Kommentar Der Weltfrauentag ist kein Werbegag!

Na, seid ihr heute auch schon über eine Rabattaktion zum Weltfrauentag gestolpert? Für unsere Autorin kein Grund zur fröhlichen Schnäppchen-Jagd. Denn letztlich geht es bei diesen Marketing-Aktionen nur um: Money, Money, Money.

Von: Miriam Harner

Stand: 08.03.2017 | Archiv

Weltfrauentag | Bild: BR

"18% RABATT BEI ATU AM WELTFRAUENTAG!

AM INTERNATIONALEN TAG DER FRAU FREIER EINTRITT FÜR ALLE FRAUEN IM FIFA-MUSEUM!!

AM WELTFRAUENTAG HERZENSCHLÜSSELANHÄNGER GRATIS BEIM EINKAUF ÜBER 30 EURO!!!

20% RABATT AUF BLUMEN ANLÄSSLICH DES WELTFRAUENTAGS!!!!"

Werbung am Weltfrauentag

Pünktlich zum Weltfrauentag am 8. März überbieten sich Supermärkte, Drogerien und Klamottenläden wieder mal gegenseitig darin, mit einer "liebevollen Aufmerksamkeit" in Form von Rabattaktionen, Gutscheinen oder Gratis-Sekt der Damenwelt den verdienten Respekt zu zollen. Als müssten sie beweisen: "Wir lieben Frauen! Nein, wir lieben sie mehr! Aber wir lieben sie am meisten!"

Entschuldigung, aber seit wann ist der Tag, der eigentlich ganz im Zeichen des Kampfes für die Rechte und die Gleichberechtigung der Frauen stehen sollte, zur Kommerzialisierung à la Valentinstag freigeben worden?

Die Frauenversteher von der FIFA

Ich halte das gleich auf mehreren Ebenen für, gelinde ausgedrückt, problematisch: Es geht nicht nur die ursprüngliche Idee hinter dem "Internationalen Frauenkampftag" verloren. Es ist vielmehr der heuchlerische Versuch, das eigene Image aufzupolieren. Nehmen wir doch zum Beispiel die Aktion des FIFA World Fußball-Museums in Zürich: Freier Eintritt am Weltfrauentag! Laut dem Museum ein Versuch, die Aufmerksamkeit der Besucher auf den völlig zu Unrecht unterschätzten Frauenfußball zu lenken.

Tatsächlich wird damit aber das eigentliche Problem nur vertuscht, nämlich dass Frauen an der Spitze von Sportorganisationen im besten Fall eine Nebenrolle spielen. Im FIFA-Rat, also dem Gremium, das den Präsidenten des größten internationalen Fußballverbandes wählt, sind momentan von 33 Mitgliedern gerade mal fünf Frauen. Die Free Entry-Aktion des FIFA Museums zum Frauentags als Quasi-Beweis dafür zu verkaufen, dass man ja an vorderster Front für mehr Gender Diversity im Fußball kämpft, wirkt vor diesem Hintergrund doch eher lächerlich.

Das Rabatt-Feuerwerk

Ein weiterer Punkt, der mir anlässlich des heutigen Rabatt-Feuerwerks die Zornesröte ins Gesicht treibt, ist der, dass hier mal wieder zu Hauf vermeintlich längst überholte Geschlechter-Klischees und sexistische Frauenbilder in pinken Zement gegossen werden: Über die 18 Prozent Preisnachlass auf Autoteile bei ATU kann ich ja noch schmunzeln, schließlich gibt es bestimmt genügend Schrauber-Frauen, die gerne ihre Karre pimpen. Aber glaubt ihr PR-Fuzzis im Ernst, dass ich mir als Frau zum Weltfrauentag nichts sehnlicher wünsche als Blumen, Gratis-Prosecco und Schlüsselanhänger in Herzform? Wie wär’s denn, wenn wir Frauen in Zukunft für unseren rosa Einwegrasierer nicht mehr 33 Prozent mehr bezahlen müssen als Männer für den gleichen in Blau. Stichwort "Gender Pricing", was nichts anderes ist als systematische Abzocke zu Lasten der Frauen. 

Shitstorm, ich hör dir trapsen!

Ich sehe schon die Kommentare vor mir: "Jetzt meckert die Emanze schon, wenn sie mal was geschenkt bekommt!". Falsch. Ich liebe Geschenke! Ich lass mir aber nicht vorgaukeln, dass die Pseudo-Bevorzugung von Frauen an einem Tag im Jahr durch Rabatte und Preisnachlässe auch nur das kleinste bisschen an der Tatsache ändert, dass Frauen in Deutschland auch 2017 an den restlichen 364 Tagen Diskriminierung erleben. Nur ein paar Beispiele: 40 Prozent der Frauen bei uns haben seit ihrem 16. Lebensjahr körperliche und/oder sexuelle Gewalt erfahren, sagt der Bundesverband der Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe.

Mehr als die Hälfte aller Frauen in Deutschland haben 2015 Abi gemacht, bei den Männern waren es nur 47 Prozent. Knapp die Hälfte aller 2012 vergebenen Doktortitel erhielten Frauen, aber gerade mal 22,6 Prozent der Führungspositionen sind in Deutschland mit Frauen besetzt. Und dass Frau im gleichen Job weniger verdient als ein Mann, hat nur einen einzigen Grund – nämlich dass sie eine Frau ist. Da kann sie sich noch so sehr den Arsch aufreißen.

Insofern liebe Supermärkte, Drogerien und Blumenhändler, tut mir einen Gefallen: Missbraucht den heutigen Weltfrauentag nicht für eure dümmliche Promo oder fürs "Pink Washing" eures Images. Der Internationale Frauenkampftag ist nämlich kein Werbe-Gag.