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Vorgestellt // Captain Capa Die Emo-Elektro-Trommelfellmassage

Zwei Thüringer erobern die Popwelt: Captain Capa spielen sich zwölf Wochen durch die Startrampe und hinterlassen verschwitzte Shirts, gebrochene Herzen und Hitgarantie auf elektronisch.

Stand: 20.12.2012 | Archiv

So ein 9.000 Einwohner-Kaff im Kyffhäuser Wald in Thüringen stellt sich der gemeine deutsche Jugendliche unendlich öde vor. Da hilft es auch nicht, dass Bad Frankenhausen immerhin den zweitschiefsten Kirchturm Deutschlands zu bieten hat. Bei den beiden Captain Capa-Jungs Hannes Naumann aka Ashi (Gesang, Synthie & Programming) und Maik Biermann (Gitarre & Synthie) hat der Ort bisher trotzdem noch keine schwerwiegenden Landfluchtreflexe ausgelöst.

Ganz im Gegenteil. Maik ist sogar freiwillig in ein noch kleineres Dorf gezogen. Hannes wohnt immer noch in seinem Elternhaus, einer Art Villa Kunterbunt, in dem ein so kreativer Geist weht, dass Captain Capa hier immerhin schon eine EP und ein komplettes Album aufgenommen haben.

Zwischen Super-Nintendo und The Cure

Die Jungs sind schon seit der fünften Klasse beste Kumpels und werden damals musikalisch unter anderem durch die The Cure-Platten von Hannes' Mutter und die Soundtracks von Super Nintendo-Spielen und Animes sozialisiert. Kaum sind sie in der Pubertät, bricht um die Jahrtausendwende auch schon die Emocore-Ära an. Die Zeit, als - und da kommt bei den Jungs tatsächlich ein bisschen Nostalgie hoch - "Emo noch kein Kostümtrend war und die Scheitel noch ohne Haarspray hielten." Klar, dass Hannes und Maik damals auch in richtigen Gitarrenbands spielen.

Der Rave übernimmt das Ruder

Der Begriff "Emo" mutiert in den Folgejahren selbst unter Bravo-Lesern zur schlimmstmöglichen Beleidigung. Da möchte man ja lieber "Opfer" genannt werden. Die Kids wollen raven, ohne dass ihnen ständig die Kajalschminke die Backen runterrinnt. Hannes und Maik kaufen sich also 2007 Synthesizer und Sequencer und gründen das Elektro-Projekt Captain Capa. Dass die beiden immer noch sehr von Emo inspiriert sind, lässt sich vor allem aus ihren hymnischen Gesangsharmonien heraushören, die ihre Musik fast schon US-College-Movie-Soundtrack-kompatibel machen. Auch die Themen ihrer Texte (Liebe, Eifersucht, Lug & Trug) sind natürlich absolut emo-verdächtig. Dass die Jungs im Sommer 2012 im Rahmen der Vans Warped Tour durch Amerika touren dürfen, ist in diesem Kontext absolut plausibel.

Doch zurück zur Bandhistorie: Recht bald nach dem Equipment-Kauf schustern Hannes und Maik ihre erste EP (2007) zusammen. In Hamburg nehmen sie dann zusammen mit Bratze-Mann Norman Kolodziej das erste Album "Tonight Is The Constant" (2009) auf, das dieser dann freudig bei seinem Klein-Indielabel Cobretti veröffentlicht.

Im Crap-Mobil durch die Republik

Über ihren Produzenten und eine gemeinsame Split-EP (2010) mit der Berliner Alko-Pop-Band Supershirt landen Captain Capa schließlich beim Hamburger Groß-Indielabel Audiolith, bei dem ihr zweites Album "Saved My Life" (2011) erscheint (aufgenommen im Homestudio mit Norman Kolodziej).

Ihr "Crap-Mobil" bringt Hannes und Maik in die entlegensten Clubs der Republik. Weil sie weder beim Livespielen noch beim Songschreiben (Autotune! Metal-Gitarren!) vor dem Dickauftragen Angst haben (Autotune!), heimsen sie 2011 schließlich den New Music Award, den Newcomerpreis der ARD-Jugendwellen, ein.

Weitere Träume, die wahr werden könnten? In Japan einen Nummer-Eins-Hit zu landen, wäre ein Ziel. Und ein gemeinsamer Song mit dem untergegangenen russischen Mädchen-Duo t.A.T.u.. Dann hätten Captain Capa auch deren Leben gerettet.


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