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Gesund oder gefährlich Warum Milch besser ist als ihr Ruf

Mit dem Slogan "Die Milch macht's" hat die deutsche Agrarwirtschaft jahrelang für Milch geworben. Inzwischen ist Milch etwas in Verruf geraten, manchen gilt sie sogar als Krankmacher. Wir wollten wissen, was dran ist und haben einen Ernährungsmediziner gefragt.

Von: Margarete Jall

Stand: 10.02.2020

Milch | Bild: dpa-Bildfunk/Sebastian Gollnow

Die Verunsicherung beim Thema Milch ist groß. Für Andreas Pfeiffer, Ernährungsmediziner und Professor an der Charité Berlin, steht fest: Milch ist nach wie vor gesund. Aber er empfiehlt die fettarme Variante.

"Milch ist ein sehr gesundes Nahrungsmittel, das ein hochwertiges Protein hat, das Kalzium enthält und das wichtige Nährstoffe enthält. Das ungünstigste daran sind die gesättigten Fette, deshalb würde ich fettarme Milchprodukte empfehlen. Im Rahmen einer gesunden Ernährung sollte man Milchprodukte regelmäßig konsumieren. Das hilft auch, das Gewicht zu halten. Milch sättigt sehr gut durch den hohen Proteinanteil – und das Protein darin ist gutes Protein – und solange man nicht ungeheure Mengen davon isst oder Sportlerdrinks trinkt, die Milchprotein enthalten, dann ist das ein sehr gesundes Nahrungsmittel."

Andreas Pfeiffer, Ernährungsmediziner

Die Studienlage zu Milch ist uneinheitlich

Für den Ernährungsmediziner gibt es keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass Milch unserer Gesundheit ernsthaft schadet. Die Skepsis gegenüber der Milch hat viel damit zu tun, dass die Studienlage uneinheitlich ist. Kurz gesagt: Milch zeigt in vielen Studien einen positiven Effekt, in anderen einen negativen und in wieder anderen gar keinen. So wurde zum Beispiel eine Verbindung zwischen Milch und einem erhöhten Krebsrisiko hergestellt. Das könnte vor allem an den Aminosäuren liegen, also den Proteinbausteinen, die im Stoffwechsel wirken. Das gilt aber nicht nur für das Milchprotein, sondern auch für das Pflanzenprotein, wie es etwa in Sojamilch steckt.

"Ob eine proteinreiche Ernährung tatsächlich mehr Krebs macht oder ob das nicht andere Faktoren sind, ist letztlich nicht geklärt. Bei Fliegen, Würmen und Mäusen ist das so, da kann man das gut untersuchen, aber die sind halt sehr viel kurzlebiger als Menschen."

Andreas Pfeiffer, Ernährungsmediziner

Auch bei Kalzium ist die Faktenlage unklar. Menschen, die viel Milch, also auch viel Kalzium trinken, sollen ein höheres Risiko haben, an Prostatakrebs zu erkranken. Viel heißt: mehr als 1,2 Liter täglich. Allerdings: Bei Darmkrebs scheint es genau andersrum zu sein. Der hohe Kalzium-Spiegel soll vor Darmkrebs schützen.

Moderater Milchkonsum ist nicht schädlich

Die Studienlage ist also widersprüchlich. Dennoch kann man sagen, dass Milch bei moderatem Konsum nicht schädlich ist, sofern man keine Allergien oder Unverträglichkeiten hat. Die deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt rund 200 Gramm Milch bzw. Joghurt und rund 50 Gramm Käse täglich. Um sich gesund zu ernähren, muss man aber keine tierische Milch trinken. Es gibt auch andere Kalzium-, Vitamin-, und Proteinquellen.

Milchalternativen sind besser fürs Klima

Viele Menschen greifen inzwischen zu Milchalternativen wie Soja-, Reis-, oder Hafermilch. Aus Tierschutzgründen oder fürs Klima ist das durchaus eine Überlegung wert, gesünder sind die Alternativen allerdings nicht. Was Proteine und Nährstoffe angeht, kann eigentlich nur Sojamilch mit Kuhmilch mithalten, so Andreas Pfeiffer von der Charité.

"Wenn Sie Sojamilch nehmen, das ist auch ein hochwertiges Protein, weil es all die Aminosäuren hat, die die der Milch ähnlich sind. Eine Milchalternative ist nur dann eine Alternative, wenn es tatsächlich auch die entsprechende Proteinmenge hat, ansonsten ist es halt ein Getränk, das mehr oder weniger günstige Inhaltsstoffe hat, meistens ist viel Zucker drin, was gewiss nicht günstig ist."

Andreas Pfeiffer, Ernährungsmediziner

Was den Klimaschutz angeht, sind Alternativen wie Hafer-, Soja-, und Hanfmilch umweltfreundlicher als Kuhmilch. Sie verbrauchen in der Produktion deutlich weniger Energie, weniger Fläche und weniger Wasser. Aber natürlich spielt es eine Rolle, wo und wie die Pflanzenmilch produziert wird - da wäre ein regionales Produkt tatsächlich am besten. Genau wie bei der Kuhmilch auch, die man ohne Bedenken trinken kann, wenn man es mit der Menge nicht übertreibt.


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