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Ruhmeshalle Ride - Nowhere

Der Noise Pop von Ride ist der perfekte Soundtrack für die Flucht aus dem Alltag. Das Debütalbum "Nowhere" erzählt vom Erwachsenwerden und zelebriert die jugendliche Verlorenheit in aller Genüsslichkeit.

Von: Michael Späth

Stand: 07.04.2011 | Archiv

ride, ruhmeshalle, carneval of light, albumcover, nowhere | Bild: Warner

Allein sein, Anschluss suchen in der Großstadt und sich im Nirgendwo befinden: Ein Lebensgefühl, das perfekt zu Ride passt. Ihr Sänger Mark Gardener verkörperte idealtypisch diese Stimmung und zelebrierte sie in allen Schattierungen mit genüsslicher Tristesse. Denn bei Ride geht es um das Wesentliche: das Erwachsenwerden und die Suche nach sich selbst.

Diese Sinnsuche setzen Ride auch musikalisch um. Gardener und Bell begründen mit "Nowhere" Ende der 1980er Jahre das Genre Noise Pop - zusammen mit My Bloody Valentine, The Jesus and Mary Chain und den Stone Roses. Die Bandmitglieder von Ride sind da gerade einmal 20 Jahre alt und lassen aus vielschichtigem Gitarrenlärm mal kristallklare, oft aber nur wunderschön ungeschliffene Popmusik entstehen, die nicht von dieser Welt zu sein scheint. Der perfekte Soundtrack zur Flucht aus dem Alltag.

So heißt es in "Here and Now": "I can dream myself away, lose myself for days." Auf keiner anderen Platte klingt die verlorene Leichtigkeit der Teenagerzeit so tröstend und versöhnlich wie auf "Nowhere".

Die Vergänglichkeit eines Moments stoppen

Ride - Nowhere (Cover)

Mitte der 1990er Jahre läuft im Kino "Totally Fucked Up" von Gregg Araki, ein queerer Experimentalfilm. James Duvall spielt Hauptperson Andy, den verzweifelten Traumtänzer schlechthin. Andy glaubt nicht an die Liebe und verliebt sich dann im Film trotzdem - in den umtriebigen Ian.

Am ersten gemeinsamen Abend sagt Andy seinem Freund schüchtern: "Don't touch me, unless you mean it." Sie liegen auf Andys Bett und im Hintergrund läuft das Lied "Vapour Trail" von Ride. In diesem Moment scheint die Vergänglichkeit für einen Moment gestoppt, doch das Glück der beiden soll nicht lange halten. Der Film endet tragisch: mit dem Suizid von Andy.

Am Ende der Tagträumerei

Ride veröffentlichten nach "Nowhere" noch drei Alben und lösten sich dann auf. Von der schönen Tagträumerei bleibt nur das Cover von "Nowhere". Es ziert eine Fotografie einer riesigen eisblauen Welle auf offener See. Was für eine Naturgewalt, wunderschön – sie scheint keine Grenzen zu kennen. Und auch wenn man die Küste nicht sieht, man spürt: sie ist da, irgendwo in diesem eisigen Blau. Und genau um dieses Gefühl geht es bei Ride.


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