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European Outdoor Film Tour 2016/2017 Warum Actionsportfilme keine Erfolgsstory brauchen

Tolle Bilder, krasse Herausforderungen, Gipfelglück. So funktionieren Actionsportfilme. Normalerweise. Bei den Filmen der diesjährigen E.O.F.T. ist das anders. Unsere Autorin findet sie gerade deswegen gut.

Von: Silke Keul

Stand: 13.10.2016 | Archiv

Pressebilder zur E.O.F.T. 2016/2017 | Bild: E.O.F.T.

Actionsportfilm – das klingt nach geilen Bildern, krassen Herausforderungen, Abenteuer und Happy End. Das alles gibt‘s auch dieses Jahr auf der European Outdoor Film Tour. Allerdings geht’s am Ende nicht um die erreichten Ziele der Kletterer, Bergsteiger, Wingsuit-Basejumper, Mountainbiker und Steilhang-Freeskier. Es geht um die Geschichte vor, hinter und neben den Zielen. Es wird gezeigt, was sonst eher rausgeschnitten wird.

Auch die allerkrasssten Typen scheitern mal und reagieren genau wie wir Normalos

Das österreichische Klettertalent David Lama ist mit seinen 26 Jahren eine feste Größe des Alpinismus. In seinem Film Lunag Ri reist er das erste Mal seit seiner Kindheit mit seinen Eltern nach Nepal, in die Heimat seines Vaters. Dort will er gemeinsam mit der doppelt so alten Kletterlegende Conrad Anker den Lunag Ri erstbesteigen. Heimkommen, einen Granitriesen von fast 7.000 Metern Höhe bezwingen - klingt nach einer tollen Geschichte. Lama fühlt sich seiner Heimat dann aber gar nicht so verbunden und den Gipfel erreichen die beiden auch nicht. Sie machen Fehler, müssen nicht weit vom Ziel entfernt aufgeben und sind gefrustet.

Irgendwie beruhigt es, dass auch die Superstars der Outdoor-Szene mal was nicht schaffen und reagieren, wie man eben selbst reagieren würde: Erstmal trotzig.

"Was willst du jetzt mit Gefühlen? Es geht ums Bergsteigen."

David Lama

Ohne Vertrauen und Verantwortung füreinander erreicht man sein Ziel nicht

In Punkto Vertrauen haben David Lama und Conrad Anker kein Problem. Kurz vorm Gipfel des Lunag Ri sind sie einer Meinung: sie müssen umkehren. Das ist in Extremsituationen nicht selbstverständlich. Wie das Vertrauen innerhalb eines Teams brechen kann, sieht man im Film Down to nothing. Hilaree O’Neill hat ihre erste Expedition für National Geographic geplant. Der Anspruch, auch ihr eigener, ist sehr hoch. Mit vier weiteren Abenteurern reist sie durch ganz Burma. Sie schlagen sich durch den Jungle, um den Gipfel des wohl höchsten Berges Südostasiens zu erreichen. Aber es geht einiges schief. Das Team gerät aus dem Zeitplan, muss sich von Gepäck und Vorräten trennen, weil es zu wenige Träger hat. Sie haben Hunger, sind gefrustet und nicht immer einer Meinung, wie es weitergehen soll. Als klar wird, dass nur eine kleine Gruppe schnell genug durch das anspruchsvolle Terrain bis zum Gipfel kommen kann, wollen die drei Männer des Teams allein weiter. Ohne ihre Anführerin. Ein derber Vertrauensbruch. Aber Hilaree O’Neill übernimmt die Verantwortung für die Fehler und steckt zurück. Hart für das erfolgsverwöhnte Ego. Das zeigt wahre Größe. Den ganzen Film gibts auch auf Vimeo.

Durch Freundschaft unsterblich werden

Wenn man Wingsuit und Basejump hört, gibt’s zwei Reaktionen: Kopfschütteln darüber, wie krank es ist, an Felsklippen entlang zu segeln. Und Bewunderung. Fliegen, frei sein, Nervenkitzel. Erfolg und Misserfolg heißt in dieser Actionsportart: leben oder sterben. Darum geht es in When we were knights. Matt Blank und Ian Flanders verbindet eine tiefe Freundschaft, die über den Tod hinausgeht. Denn Flanders stirbt bei einem Basejump aus einer Seilbahn. Sein Freund erinnert sich im Film an die gemeinsame Zeit aus Party und Action, dann begibt er sich mit der Asche des Kumpels auf einen Roadtrip, was dem Tod seine Traurigkeit nimmt.

Sich selbst nur nicht zu wichtig nehmen!

Trotz ihres Tiefgangs ist die diesjährige E.O.F.T. nicht schwermütig. Die gute Laune in The Adventures of the Dodo ist ansteckend. Vier befreundete Kletterer chartern das kleine Segelboot „Dodo's Delight“ mit Captain Referend Bob Shepton. Sie wollen Felswände auf Baffin Island in Kanada  erstbesteigen. Das schaffen sie im Film eher beiläufig. Im Fokus steht der Spaß am gemeinsamen Abenteuer: Das Sonnenbaden auf der Eisscholle mit aufblasbarem Gummi-Krokodil, lange Kajütenabende, Workouts mit Felsbrocken oder Unterhaltungen darüber, wie oft sie sich beim Aufstieg erleichtern mussten. Der Humor bleibt – auch in Schlechtwetterphasen und brenzligen Situationen. Das mochte der Captain sehr:

"Viele Kletterer nehmen sich selbst sehr wichtig und zeigen das auch. Aber die Jungs sind entspannt, haben Spaß und genießen die Musik und die Witze. Es ist spaßiger zusammen ein Abenteuer zu erleben."

Bob Shepton

Teammitglied Sean Villanueva O’Driscoll hat sogar eine hitverdächtige Titelmelodie für den Film geschrieben, die die ganze Crew performt. "The Adventures of the Dodo" ist völlig zu Recht der Publikumsliebling der E.O.F.T. - Ohrwurm garantiert.

Actionsportfilm geht also auch ohne Erfolgsstory sehr gut. In tiefsinnig, bewegend oder auch mit Musikvideo-Charakter. Das macht die E.O.F.T. in diesem Jahr erfrischend anders.

Mehr Infos...

...zu allen Filmen und den Tourstopps der European Outdoor Film Tour 2016/2017 gibt's hier.


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