18

Laktose-Intoleranz Nie wieder Kuhmilch?

Laktose-Intoleranz ist eine Stoffwechselstörung. Sie führt unter anderem zu Übelkeit, Magenkrämpfen und Durchfall, ist aber längst nicht so gefährlich wie eine Milcheiweißallergie.

Von: Angelika Vogel

Stand: 19.06.2020

Glas mit Milch, die nicht von allen Menschen vertragen wird, weil sie laktoseintolerant sind, also den Milchzucker nicht vertragen. | Bild: picture-alliance/dpa

Wer keinen Milchzucker verträgt, muss beim Einkaufen genau aufpassen - und vor allem genau hinsehen, was in den Lebensmitteln steckt. Denn die sogenannte Laktose ist nicht nur in Milch enthalten, sondern auch in vielen anderen Produkten: häufig in Wurst und Fertigprodukten, aber auch in Medikamenten. Konsequent alles zu meiden, was Milchzucker enthält, gilt daher als praktisch unmöglich.

Wer Milchzucker nicht verdauen kann, dem fehlt im Dünndarm das körpereigene Enzym Laktase, das den Milchzucker in Galaktose und Glukose spaltet. Der Milchzucker wandert dann unverdaut in den Dickdarm und verursacht dort Beschwerden. Dies ist jedoch der Extremfall: Einen vollständigen Laktasemangel hat kaum jemand, die meisten Betroffenen können eine kleine Menge an Milchzucker verdauen - nur eben nicht so viel wie andere.

Wie ist laktosefreie Milch und wie stellt man sie her?

Laktosefreier Milch wird bei der Herstellung nichts entzogen, sondern der darin enthaltene Milchzucker wird bei der Produktion aufgespalten. Das geht so: Milch wird auf 130 bis 135 Grad erhitzt (ergibt H-Milch oder frische Milch), dann gibt man das Enzym Laktase dazu. Gewonnen wird es aus Schimmelpilzen oder Milchhefe. Die Laktase spaltet in der Milch dann den Milchzucker in Traubenzucker (Glukose) und Galaktose. Normalerweise passiert das bei Menschen im Dünndarm. Nicht aber bei Menschen mit Milch-Unverträglichkeit, denn sie haben das Enzym Laktase nicht oder zu wenig davon. Laktosefreie Milchprodukte schmecken ein bisschen süßer als normale Milchprodukte, weil Traubenzucker und Galaktose stärker süßen als Milchzucker.

Die Symptome: unspezifisch

Menschen, die an Laktoseintoleranz leiden, können schon durch wenige Gramm Milchzucker, wie sie in manchen Schokoladensorten enthalten sind, Probleme bekommen. Die Beschwerden sind vielfältig und meist unspezifisch, zum Beispiel Blähungen, Müdigkeit, Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Krämpfen, Kopfschmerzen und Schwindelgefühl.

Sojamilch: Guter Ersatz für Kuhmilch?

Geschmack

Sojamilch schmeckt anders als Milch und eignet sich daher nicht immer als Ersatz. Bei Pfannkuchen merkt man kaum einen Unterschied, Müslis dagegen werden damit recht fad. Sojamilch-Produkte variieren stark in ihrem Geschmack, deshalb lohnt sich der Test mehrerer Produkte. Soja-Schlagsahne lässt sich übrigens schlechter schlagen als normale Schlagsahne.

Calcium

Der für die Knochen wichtige Mineralstoff Calcium ist in normaler Sojamilch nicht enthalten. Man sollte daher Sojaprodukte mit Calcium-Zusatz verwenden. Wer sich nur mit Sojaprodukten ernährt, sollte darauf achten, Calcium nicht mit Nahrungsmitteln wie Schokolade, Rhabarber oder Spinat zu kombinieren. Sie enthalten Oxalsäure, die die Aufnahme von Calcium im Körper behindert. Das gilt auch für Sojaprodukte mit Schoko-Geschmack. Sojamilch mit Aroma (Schoko, Vanille, Erdbeer) enthält zudem meist viel Zucker - jedoch nicht so viel wie Traubensaft. Am besten sollte man Sojamilch selbst mit natürlichen Aromen (Bourbon-Vanille, Früchte) verfeinern.

Fett und Eiweiß

Sojamilch enthält etwas weniger Fett als 3,5-prozentige Milch und ähnlich viel Eiweiß. Das Eiweiß ist allerdings pflanzlichen und nicht tierischen Ursprungs - und damit für den Körper schwerer verdaubar.

Käse

Bei Käse können Milch-Allergiker auch zu Kuhmilchkäse greifen, wenn es sich um einen Hartmilchkäse wie Parmesan, Emmentaler oder Appenzeller handelt. Diese sind meist so gut wie laktosefrei, weil die Milchsäurebakterien die Laktose beim Reifen "aufgefressen" haben. Dann kann man auch auf die teureren Alternativprodukte mit "laktosefrei"-Etikett verzichten.

Alternativen für Milch-Allergiker

Als Kuhmilch-Ersatz bei Laktoseintoleranz sind am besten Sojamilch (mit Calcium angereichert!) oder laktosefreie Milchprodukte geeignet. Da Sojamilch aber zu Allergien und bei Menschen mit Heuschnupfen zu Kreuzallergien führen kann, ist sie nicht uneingeschränkt empfehlenswert. Reis- und Hafermilch enthalten Kohlenhydrate und Zucker, aber kein Eiweiß. Ziegen-, Schaf-, Kamel- oder Pferdemilch haben meist einen starken Eigengeschmack und enthalten wie normale Kuhmilch immer Laktose. Sie sind kein guter Ersatz für Menschen mit Laktose-Intoleranz.

Diagnose per Wasserstoff-Test

Viele Patienten erfahren jahrelang nicht, an welcher Erkrankung sie wirklich leiden, denn eine Milchzuckerunverträglichkeit ist aufgrund vielfältiger Symptome oft schwer zu diagnostizieren. Der Arzt befragt den Patienten zuerst zu seinen Ernährungsgewohnheiten. Wenn alles für eine Nahrungsmittelunverträglichkeit nach dem Konsum von Milch spricht, kann der Arzt einen Wasserstoff-Atemtest durchführen lassen.

Dabei trinken die Patienten eine Milchzuckerlösung. Alle 30 Minuten wird dann die Wasserstoffkonzentration beim Ausatmen gemessen. Wenn der Körper den Milchzucker nicht ausreichend aufspalten kann, gelangt dieser in den Darm und wird dort vergärt. Der Wasserstoffgehalt im Körper steigt an. Ist der Wasserstoffgehalt deutlich erhöht, ist die Diagnose sicher: Laktoseintoleranz.

Die Milcheiweißallergie

Oft wird die Milchzuckerunverträglichkeit jedoch verwechselt. Mit einer anderen, viel selteneren Erkrankung: der Milcheiweißallergie. In Deutschland betrifft das etwa zwei bis fünf Prozent der Kinder und noch weniger Erwachsene. Während der Laktoseintoleranz ein Enzymmangel zugrunde liegt, reagiert bei Milcheiweißallergikern das Immunsystem auf ein oder mehrere Eiweiße in der Milch - meist Kasein oder Molkeneiweiß.

Soja- oder Schafmilch

Reagiert man allergisch auf Kasein, muss man auf tiermilchfreie Produkte wie Soja-, Reis- oder Hafermilch ausweichen. Sie sollten möglichst mit Kalzium angereichert sein. Soja kann wiederum ein weiterer Allergieauslöser sein und ist darum für manche ein problematischer Milchersatz.

Bei einer Allergie auf Molkeneiweiß kann man auch auf Schaf-, Ziegen- oder Stutenmilch umsteigen.

Betroffene sollten mithilfe eines Arztes herausfinden, auf welchen Milchbestandteil sie reagieren, denn eine Milcheiweißallergie kann mit drastischen Symptomen einhergehen. Sie sind nicht zwingend auf den Verdauungstrakt beschränkt, sondern können auch Hautprobleme, Asthma oder Fließschnupfen auslösen. Eine Milcheiweißallergie kann lebensbedrohlich sein, eine Laktoseintoleranz nicht.


18