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Ruhmeshalle Belle & Sebastian - Tigermilk

Ursprünglich war es nur ein Uniprojekt vom späteren Frontmann Stuart Murdoch. Doch dann avancieren Belle and Sebastian zu einer kleinen Indiesensation. Zurecht. Denn das Debüt begründet den typisch schwerelosen Sound der Schotten.

Von: Felicia Reinstädt

Stand: 09.06.2011 | Archiv

Belle and Sebastian | Bild: Jeepster Records

Es ist mein erstes Semester. Alle stehen auf Rock'n'Roll, Lederjacken und die Strokes. Auch ich habe so einen Typen mit Wuschelhaaren kennengelernt. Mein Herz schlägt Purzelbäume, wenn ich ihn sehe und doch bin ich mir nicht ganz sicher: Is this it?

Eines Nachmittags spielt er mir dann seine Lieblingsband vor. Sie ist ganz anders als der Großmaul-Rock jener Zeit. An diesem Nachmittag höre ich zum ersten mal Belle and Sebastian. Und plötzlich ist klar: Ich bin verliebt. Verliebt in diesen Jungen und verliebt in diese Musik mit ihren leichtfüßigen Melodien, die so vertraut klingen als wären sie schon immer da gewesen.

Gründungsmythen und Covermärchen

Dass "Tigermilk" das streng limitierte und unter Fans heißbegehrte erste Album der Band ist, weiß ich da noch nicht. Auch nicht, dass Sänger Stuart Murdoch die Band ursprünglich nur als Uniprojekt ins Leben gerufen hat. Lange Zeit glaube ich lieber an die Gründungsgeschichte wie sie auf der Rückseite der CD steht. Von einem jungen Gitarristen namens Sebastian und einem Mädchen namens Belle, die sich zufällig an einer Glasgower U-Bahn Station treffen.

Belle & Sebastian. Das ist einfach das schönere Popmärchen.

Fingerschnippen und Trompetensoli, Glockenspiel und Celloklänge, Sixties-Orgeln und Folk-Gitarren. Mit "Tigermilk" tanzen Belle & Sebastian auf der Klaviatur der Klangwelt. Ihre Songs schleichen sich an: unauffällig und aufgeregt. Sie sind hoffnungsvoll-sehnsüchtig, nostalgisch-verklärend, jugendlich-naiv und balancieren mit einer unglaublichen Leichtigkeit zwischen den Extremen.

Pop in perfekten Maßen

Feine Melancholie statt tiefe Depression, subtiler Witz statt theatralische Gefühlsausbrüche – Belle and Sebastian halten nichts von der großen Geste, sie halten Maß. Und wahrscheinlich ist genau das das Geheimnis zeitlos schöner Popmusik. Bis heute finde ich es jedenfalls faszinierend, wie eine so unscheinbare Band eine so treue Anhängerschaft um sich scharen kann.

Nach dem Jungen aus dem ersten Semester habe ich noch einige andere Belle-and-Sebastian-Boys getroffen. Sie alle waren ein bisschen wie die Musik der Band: Schüchtern, sensibel und etwas verloren in der Welt. Keiner von ihnen ist lange geblieben. Belle and Sebastian dagegen schon. Und diese Beziehung wird halten. Da bin mir sicher.


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