Bayern 1 - Experten-Tipps


33

Plastik oder Glas? Welche Flaschen sind umweltfreundlicher?

Wasser ist das beliebteste Getränk der Deutschen. Angeboten wird es im Handel in Einweg- und Mehrwegflaschen, die aus Kunststoff oder Glas sind. Welche Flasche ist am umweltfreundlichsten, will der Bayern 1-Umweltkommissar wissen.

Von: Alexander Dallmus

Stand: 29.05.2013

Illustration: Der Umweltkommissar sitzt auf einem Stapel Getränkekästen mit Glasflaschen, die Biene trinkt an einem Strohhalm aus einer Plastikflasche | Bild: BR/Susanne Baur

Mit der Einführung des sogenannten "Dosenpfands" sollten ab 2003 nicht nur Dosen, sondern auch Einweg-Plastikflaschen gestoppt werden und nach und nach vom Markt verschwinden. Erklärtes Ziel der rot-grünen Bundesregierung war eine Mehrwegquote von über 70 Prozent. Fast drei Viertel aller Getränke in Deutschland sollten in ökologisch vorteilhafte Verpackungen - wie Mehrwegflaschen oder Getränkekartons - abgefüllt werden.

Trendwende

Jürgen Trittin wollte als Bundesumweltminister Mehrweg stärken. Eingetreten ist das Gegenteil.

Nach einem etwas chaotischen Start ist der Einzelhandel seit Mai 2006 dazu verpflichtet, alle Einwegverpackungen, auf die Pfand erhoben wird, zurückzunehmen, wenn sie solche selbst im Sortiment haben. Ein eigenes Logo weist darauf hin. Damit sollte dem Rücknahmechaos Einhalt geboten werden. Allerdings funktioniert das Einwegpfand inzwischen so reibungslos, dass immer weniger Mehrwegflaschen verkauft werden. Die Folge: Die Mehrwegquote liegt derzeit unter 50 Prozent.

Lediglich ihr Bier trinken die Deutschen nach wie vor gerne aus der Mehrweg-Glasflasche. Mit einem Anteil von mehr als 80 Prozent wird die Zielvorgabe des Gesetzgebers erfüllt.

Unterscheiden zwischen Ein- und Mehrweg ist schwierig

Es steht zwar "Pfand" drauf, die PET-Flasche ist jedoch Einweg.

Ein Problem in Sachen Mehrwegsystem ist jedoch ausgemacht: Die Verbraucher haben Schwierigkeiten, Einweg und Mehrweg zu unterscheiden. Vielen Konsumenten gehen davon aus, dass "Pfand" gleichbedeutend ist mit "Mehrweg". Deshalb fordern zahlreiche Umweltverbände bereits seit Jahren eine bessere und deutlichere Kennzeichnung auf den Flaschen.

"Bei Mehrweg muss Mehrweg drauf stehen, bei Einweg muss Einweg draufstehen - und nur wenn wir das haben, kann der Verbraucher auch eine selbstbestimmte Entscheidung treffen, ob er tatsächlich Mehrweg oder Einweg einkaufen will."

Thomas Fischer, Deutsche Umwelthilfe e.V.

Weil sowohl Ein- als auch Mehrweg zurückgegeben wird, fällt vielen Verbrauchern die Unterscheidung schwer.

Im Bundesumweltministerium gibt es bereits Überlegungen, den Einzelhandel stärker in die Pflicht zu nehmen. In den Geschäften sollen dann Schilder an den Regalen deutlich darauf hinweisen, ob es sich um Einweg- oder Mehrwegflaschen handelt. Der Handelsverband HDE hält von dieser geplanten Verordnung, die noch vor der Bundestagswahl verabschiedet werden soll, nicht viel. Er rechnet mit Kosten von etwa sechs Millionen Euro für die dann notwendigen Schilder und Hinweistafeln. Dem Verband wäre natürlich eine Kennzeichnung auf der Flasche lieber.

Problem Mineralwasser

Gerade durch die Dumping-Preise der Lebensmittel-Discounter ist die Mehrwegquote in den vergangenen Jahren dramatisch gesunken. Kauften die Deutschen in den 90ern noch drei Viertel ihres Mineralwassers in Mehrwegflaschen, werden heute - genau umgekehrt - 70 Prozent der Wasser in PET-Einwegflaschen abgefüllt und billig verkauft.

Das ist vor allem deshalb von Bedeutung, weil Wasser das beliebteste Getränk in Deutschland ist. Der Bundesbürger schleppt im Schnitt etwa 137 Liter Mineralwasser nach Hause. Mittlerweile werden 60 Prozent über die Discounter verkauft und das wirkt sich schlecht auf die Umweltbilanz aus. 

Die Deutsche Umwelthilfe e.V. in Berlin hat errechnet, dass Mineralwasser in Mehrwegflaschen - egal, ob aus Glas oder PET - im Schnitt insgesamt 260 Kilometer transportiert werden.

Einwegflaschen legen von der Produktion bis zum Kunden und wieder zurück zur Entsorgung und dem möglichen Recycling die doppelte Strecke zurück. Begründet wird das mit den Vertriebsstrukturen der Discounter. Die Marktführer setzen allesamt auf zentrale Großabfüllanlagen, die von dort die Filialen beliefern. Regionale Anbieter kommen dabei nicht zum Zug.

Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe e.V. ist in Sachen importierte Mineralwasser kategorisch: "Wir als Umweltschutzverband würden generell empfehlen, kein ausländisches und importiertes Mineralwasser zu trinken, egal ob aus Einweg- oder Mehrweg-PET, weil beides ökologisch nicht sinnvoll ist."

Was ist PET?

PET ist die Abkürzung für den Kunststoff "Polyethylenenterephthalat". Daraus werden nicht nur Behälter oder Verpackungen hergestellt, sondern auch Fasern oder Textilien. Weltweit sind jährlich etwa 13,5 Milliarden Kunststoffflaschen im Einsatz.

Auf den ersten Blick scheint das Problem der Plastik-Einwegflaschen nicht dramatisch. Schließlich werden sie doch in Deutschland über die verschiedenen Sammelsysteme wieder zurückgenommen und können somit wiederverwertet werden.

PET-Einwegflaschen werden zwar gesammelt, danach jedoch eingeschmolzen und nicht direkt wiederverwendet.

Es gibt zwar Verfahren, die chemisch ein vollständiges Recycling von Flasche zu Flasche in Aussicht stellen, allerdings sind diese Verfahren sehr teuer und benötigen zudem viel Energie. Bei den üblichen Recycling-Verfahren werden PET-Einwegfaschen gesammelt, gewaschen, geschreddert und anschließend eingeschmolzen.

Das Granulat ist zwar mittlerweile ein wertvoller Rohstoff, aber weil bei diesem mechanischen Wiederaufbereitungsverfahren die Kunststoffmoleküle beschädigt werden, muss zum Großteil fabrikneues PET zugesetzt werden. Fast die Hälfte de Granulats aus zurückgenommenen PET-Flaschen ist nicht mehr zur Herstellung neuer Flaschen geeignet.

Gefärbtes PET taugt allenfalls noch für Textilfasern, aber nicht mehr für klare Wasserflaschen aus Kunststoff. Deshalb hat die PET-Einwegflasche auch bei einer Ökobilanz im Auftrag der "Genossenschaft Deutscher Brunnen" vor ein paar Jahren am schlechtesten abgeschnitten. Miteingerechnet wurden von den Wissenschaftlern dabei die CO2-Emmissionen sowie der Energie- und Rohstoffverbrauch. Die PET-Mehrwegflasche wird dabei sogar noch etwas besser bewertet

Verunsicherung durch Acetaldehyd

Dieser Stoff, der in der Natur auch in Früchten zu finden ist, lässt sich manchmal aus PET-Flaschen herausschmecken. Es wird zwar in regelmäßigen Abständen darauf hingewiesen, dass die Konzentrationen, die in PET-Flaschen bislang nachgewiesen wurden, so gering sind, dass die Getränke gesundheitlich unbedenklich sind, aber trotzdem sind Verbraucher oft verunsichert. Vor allem auch deshalb, weil sich selbst die Fachleute in ihrer Bewertung nicht ganz einig sind.

Ob Acetaldehyd aus dem Kunststoff der Flasche ins Wasser übergeht, ist nicht eindeutig bewiesen - das Gegenteil aber auch nicht.

Einerseits besteht bei der Verwendung von PET-Flaschen keine gesundheitliche Gefährdung, weil die Belastung weit unter den gesetzlichen Grenzwerten liegt. Andererseits weisen Wissenschaftler des Öfteren darauf hin, dass die Langzeitfolgen noch gar nicht abzusehen wären.

Acetaldehyd ist eine farblose Flüssigkeit, auch als Gas, mit stechendem Geruch. Im menschlichen Körper entsteht beispielsweise Acetaldehyd beim Abbau von Ethanol. Das Acetaldehyd steckt sozusagen im Kater, wenn am Abend vorher zu tief ins Glas geschaut wurde.

Acetaldehyd wird hauptsächlich in der chemischen Industrie verwendet – als Bestandteil von Farben, Parfümen und Färbemitteln, als Konservierungsstoff von Früchten und Fisch und als Geschmacksstoff. In erhöhten Mengen kann Acetaldehyd auch schädlich für die Leber sein.

Tipp

Prinzipiell gilt für alle Mineralwasser-Produkte, die in PET-Flaschen angeboten werden: Die Flaschen möglichst nicht in die Sonne stellen, weil hier eher die Gefahr besteht, dass Acetaldehyd aus der PET-Flasche ins Mineralwasser übergeht. Das Wasser sollte außerdem nicht süßlich schmecken. Auch das ist ein Zeichen dafür, dass sich Acetaldehyd aus dem Verpackungsmaterial im Mineralwasser befindet. "Wer zur Glasmehrwegflasche greift, hat zusätzlich die Qualitätsgarantie, dass Glas keine Wechselwirkung mit dem Füllgut eingeht", sagt Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe.

Eine Mineralwasseruntersuchung der "Stiftung Warentest" vom März 2013 hat jedoch ergeben, dass im Vergleich zu früheren Tests der Gehalt von Acetaldehyd, der von PET-Flaschen in die darin befindliche Flüssigkeit abgegeben wird, rückläufig ist. Die Hersteller nutzen heute sogenannte Acetaldehydblocker, damit freies Acetaldehyd gar nicht erst ins Wasser gelangen kann.

Mehrweg ist klar umweltfreundlicher

Eine Glasmehrwegflasche kann bis zu 50 Mal befüllt werden.

Dabei spielt es zunächst keine Rolle, ob es sich um eine Glas- oder PET-Flasche handelt. Entscheidend für die Ökobilanz der Getränkeverpackung ist nämlich zunächst einmal die Wiederverwendbarkeit. Die Glasflasche kann beispielsweise bis zu 50 Mal wiederbefüllt werden. Eine PET-Mehrwegflasche zwar nur 25 Mal, aber dafür ist sie leichter beim Transport und wird im direkten Vergleich mit der Glas-Mehrwegflasche sogar etwas besser bewertet.

PET-Mehrwegflaschen haben die beste Ökobilanz.

Die Gutachter haben, hochgerechnet auf 1.000 Liter abgefülltes Wasser, zusammengezählt, dass eine PET-Mehrwegflasche in Bezug auf den fossilen Ressourcenverbrauch etwa 0,7 Kilogramm weniger Rohöl "verschlingt". Allerdings hängt die Gesamtökobilanz auch sehr stark vom Transportweg ab. Je näher die Quelle und der Abfüller sind, desto besser schneidet die Glasflasche ab.

Auch eine Studie des Umweltbundesamtes belegt eindeutig: "Getränke in Mehrwegflaschen sind am umweltfreundlichsten." Das mehrfache Befüllen beim Mehrwegsystem spart Rohstoffe, reduziert die Abfälle und erzeugt damit auch weniger Treibhausgase. Dazu kommt noch, dass das arbeitsintensive Reinigen und Wiederbefüllen Arbeitsplätze in der Getränkeindustrie sichert.

Fazit

Mehrwegflaschen sind ganz klar umweltfreundlicher als vergleichbare Einwegprodukte. Ob sich die Verbraucher dann für PET-Mehrwegflaschen oder für Glasflaschen entscheiden, ist dann Geschmacksache.


33