Labor untersucht.

Für die Parabene Propylparaben und Butylparaben hat die wissenschaftliche Prüfung ergeben, dass bei einer Maximalkonzentration von 0,4 Prozent der nötige Sicherheitsabstand nicht mehr gewährleistet ist; bei einer maximalen Konzentration von 0,19 Prozent wird er aber wieder eingehalten (der Sicherheitsabstand berücksichtigt physiologische Unterschiede zwischen Mensch und Tier im Laborversuch). Bei diesen Abschätzungen wurde auch mit einbezogen, dass Verbraucher mehr als ein Produkt mit Parabenen gleichzeitig verwenden. Bei Paraben-Gemischen dürfen es zusammen schon 0,8 Prozent in der Anwendungskonzentration sein. 

Und hier setzt auch die Kritik des BUND gezielt an, dass nämlich die Risikobewertung nur einzelne Stoffe untersucht. BUND-Chemikalien-Expertin Ulrike Kallee: "Ich schaue mir ein Paraben in einem Duschgel an und setze hierfür einen Grenzwert. Nun benutzen wir aber täglich außer dem Duschgel, noch Lippenstift oder Rasierschaum oder Körpercreme. Und wenn ich eine Blut- oder Urinprobe machen würde, fände sich sicher ein ganzer Cocktail an Chemikalien in meinem Körper."

Wie wirken verschiedene Kosmetikprodukte in Kombination?

Der Begriff "Cocktaileffekt" ist zwar eigentlich nicht wissenschaftlich definiert, gemeint ist aber der Effekt, der auftreten könnte, wenn verschiedene kosmetische Produkte mit Inhaltsstoffen verwendet werden, denen eine ähnliche Wirkung zugeschrieben wird. Wenn diese Inhaltsstoffe eine gemeinsame chemische Struktur haben, wie zum Beispiel Parabene, dann ist bei der Sicherheitsbewertung, mit der unter anderem Konzentrationsbegrenzungen im Produkt festgelegt werden, dieser Effekt berücksichtigt. Außerdem werden bei der Bewertung des möglichen gesundheitlichen Risikos sehr große Sicherheitsabstände miteingerechnet. Allerdings "eins plus eins ist eben auch nicht immer gleich zwei", gibt BUND-Chemikalien-Expertin Ulrike Kallee zu bedenken, "sondern es kann eben gut sein, das sich diese Chemikalien gegenseitig verstärken."

Nützt ein Verbot der Parabene?

Verbraucher erwarten natürlich, dass Kosmetika keimfrei sind und keinerlei Infektionsrisiko besteht. Natürlich könnte Keimfreiheit auch durch Einmalverpackungen oder durch eine "verkeimungsfreie" Entnahme erreicht werden, aber für viele Kosmetika ist das in der Praxis nicht sehr sinnvoll und wegen des Verpackungsmülls auch nicht vertretbar. Es gibt zurzeit keine Hinweise dafür, dass sich eine lang andauernde Summe aller Umgebungseinflüsse durch Parabene aus verschiedenen Quellen (Kosmetik, Nahrung, etc.) schädlich auf die menschliche Gesundheit auswirkt.

Dennoch ist Vorsicht die Mutter der Porzellankiste und warum sollten Verbraucher etwas nehmen oder mit der Haut aufnehmen, was zumindest in der Risikobewertung noch nicht restlos geklärt ist, wenn es auch ohne geht. In diesem Zusammenhang gilt es aber auch zu berücksichtigen, dass Parabene sehr gut hautverträglich sind und nur geringe Allergieraten aufweisen. Für viele andere Konservierungsmittel gilt dies nicht. Das Risiko, eine Allergie zu entwickeln, ist größer. Deshalb, und weil toxikologisch bei Einhalten der Grenzwerte keine Bedenken bestehen, hält zum Beispiel das BfR ein generelles Verbot der Parabene nicht für sinnvoll. Für den BUND dagegen sind Parabene ein vermeidbares Risiko, weil viele Hersteller eben zeigten, dass sie auch ohne diese Konservierungsmittel auskommen.

Fazit

Die Langzeitwirkung von Parabenen in Kosmetika ist noch nicht ausreichend erforscht. Jeder, der prinzipiell ein Risiko vermeiden möchte, sollte darauf verzichten und kann es auch, da mittlerweile viele Hersteller keine Parabene mehr in ihren Produkten verwenden.

Der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) hat sogar eine App "ToxFox" entwickelt, in der über 80.000 Körperpflegeprodukte erfasst sind und mit der Vebraucher die Möglichkeit haben, diese Pflegeprodukte direkt im Laden auf hormonell wirksame Inhaltsstoffe zu überprüfen (www.bund.net/toxten). Allerdings verweist die App auch auf sehr umstrittene Studien, die die hormonelle Wirkung in Tierversuchen angeblich nachweisen.

Aber: Nur weil keine Parabene in Körperpflegeprodukte enthalten sind, heißt das noch lange nicht, dass keine Konservierungsstoffe drin sind. Der Schutz vor Verkeimung muss schließlich trotzdem gewährleistet bleiben. Stattdessen wird beispielsweise die Substanz Methylisothiazolinon (MI) eingesetzt, deren Allergiepotential fünf Mal höher eingestuft wird als das von Parabenen. Übrigens unter den zehn größten Kosmetikherstellern hat die BUND-App "ToxFox" in den Produkten von "dm" (Alverde, Balea etc.), "unilever" (Dove, duschdas, Rexona etc.) und "Rossmann" (Isana, Alterra etc.) den geringsten Anteil von Parabenen gefunden. 


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