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Übergriffe auf dem Oktoberfest Was Frauen und Männer gegen sexuelle Gewalt im Bierzelt tun können

Po-Grabschen, Upskirting – bis hin zu Prügel. Auf dem Oktoberfest gibt es nicht nur Spaß, sondern auch ekelhafte Geschichten, die vor allem Frauen erleben. Wie ihr brenzligen Situationen entkommt und was wir alle tun können.

Von: Tobias Krone

Stand: 20.09.2019 | Archiv

Sexuelle Übergriffe auf der Wiesn | Bild: BR

Horror-Erlebnisse auf dem Oktoberfest. Wer in Bayern lebt und sich mal unter Freundinnen und weiblichen Bekannten umhört, bekommt sie zu hören.

"Vor zwei Jahren hat mich ein Typ betrunken am Po begrapscht. Ich habe ihm zuerst – eigentlich nett – gesagt, dass er das lassen soll. Dann hat er es noch mal gemacht und ich habe ihm eine geschmiert. Als ich mich umgedreht habe, hat er mir seinen kompletten Maßkrug über den Kopf gekippt. Ich war von oben bis unten nass. Doch bis ich kapiert hatte, was da passiert war, war er schon abgehauen. Ich habe mich fürchterlich erniedrigt gefühlt..."

(Anonym)

Eine sehr hässliche Geschichte von der Wiesn. Viele der Frauen, die uns ihre Geschichte erzählt haben, wollen lieber anonym bleiben. Eine weitere ist diese hier:

"Ich war mit Freunden auf der Wiesn. Eine Freundin kam später, hat in kurzer Zeit viel getrunken und schwankte schon ziemlich. Wir sind zur Toilette gegangen und mussten an der Schlange vorm Herrenklo vorbei. Da greift plötzlich ein Typ aus der Schlange nach meiner Freundin und zieht sie zu sich mit der den Worten ‚Jetzt gehörst du mir‘. Sie war zu besoffen, um das zu checken. Ich habe ihn auf den Oberarm geschlagen und gesagt, er soll sie sofort loslassen. Der war so perplex, dass er das gemacht. Und wir sind dann schnell aufs Frauenklo gelaufen, der Typ ist uns aber wütend und Prügel androhend hinterhergelaufen. Da haben sich dann aber andere Frauen vor den Eingang gestellt und ihn nicht in die Toilette gelassen. Dann ist er abgezogen."

(Anonym)

Leider ist Sexismus und Gewalt gegen Frauen immer noch ein großes Thema. Allein auf der Wiesn im letzten Jahr gab es 42 Sexualdelikte. Das waren zwar 20 weniger als im Vorjahr, aber immer noch ist die Zahl deutlich und hier geht es nur um die registrierten Fälle. Woran das liegt?

"Auf Volksfesten herrscht oft eine sexualisierte Atmosphäre. Es ist viel Alkohol im Spiel. Es ist eine Großveranstaltung, das ist ja eine Diskussion, die wir zum Beispiel auch bei Festivals immer wieder haben. Viele Menschen auf einem Platz. Auch eine Situation, in der Menschen sich vielleicht nicht so alltäglich verhalten, weil es ihr Urlaub ist und vielleicht andere Hemmschwellen da sind."

Anja Bawidamann von der Aktion Sichere Wiesn für Mädchen und Frauen

So nach dem Motto, hier sind wir ja alle so schön anonym… Und dann fällt, in Kombination mit einigen Maß Bier, die Hemmschwelle.

Was Frauen in diesen Situationen tun können

Wichtig ist, in diesen bedrohlichen Situationen möglichst schnell Hilfe zu organisieren. Also, Leute in der Nähe direkt ansprechen, zum Beispiel so: 'Sie da, mit dem roten Dirndl, helfen Sie mir mal, ich werde hier belästigt.' Auch Sicherheitsleute oder Bedienungen können helfen. Um einfach eine Mehrheit gegen den Täter herzustellen. Anja Bawidamann sagt aber auch, das sei oft gar nicht so einfach.

"Manchmal sind Menschen einfach sehr überrascht über so eine Situation. In vielen Fällen – das wissen wir aus Fallanalysen und Studien – sind die Täter Leute, die die Mädchen und Frauen gut kennen. Und dann ist man so perplex, dass das jetzt ein Freund, ein Kollege, eine Bekannte, wer auch immer ist, dass man sich erstmals gar nicht traut, irgendwas zu tun." Anja Bawidamann

Dann ist die beste Möglichkeit: Sicherheit suchen. Und die finden Frauen auf der Wiesn in den Räumen der Aktion Sichere Wiesn. Da können Frauen und Mädchen sich hinsetzen, zum Beispiel was Trockenes anziehen, erzählen und auch eine Anzeige aufgeben, wenn sie wollen. Das würden sich die professionellen Helferinnen, die sich auch während des gesamten Jahres um Frauen kümmern, dort auch wünschen, weil dann mehr über solche Delikte bekannt wird – und manchmal auch noch ein Täter bestraft werden kann.

Viele müssen sich noch anhören: selber schuld

Das passiert leider noch viel zu selten. Viele der Frauen, die uns ihre Geschichten erzählt haben, haben gesagt: Die Typen waren ja ziemlich schnell weg. Eine Anzeige hätte nichts genutzt. Dabei zeigt sich, wie der Sexismus auch nach den eigentlichen Übergriffen nicht aufhört:

"Was wir auch immer wieder erleben, dass viele Mädchen und Frauen das Gefühl haben, ihnen wird gar nicht geglaubt, weil: Ich habe geflirtet und ich habe getrunken und ich habe mich sexy angezogen. Eigentlich sollte eine Frau oder jeder Mensch nackt und völlig betrunken über einen Platz laufen können, ohne dass ihr was passiert."

Anja Bawidamann

Dazu braucht es natürlich auch das Bewusstsein bei den Männern, sowas erstens natürlich auch im angetrunkenen Zustand nicht zu tun. Und zweitens einzuschreiten, wenn sie es bei Kumpels oder Kollegen sehen. Erst dann ist das Oktoberfest für alle dieselbe Gaudi.

Sendung: PULS am 20.09.2019 – ab 15 Uhr.