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Limitless Trail & The Hallstatt Wind Down von Fabio Wibmer Die innovativsten Bike-Videos des Jahres

Einen Backflip von der Schaukel aufs Bike und ab über Dächer, Terrassen und Autos: "Limitless Trail" ist nicht nur ein viraler Hit, sondern der innovativste Bike-Clip des Jahres. Wir haben den Macher Fabio Wibmer gesprochen.

Von: Nina Pietschmann

Stand: 09.11.2015 | Archiv

Mit einem Backflip von einer Schaukel aufs Bike springen und so mal eben vor der Polizei flüchten, natürlich über Hausdächer, Terrassen und Autos: Dank diesem Setting ist Fabio Wibmers Video "Limitless Trail" nach nur wenigen Tagen zum viralen Hit in den sozialen Netzwerken geworden und nicht nur in den Timelines von Bike Freaks mehrfach aufgetaucht. Zurecht, denn der 20-jährige Österreicher gehört zu den besten und kreativsten Trialbikern der Welt. Wir haben mit Fabio über die langwierigen Vorbereitungen für das Video, den Erfolg des Clips und über seine großen Vorbilder und Inspirationsquellen gesprochen.

PULS Playground: Jemand hat unter deinem Video kommentiert: "Best GoPro Video I ever saw!!". Wie fühlt sich das an?

Fabio Wibmer: Das ist schon ziemlich cool. Es gibt einem viel Selbstbewusstsein und motiviert einen auch, weiterhin solche Videos zu produzieren und sich weiter zu steigern.

Dein Video ging krass durch die Decke. Was glaubst du, ist der Grund dafür?

Schwer zu sagen. Ich denke, dass die Idee mit der Polizeiverfolgung mehr Leute anspricht als wenn man nur sein Fahrkönnen zeigt. Wenn man eine Story im Video hat, bringt das ziemlich viel und in dem Fall ist es mir ziemlich gut gelungen.

Wie kam's überhaupt dazu?

Das war mehr so eine spontane Idee. Ich habe eine GoPro Line geplant, also einige Tricks aneinander gereiht, und da hab ich versucht, eine Story drum rum zu finden. Und irgendwie kam ich dann auf die Flucht vor der Polizei. In meinem Heimatdorf gibt's viele Mauern und Gebäude, die eng zusammen stehen und so haben sich die verschiedenen Ideen mit der Zeit zur einer Line entwickelt.

Haben dich andere Videos inspiriert?

Ja, das Freeski-Video "One of Those Days" von Candide Thovex. Das hat mich schon dazu inspiriert - auch über die Jahre - einfach die GoPro Videos kreativ darzustellen.

Aber mal ehrlich: Stecken da nicht deine Sponsoren oder GoPro dahinter?

Nein, nicht ein einziger Sponsor. Das ist eine Geschichte, die ich für mich selber produziert hab. Und GoPro steckt in dem Sinn auch nicht dahinter, ich habe das Video lediglich beim GoPro World Contest eingereicht. Das ist ein Contest, bei dem Biker Videos von ihrer Line einschicken können. Aber ansonsten hat GoPro da überhaupt nicht mitgewirkt.

Was war die größte Herausforderung beim Dreh?

Die vielen Vorbereitungen. Vom Polizeiwagen bis zu den ganzen Leuten, die da mitgespielt haben. Und die Nachbarn, die ich überreden musste, dass ich auf den Dächern fahren darf - das war die größte Hürde. Eigentlich war fast das halbe Dorf involviert…

Wie lang haben die Vorbereitungen denn gedauert?

Um die zwei Monate. Bis alles gebaut ist, bis man einen Polizeiwagen hat - oder besser gesagt einen Wagen, den man als Polizeiauto besprühen kann. Beim Filmen hab ich mich dann auch noch verletzt und mir mein Sprunggelenk gezerrt, deshalb musste ich eine Pause machen. Das hat alles noch weiter hinausgezögert. Von der Planung bis Drehschluss waren es dann gut drei Monate. In meinem Heimatdorf kenne ich zum Glück jeden Meter. Woanders hätte es wahrscheinlich doppelt so lange gedauert, bis ich eine Line zusammengebracht hätte.

Wem gehört eigentlich das Auto, auf das du draufspringst?

Das ist das Auto meines Bruder. Er nutzt es als Jagdauto und ich habe schon ein bisschen Überzeugungsarbeit leisten müssen. Aber es hat dann doch geklappt und bis auf ein paar Dellen ist nicht viel passiert.

Dein Video ist fahrerisch ziemlich anspruchsvoll - was war das Schwierigste?

Der Wechsel von einem Bike aufs andere, also wo ich mit dem Trial Bike gegen das Polizeiauto fahre, aufs Dach springe und von dort aufs Downhill Bike springe. Das hat mich ziemlich viele Versuche gekostet und war für mich mit am anspruchsvollsten. Oder die Fahrt zwischen den Dächern über einen Balken. Oder auch der Drop vom Hausdach auf die Terrasse. Das waren schon Sachen, die ich oft wiederholen musste, aber eigentlich nicht zu oft machen wollte. Es war schwierig, den Druck auszuhalten und nicht zu viel darüber nachzudenken. Ich habe schon teilweise ein bisschen Angst gehabt und das hört man glaube ich auch raus, auch wenn ich natürlich ein bisschen übertrieben hab.

Hast du vorher geübt?

Nicht wirklich. Ich wusste schon, dass das Ganze hinhauen kann. Das waren alles Dinge, die man sonst im Training auch macht, nur nicht in dieser Höhe.

Und den Backflip von der Schaukel aufs Bike?

Der war für mich persönlich jetzt gar nicht so schwierig. Ich hab den Schaukel-Backflip ein paar Mal geübt und schon von Kindheit an immer gemacht. Das war nicht wirklich die große Herausforderung für mich. Dennoch schaut‘s ziemlich cool und spektakulär aus im Video. Deswegen meinen auch einige, es wäre fake. Ist aber natürlich Quatsch.

Wie schafft man es, sich immer wieder neu zu inszenieren?

Das ist schon ziemlich schwierig. Es gibt so unendlich viele Videos, die was spezielles haben und es ist eine Herausforderung, dass man da heraussticht. Es ist schon wichtig, dass man sein Riding Level verbessert und das auch zeigt. Und es wird auch immer höher und weiter. Aber ich glaube, dass man mit einer guten Geschichte und mit etwas weniger schwierigen Sachen mehr Erfolg haben kann, als wenn man nur extrem harte Tricks aneinander reiht.

Und dann gibt's da ja auch noch Danny MacAskill...

Eben. Vor allem wenn's einen wie Danny gibt, der schon so große Sachen vorgemacht hat, dann ist es wirklich schwierig, dass man sich da auch noch einen Namen macht. Ich hab 2010 wegen Dannys erstem Video mit dem Trial Biken angefangen und habe immer versucht, die Tricks, die er kann, nachzumachen. Mittlerweile versuche ich schon, meinen eigenen Style zu finden und meine eigene Richtung einzuschlagen. Zum Beispiel indem ich Trial Biken und Downhill Biken miteinander verbinde - wie eben in "Limitless Trail". Und ich muss sagen, dass ich bis jetzt mit meinen Ideen ziemlich erfolgreich unterwegs bin.

Was kommt als nächstes?

Von "Limitless Trail" gibt’s nicht nur das GoPro Video, wir haben auch noch von außen gefilmt und der Clip kommt voraussichtlich Mitte November raus. Da haben wir einige Sachen öfter probiert, auch verschiedene Winkel und mehrere Schnitte. Außerdem läuft bei der Alp-Con Cinema Tour gerade mein Film "The Hallstadt Wind Down". Ich war bei der Premiere in Innsbruck selbst dabei und es ist schon cool, wenn man im Kino sitzt und seinen eigenen Film auf der großen Leinwand anschaut. Ansonsten ist bei mir noch nichts geplant. Ich werde im Winter ein bisschen mehr fürs Studium machen, damit ich im Frühjahr oder Sommer mehr Zeit für neue Idee beim Biken habe.


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