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Vorgestellt // Console Beats aus Bits und Bytes

Console funktioniert am besten im Kollektiv. Die Band um Mastermind und Soundtüftler Martin Gretschmann rockt ganz selbstverständlich elektronisch.

Stand: 01.10.2009 | Archiv

Console: von links: Miriam Osterrieder, Martin Gretschmann. | Bild: Disko B/Ayun, photoayun.blogspot.com

Spätestens seit seinem Hit "14 Zero Zero" hat er einen festen Platz auf der musikalischen Landkarte Bayerns. Der Soundbastler Martin "Acid Pauli" Gretschmann, der auch bei The Notwist und der Allstar-Band 13 & God für Loops und Clicks verantwortlich ist, kann ganz gut mit seinem Laptop. Als Acid Pauli legt er allein mit kindlich schöner Verspieltheit wahnsinns DJ-Sets auf die Teller, zum Beispiel in der legendären Bar 25 in Berlin. Für Console werden aus Bits und Bytes dann Beats und mit Hilfe der Console-Band werden die dann für Live-Auftritte gepimpt. Und nicht nur musikalisch: Live ist Console immer auch ein Augenschmaus.

So nahm die Console-Band das Shining-Festival am Chiemsee wortwörtlich: Sie strahlte. Der Grund: T-Shirts mit eingebauten Leuchtdioden, die während des gesamten Auftritts gefunkelt haben. Der Song "Dirt On The Wire" funktioniert live ganz anders als auf Platte. Sängerin Miriam verzierte ihre sonst so warme Stimme und schaltet den kühlen Vocoder-Effekt ein. Ein bisschen Computer-Charme muss eben sein. Auch für die Tour zum siebten Album "Mono" (2006) blinkten die T-Shirts. Im Unterschied zum gewohnten Elektro-Rock, präsentierten Console aber ein ruhiges Album, das sich zwar am Ambient-Sound anlehnt, die Klischees dabei aber ignoriert und mit einer eigenen Handschrift das Genre erweitert.

"Beste Filmmusik" beim Deutschen Filmpreis 2010

In der Zwischenzeit hat sich Martin Gretschmann wieder der Knöpfen- und Sounddreherei verschrieben. Zusammen mit The Notwist hat er an "Sturm" gearbeitet, dem Soundtrack zu Hans-Christian Schmidts gleichnamigen Film, und dürfte dafür auch gleich die Plakette "Beste Filmmusik" des Deutschen Filmpreis 2010 mit nach Hause nehmen. Die artsy Musikgemeinde ist bestimmt schon mal in das ein oder andere Hörspiel gestolpert, das zusammen mit Andreas Ammer entstanden ist. Da treffen Hypster-Faktor auf Nerdcharme und intelligente Umsetzung.

Wenn aus Straßennahmen Titel werden

Nach einer liebevollen Hörspiel-Hommage an den Soundtrackschreiber der Vögel, Oskar Sala, ist ein Plätzchen frei geworden, in der bunten Welt des Martin Gretschmann. Das Resultat ist die neue Console-Platte "Herself", die nochmal mehr als ihr Vorgänger mit dem Genre Ambient spielt und an den Grenzen zwischen Techno, Ambient und New Wave umhertänzelt. Auch die Songtitel folgen keinem strengem Konzept, sondern der spielerischem Freude am Konzept an sich. Nach dem Stabreim, spanischen Straßennamen und Filmtiteln wurde es Zeit, aus den Songtiteln einen Satz zu bilden, erzählt Martin Gretschmann lachend. Bei "Herself" sind es zwei Säzte geworden: She Saw | A Homeless Ghost | Walking The Equator | Cutting Time. | Bit For Bit | Dropped Down | Upon | Her Eyes | Leaving A Century | Of Time | For Herself.

Console beim on3-Festival 2010

Das Album erscheint im November und pünktlich zum Release haben wir Console einen Ehrenplatz beim on3-Festival eingeräumt. Die geheimen Proberäume des Orchesters des Bayerischen Rundfunks werden verwandelt in ein schillerndes visuelles Experiment. Ein schöner Platz für die Console-Band und ihre minimalistische Umsetzung der neuen Platte, die das Konzept Bass, Schlagzeug, Gitarre diesesmal über den Haufen wirft. Martin Gretschmann hat schon eine konkrete Idee. Stellt Euch vor: "Vier Menschen sitzen um einen Tisch, auf dem Tisch viel technisches Gerät. Keine Ahnung, was die da machen, aber irgendwie kommt dabei Musik raus." Zauberhaft, spannend und tanzbar zugleich.


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