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Ruhmeshalle Leonard Cohen - Songs Of Leonard Cohen

Er ist der Fürst der Melancholie: Leonard Cohen ist der Mystiker, der düstere Todesanbeter unter den Songwritern. Mit gerade mal 33 veröffentlicht er sein erstes Meisterwerk: "Songs Of Leonard Cohen".

Stand: 11.11.2016 | Archiv

Der kanadische Sänger Leonard Cohen, aufgenommen 1976 | Bild: picture-alliance/ dpa

Er spielt Tannenwaldmusik und singt mit einer Nebelschwadenstimme: Wie es sich für einen Mystiker gehört, hatte sich Leonard Cohen auf eine lange, einsame Reise begeben. Er war aufgebrochen auf die griechische Insel Hydra. Hier hat er an seiner Prosa und seinen Gedichten gearbeitet. 1967 kehrte er zurück in seine Heimat Kanada, im Gepäck einen Seesack und düstere Songs. Darunter auch der geheimnisvolle "Master Song".

Ein gefallener Engel

Sein Debüt als Sänger gibt Leonard Cohen auf dem Newport Folk Festival im Sommer 1967. Als dann 1968 sein Album "Songs Of Leonard Cohen" erscheint, ist der Barde schon 33 Jahre alt. Melancholie, Schmerz, Verlust, Angst, Schuld und Einsamkeit sind die Zutaten der Musik des Leonard Cohen. Er singt darüber ohne Scham, ohne Ironie oder falsches Selbstmitleid. Denn Cohen ist kein Tränenbeutel, sondern ein gefallener Engel, der uns mit der sanften Monotonie seiner einfachen Arrangements, dem betörenden Brummen seiner Stimme und seinen Gefährtinnen, den "Sisters Of Mercy", ins Ungewisse lockt.

Leonard Cohen - Songs Of Leonard Cohen (Cover)

Einen Spitznamen hat sich Leonard Cohen über die Jahre redlich verdient: "The Master of Erotic Despair". Mit obsessiver Lust forscht er an unseren Körpern, unseren Geistern und gleitet immer wieder an die unerträglichen Grenzen unserer Existenz. Verzweiflung und Hörigkeit, Raserei und Suizid kleidet keiner in so grauenhaft schöne Worte wie Leonard Cohen. Zwischen den Zeilen seiner Texte singt Cohen von Drogensucht, von Prostitution, vom Wahnsinn geschundener Seelen. Doch seine Lieder können auch als Parabeln, als Gleichnisse und abstrakte Mythen gelesen werden. Cohen selbst gibt sich bei der Interpretation auch bewusst reserviert. Er sagt wenig mehr als Sätze wie: "At times I can taste the sweetness of death." Leonard Cohen schmeckt den Tod, und der Tod schmeckt bittersüß. Seine Songs machen Appetit auf mehr.

Soundtrack zu "McCabe and Mrs Miller"

1971 nimmt Regisseur Robert Altman für den Soundtrack zu seinem Meisterwerk "McCabe and Mrs Miller" nur Lieder von "Songs of Leonard Cohen". Es ist ein deprimierender Film. Ein Film voller Untergang, voller Traurigkeit und Tod. Am Ende stirbt Warren Beatty als McCabe, angeschossen von Kopfgeldjägern im Schneechaos eines dreckigen kleinen Bergdorfes. Zeitgleich versinkt seine Liebe Mrs Miller im Opiumrausch, und ihre Hoffnungen und Träume gleiten einmal mehr zurück in die Nussschale ihres bleichen, schmalen Körpers. Sie weiß: Wir werden alle sterben. Einsam und fremd. Auch Leonard Cohen weiß das. Er hat den Geschmack des Todes auf seiner Zunge und in seiner Musik.


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