Jetzt Franzis Fil Bo Riva

Info Der italienische Wahlberliner Fil Bo Riva hat 2016 seine Debüt-EP "If You're Right It's Alright" veröffentlicht. Mit seiner rauchigen Stimme erinnert er an George Ezra, bringt aber letztendlich seinen ganz eigenen Sound mit.

Interview zu Stichwahlen in Brasilien "Ich befürchte eine Militärdiktatur"

Brasilien steht vor der Stichwahl und viele befürchten, dass der extrem rechte Kandidat Bolsonaro Präsident wird. Das Land spaltet sich, Gewalt nimmt zu. Wir haben mit einer jungen Brasilianerin über die Situation gesprochen.

Von: Katharina Geschier & Uli Knapp

Stand: 25.10.2018 | Archiv

Brasilianerin Marina Bartlewski bei Protresten in Brasilien | Bild: Marina Bartlewski

Am 28. Oktober 2018 findet in Brasilien die Stichwahl zum Präsidenten statt. Nach dem ersten Wahlgang im September treten jetzt zwei Kandidaten gegeneinander an: Fernando Haddad von der linken Arbeiterpartei PT und Jair Bolsonaro von der rechtskonservativen PSL. Bolsonaro gilt wegen seinen rassistischen, sexistischen und homophoben Äußerungen als Trump Brasiliens. Zur Militärdiktatur, die von 1964 bis 1985 in Brasilien herrschte, sagte er: "Der Fehler der Diktatur war, dass sie folterte, anstatt zu töten." Viele Menschen in Brasilien haben jetzt Angst, dass ihr Land in die Diktatur der 1960er Jahre zurückrutschen könnte. Sie versuchen, einen Wahlsieg von Bolsonaro mit Demonstrationen und Protestaktionen zu verhindern.

Eine, die gegen Bolsonaro aktiv wurde, ist Marina Bartlewski. Sie ist 26 Jahre alt, arbeitet als Rechtsanwältin in Rio de Janeiro und war bei Demos dabei. Wir haben mit Marina über die aktuelle Situation in Brasilien und ihre Befürchtungen gesprochen.

PULS: Marina, wie ist die Situation in Brasilien im Moment für dich und deine Freunde?

Marina Bartlewski: Wir alle haben Angst davor, auf die Straße zu gehen und unsere Rechte zu verteidigen. Meine schwulen Freunde wurden bedroht, ein Musiker ist erstochen worden und ich fühle mich schon unsicher, wenn ich mit einem Haddad-T-Shirt auf die Straße gehe – in meinem Rio de Janeiro. Das ist absurd. Wenn es in Brasilien so weitergeht wie bisher und Bolsonaro gewinnt, fällt unser Land zurück in eine Diktatur und damit 50 Jahre zurück. Unsere Rechte und unsere Demokratie sind bedroht.

Wie siehst du deine Rechte und die von anderen bedroht?

Ich habe es da noch relativ gut, weil ich privilegiert bin. Ich bin eine Frau, weiß, ich bin nicht homosexuell und habe studiert. Leute, die nicht so viele Privilegien haben, werden die Einschränkungen viel stärker zu spüren bekommen, dadurch dass Gewalt auf der Tagesordnung steht und Schutzrechte eingeschränkt werden. Und das Schlimme ist: Selbst diese Leute wählen Bolsonaro, weil sie es nicht besser wissen!

Wie kommt es dazu, dass so viele Menschen nicht wissen, welche Konsequenzen die Wahl für sie haben könnte?

Die brasilianische Regierung gibt nicht viel Geld für Bildung oder Kultur aus, also für Dinge, die die Menschen zum eigenen Denken bringen. Wir haben eine große Masse an Leuten, die nicht selber denkt. Und das nützt der Politik: Wenn die Menschen sich ihre eigenen Gedanken machen würden, würden sie diese Leute nicht wählen.

Wie würdest du die Stimmung in der Gesellschaft in Brasilien beschreiben? Gibt es eine Lagerbildung?

Die gibt es, allerdings teilt sich die Gesellschaft nicht in links und rechts, es geht hier nämlich nicht nur um Politik. Auf der einen Seite ist das rechte Lager und auf der anderen Seite steht der Rest der Menschen, die auch über ihren Tellerrand schauen. Die nicht nur an sich denken, sondern auch an andere, an unsere Kinder und an den Rest der Welt.

Momentan gibt es ja viele Demonstrationen für und gegen beide Kandidaten. Wie engagierst du dich selbst?

Mein oberstes Ziel ist es, jeden Tag eine Person dazu zu bringen, gegen Bolsonaro zu stimmen. Dafür rede ich mit den Putzfrauen auf meiner Arbeit, mit Taxifahrern und Menschen auf der Straße und bin ziemlich viel auf Instagram unterwegs. Natürlich geht es mir darum, Bolsonaro als Präsidenten zu verhindern, zu erklären, dass er keine Option ist, aber auch darum, ein Geschichtsverständnis zu wecken. Dass sich das faschistische Regime der 60er Jahre auf keinen Fall wiederholen darf. Deshalb gehe ich auch auf die Demonstrationen.

Würdest du dir manchmal mehr Unterstützung von außen wünschen?

Wir brauchen hier in Brasilien Hilfe. Jede Berichterstattung von internationalen Medien ist wichtig, auch dieses Interview. Ich würde mir wünschen, dass sich außerdem noch mehr wichtige internationale Personen zum Thema äußern würden. Nach dem Motto: "Hey Brasilien, ihr steht da kurz vor dem Faschismus. Wollt ihr das wirklich?"

Was meinst du: Wie gehen die Stichwahlen aus?

Ich würde gerne sagen, dass Haddad Chancen hat. Aber ich weiß nicht, ob das stimmt. Die Umfragen sprechen eigentlich für einen Sieg von Bolsonaro. Wenn er tatsächlich gewinnt, müssen wir dafür kämpfen, dass wir in vier Jahren einen anderen Präsidenten bekommen. Falls wir dann noch freie Wahlen haben. Im Moment befürchte ich eine Militärdiktatur.

Sendung: Filter, 24.10.2018 - ab 15.00 Uhr