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Ruhmeshalle Console - Rocket In The Pocket

Wenn es in Deutschland einen verrückten Professor der Popmusik gibt, dann ist es Martin Gretschmann. Mit dem Console-Album "Rocket In The Pocket" ist er 1998 zum Spiritus Electronicus eines neuen Genres aufgestiegen: Indietronic.

Von: Florian Kreier

Stand: 26.11.2013 | Archiv

Console | Bild: Gerald von Foris

Eines Tages klingelt im oberbayerischen Weilheim das Telefon. Am Apparat ist eine der bedeutendsten Musikerinnen unserer Zeit - sie will mit einem Martin Gretschmann sprechen... aber eins nach dem anderen.

Es war einmal ein Ort, an dem alle musikalischen Ideen lagen und darauf warteten, dass sie irgendjemandem einfallen. Zwischen Geigen und Samplern stand da lange Zeit ein kleiner Apparat, der nicht so recht wusste, was er unter all den Musikinstrumenten sollte. Bis dieser Martin Gretschmann aus Weilheim kam. Da wusste das Modem plötzlich, was seine wahre Bestimmung ist: das Singen.

Die Leiden des Laptop

Martin Gretschmann wirkt ein bisschen wie ein verrückter Professor und ist der Kopf der Band Console. Außerdem kennt man ihn als den elektronischen Mastermind der Über-Band The Notwist. Er ist dafür bekannt, in seiner Musik seltsame Wege zu gehen. Mit "Rocket In The Pocket" schafft er 1998 eine Platte, die ihn zum Vordenker in der elektronischen Musik macht. Er schraubt leidenschaftlich gern an Synthesizern und Drum-Computern - aber auch elektrotechnische Basteleien spielen in seiner Musik eine Rolle. Ein Computer-Modem als Instrument einsetzen: für die meisten ziemlich crazy, für Gretschmann: ziemlich normal.

"14, Zero, Zero" ist der Hit auf "Rocket In The Pocket". Darin besingt ein Apple-Macbook seinen tristen Alltag. Das Lied entwickelt sich 1999 zu einem Underground-Hit und wird unter anderem vom Musikmagazin Spex zum Song des Jahres gewählt. Das liegt vor allem an der feinfühligen Produktionsweise von Console, die den krachigen Clubelektro weiträumig umschifft, aber auch nicht im Brackwasser von TripHop herumdümpelt. Im Prinzip liefert er die etwas nerdigere Blaupause für das ab, was Anfang des neuen Jahrtausends unter dem zweifelhaften Namen Indietronic die Welt erobert.

Auf "Rocket In The Pocket" zaubert Console also ein neues Genre aus dem Hut: Anti-Elektro. Er bedient sich des Klangkosmos und der Kompositionsart von elektronischer Musik, bringt aber zwei neue Facetten ins Spiel: melancholische Melodien und Humor. Nicht nur beim Albumtitel "Rocket In The Pocket" muss man schmunzeln, auch Tracks wie "Delay Dackel" und "Walk Like A Worm" amüsieren auf ihre eigene schräge Art und Weise.

Und dann war da noch die bedeutendste Musikerin unserer Zeit

Aber klar: Die Story des Albums ist natürlich, dass Martin Gretschmann irgendwann diesen sensationellen Anruf aus Island bekommt. Am Telefon ist Björk und sagt: "Hi Martin, ich mag deine Musik und würde gerne deinen Track 'Crabcraft' auf mein neues Album nehmen." Und warum sollte man da ablehnen? Vor allem wenn man wie Console einen guten Draht in den musikalischen Ideenhimmel hat. Dass da noch ganz andere Ideen rumliegen, wissen wir, seit Gretschmann später bei The Notwist die Synthesizer mit einem Wii–Controller spielte. Aber diese Geschichte steht in einem anderen Buch.


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Kommentare

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nadin, Montag, 02.Dezember, 16:14 Uhr

2. msk

so ein gutes album!!! mehrmerhmehr

witti, Donnerstag, 28.November, 23:54 Uhr

1. yeah

geile platte und geiler text!