Jetzt Pilot With A Fear Of Heights Felicity

Info Felicity ist in Australien geboren, aufgewachsen in Südafrika und lebt heute in New York. Kein Wunder, dass ihre Musik nach ganz großer internationaler Popmusik klingt und an Popgiganten wie Florence + The Machine erinnert!

Bilderbuch, RIN, Trettmann und Co. Unsere 20 Lieblingssongs des Jahres 2017

Das Jahr neigt sich dem Ende zu und wir ziehen die musikalische Bilanz: Wir haben für euch die 20 besten Songs des Jahres. Hier ist unsere Hitparade.

Stand: 19.12.2017 | Archiv

PULS Top 20 2017 | Bild: BR

Geplante Hypes, überraschende Comebacks, gefeierte Newcomer und vor allem: jede Menge neue, verdammt gute Musik. Das Jahr hatte es in sich. Unsere Top 20 von 2017:

20. Tash Sultana - Jungle

Mit schwarzen XL-Klamotten, der E-Gitarre umgeschnallt und einer Loopstation auf dem Boden steht Tash Sultana, ihres Zeichens professionelle Straßenmusikerin, irgendwo in Melbourne vor einem Mikrofonständer. Die 21-Jährige beherrscht ihre Instrumente, jeder Part sitzt - trotzdem sieht alles locker und improvisiert aus. Mitte letzten Jahres hat sie uns bereits mit ihrer 8-minütigen Wohnzimmer-Version von "Jungle" begeistert, mittlerweile spielt die Australierin in ihrer Heimat ausverkaufte Konzerte. Höchste Zeit also, der One-Woman-Band etwas mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Denn Tash Sultana schafft es tatsächlich, die Live-Energie einer Street Performance in einen Studio-Track zu packen. Ihrer Single "Jungle" fehlt es auch in der kürzeren Version an nichts: unverblümte Gitarrensoli, die eindringliche Stimme und ein bisschen Jam-Feeling sind das Markenzeichen der 21-Jährigen geworden.

19. Superorganism - Something For Your M.I.N.D.

Ein Superorganismus besteht aus mehreren Organismen, die sich zusammentun. Also zum Beispiel ein Ameisenhaufen. Und die Band Superorganism hat tatsächlich leichte Ähnlichkeit mit einem Ameisenstaat. Angeführt wird die derzeit achtköpfige Kombo mit Mitgliedern aus Maine, London und Sydney von der 17-jährigen Orono aus Tokyo. Sie arbeiten als Kollektiv, jeder hat seine Aufgabe und übers Internet wird alles ausgetauscht und zusammengetragen. Das erste Ergebnis dieser Zusammenarbeit ist der Song "Something For Your M.I.N.D.", der mit seinen diversen außergewöhnlichen Elementen - Windspiel, Essgeräusche und japanisches Gebrabbel im Hintergrund - herrlich schräg klingt. Dazu singt Orono lässig Songzeilen wie "I know you think Im a Soziopath. My lovely prey, I'm a cliche". Und dann sind da noch diese Mini-Aussetzer im Refrain, die dem Ganzen eine unschlagbare Dynamik geben. Ein absolut süchtig machendes Erstlingswerk.

18. Yungblud – I Love You, Will You Marry Me

"I Love You, Will You Marry Me" – hinter diesem Titel vermutet man erstmal ein schmalziges Liebeslied. Aber falsch gedacht. Yungblud ist nicht der Typ für Schnulzen oder romantische Komödien mit Hugh Grant, sondern eher der Kerl, der nachts mit einem schwarzen Hoodie und roter Sprühdose bewaffnet die Straßen verschönert. Schon auf seinem Debüt-Track "King Charles" hagelte es Systemkritik. Was den 19-Jährigen so faszinierend macht? Seine punkige Attitüde, die er mit Hilfe scharfkantiger Gitarrenriffs á la Arctic Monkeys und seiner ganz eigenen Art zu "sprechsingen" vertont. Ganz nebenbei fabriziert der Engländer damit einen extrem catchy Song, der Spaß macht und ein bisschen an Jamie T erinnert. An sich selbst hat der Newcomer den Anspruch, mit seiner Musik etwas zu verändern. Klingt zwar etwas nach jugendlichem Idealismus, aber wer mit gerade mal zwei Songs schon so viel Staub aufwirbelt, der ist vielleicht auch noch zu ganz anderen Sachen fähig.

17. MGMT – Little Dark Age

OMG, MGMT! Sie sind zurück: DIE Nu-Rave-Band aus New York hat nach vier Jahren Pause und wiederholter Ankündigungen eines Comebacks endlich Wort gehalten und neues Material rausgehauen. Auf ihrer aktuellen Single "Little Dark Age“ zeigen MGMT einmal mehr, was sie berühmt gemacht hat: Ein Sound, der alt und gleichzeitig sehr frisch klingt. Allerdings hat die Band um das Gründer-Duo Ben Goldwasser und Andrew VanWyngarden für die neue Single ein paar einschneidende Änderungen vorgenommen: Vorbei sind die Zeiten, in denen sie mit Neon-Klamotten und exzentrischem Körperschmuck zu psychedelischen Hits wie "Time To Pretend“ durch den Raum schwebten. Immer noch deutlich retro-orientiert erinnert der neue Look der Band eher an The Cure. Das harmoniert ideal mit dem entschleunigten Song "Little Dark Age“, der etwas sehr Düsteres vermittelt und den Fokus klar auf die einzelnen, spannenden Instrumentalparts legt.

16. Portugal. The Man – Feel It Still

Ja, die Band aus Alaska ist 2017 etwas zugänglicher geworden. Ja, sie hat "Feel It Still" für eine gigantische Tablet-Kampagne verkauft. Und ja, der Song hat 55 Millionen YouTube-Views mehr als die zeitgleich veröffentlichte David-Guetta-Single "Light My Body Up". Dass sich die charmante Indieband zu einem globalen Pop-Act entwickelt hat, ohne uns das Herz zu brechen – „Feel It Still“ ist schließlich immer noch ein unwiderstehlich großartiger Glückskeks –, ist wohl der genialste Move, den eine „glaubwürdige“ Band in den letzten Jahren zustande gebracht hat. Wenn so der „Ausverkauf!“ klingt, dann freuen wir uns schon auf mehr!

15. St. Vincent – New York

Gefühlt gibt es keine Stadt, die öfter besungen wird als New York. Multi-Instrumentalistin St. Vincent reiht sich mit ihrem ersten Track nach zwei Jahren Pause in diese Riege ein. Allerdings ist "New York" nicht direkt ein Loblied auf die Metropole. Vielmehr geht es um eine Trennung und die Erkenntnis, dass dieses Gequatsche von anderen Müttern und ihren Söhnen Schwachsinn ist. Oder um es in den Worten der Sängerin St. Vincent zu sagen: "You’re the only motherfucker in the city who can handle me". Auf "New York" tauscht die 34-Jährige die kantigen Gitarrenriffs von ihrem letzten Album "St.Vincent" gegen ein gedämpftes Piano. Ein radikaler Wechsel, denn die Gitarre war bisher der ständige Begleiter der Texanerin – sie hat sogar ihre eigene Linie designt. Mit "New York" liefert St. Vincent also nicht nur eine fesselnde Ballade, sondern bricht auch etwas ihr Image als unverwundbare Kämpferin auf.

14. Future Islands - Ran

Die Begründung, warum es gerade dieser Song in unsere Top 20 geschafft hat, ist schnell abgehandelt: Die Future Islands schreiben seit nun mehr 10 Jahren immer denselben Song, aber der ist halt einfach brillant. Die Stimme von Samuel T. Herring und diese schwerelosen Shoegaze-Synthies erkennt man nach zwei Takten, nach weiteren zwei Takten ist man in seine Schwere und Melancholie verliebt. Immer wieder.

13. Charlotte Gainsbourg – Deadly Valentine

Liegt wohl in der Familie: Einer der faszinierendsten Elektropop-Songs des Jahres kommt von der Tochter von Serge Gainsbourg und Jane Birkin. In „Deadly Valentine“ – produziert von dem French-House-Star-DJ SebastiAn - wiegt uns Charlotte Gainsbourg mit warmen Synthieflächen und pluckernden Beats in Sicherheit, doch textlich tun sich Abgründe auf: Warum wiederholt sie mantrahaft Sätze aus dem kirchlichen Eheversprechen? Und warum betont sie die Worte so sonderbar, dass man eher an einen Exorzismus denken muss?

12. Haiyti - Plus One

Neben "Plus One" ist "Despacito" ein schlechter Witz. Unsere Nummer 1 von Haiyti ist der catchy Lovesong, den 2017 braucht und verdient. Auf einem slicken Piano-House-Beat säuselt und kreischt Haiyti eine High-Life-Story über ihr Lieblingspartymitbringsel: ihr +1 auf der Gästeliste. Das Video legt nahe, dass ihr Dreamboy aber auch eventuell ein Hündchen sein könnte. Aber ob der die 100 Longdrinks mit ihr kippt, die sie da besingt? Um das Veterinäramt zu beruhigen: Wahrscheinlich nicht. Kurz um: Ein spitzen Track, der Cloud-Rap für Pop öffnet. Mehr davon wird ihr nächstes Album 2018 bringen.

11. The War On Drugs – Holding On

Keine Macht den Drogen: Die amerikanische Indie-Rockband The War on Drugs heißt wie eine Anti-Drogen-Kampagne der US-Regierung von 1972 und schreibt Musik, die dennoch im besten Sinne als bewusstseinserweiternd gelten könnte. Beweisstück A: ihr Song "Holding On". Die erste Single des neuen Albums "A Deeper Understanding" setzt auf den typischen Sound der Band: flirrende Shoegaze-Synthies, dauer-schrubbende verhallte Gitarrenwände und die verhuschte Stimme Adam Granduciels. Die ständig wechselnde Besetzung der Kritikerlieblinge scheint sich nun endgültig gefunden zu haben. Hoffen wir, dass sie uns in dieser Konstellation noch oft beglücken.

10. Yung Hurn – Diamant (Love Hotel Band)

Man kann nicht sagen, dass Lars Eidinger als Schauspieler nicht schon einiges erreicht hätte. In diversen Tatort-Folgen durfte er Sadisten, Psychopathen und Stalker verkörpern. Auf der Berliner Schaubühne hat er Richard den III. zum Besten gegeben. Und den Unteroffizier aus Büchners Woyzeck. Und einen umjubelten Hamlet. Doch all das verblasst vor seiner neuesten Rolle: Keytar-Spieler in Yung Hurns Love Hotel Band.

In einem Fernsehstudio direkt aus der Hölle der Frühachtziger greift Lars Eidinger zum Song "Diamant" in die Tasten. Und weint glitzernde Tränen. Während Yung Hurn im feinsten Kokain-Strizi-Zwirn Zeilen zum Besten gibt wie "Baby, ich bin verliebt in deinen Popo". Großes Kino.

9. Lilly Among Clouds - Your Hands Are Like Home

Letztes Jahr war sie noch eine eher unbekannte aber vielversprechende Newcomerin. Und jetzt? Lilly Among Clouds hat in kürzester Zeit zwei entscheidende Etappenziele ihrer Karriere erreicht. Erstens: einen fetten Plattenvertrag einsacken. Und zweitens: internationale Konzerte spielen. Mit ihrer ersten EP "Blood & History" hat die Würzburgerin gezeigt, dass sie eine Meisterin auf dem Gebiet "gefühlvoller Pop" ist. Und ihre neue Single "Your Hands Are Like Home" ist da keine Ausnahme: Sehr zurückhaltend und größtenteils reduziert auf das ideale Zusammenspiel von Klavier und Lillys eindringlicher Stimme, gräbt sich die Ballade tief in den Gehörgang.

8. Lorde – Perfect Places

Wenn alle Popstars der Welt in einem Abi-Leistungskurs versammelt wären, wäre Lorde das Mädchen mit der Brille, das schnipsend darum bettelt, die Fragen des Lehrers zu beantworten. Sie wird mit 11 Jahren von Universal entdeckt, steht mit 17 an der Spitze der amerikanischen Billboard-Charts, gewinnt mit 18 zwei Grammys und macht jetzt – mit 20 – mit ihrem neuen Album „Melodrama“ wieder alles richtig. Streber! So ist auch ihre Single „Perfect Places“ ein wahnsinnig cleverer Popsong, der den Grad zwischen Kitsch und Innovation trifft. Ein bisschen altklug, aber poetisch ihren Altersgenossen um Jahre voraus, würde man im Sport wohl von einem Wunderkind sprechen. Ach Lorde, mach doch mal einen Fehler, sei ein Mensch! Neid! Neid! Neid!

7. Trettmann – Grauer Beton

Wer das Kollektiv KitschKrieg kennt, der weiß: die Berliner – allen voran Fotografin und Regisseurin °awodat° – haben eine Vorliebe für Schwarz-Weiß-Filter und eine ganz besondere Bildsprache. Da ist es nur konsequent, dass das Video von Protegé Trettmann zur aktuellen Single auch zum Großteil in Graustufen getaucht ist. Passt ja auch ideal zum Titel "Grauer Beton“. Damit aber die, die ihn noch nicht kennen, sich ein Bild machen können, wer dieser Trettmann ist, erzählt der Leipziger auf "Grauer Beton“ von seiner Jugend in beziehungsweise nach der DDR. Und dabei braucht der Rapper kein affektiertes Ghetto-Gehabe, um eine heftige Stimmung zu erzeugen, denn die Realität war auch so trist genug. Auf seiner letzten Single "Knöcheltief“ hat Trettmann noch zusammen mit Gzuz gefeiert, wie geil es bei ihnen mittlerweile läuft. Und nach diesem Einblick in die Vergangenheit gönnt man ihm echt jeden Schein, den er macht.

6.  Alt-J – 3WW

Die Entwicklung von alt-j aus Leeds ist eigentlich nicht zu fassen: Vor knapp 5 Jahren waren sie noch eine zauselige Kunststudentenband, die mit ihren schrägen und komplexen Lo-Fi-Bedroom-Recordings im Underground für Hör-Orgasmen gesorgt haben – heute spielen sie vor zigtausenden Besuchern, zum Beispiel im Januar in der Münchner Olympiahalle. Ob sie dafür ihren Sound ändern mussten? Mussten sie nicht – experimenteller Folk bewegt 2017 anscheinend die Massen.

5. Mine & Fatoni - Romcom

Die heilenden Kräfte einer Romcom: In der zweiten Single des neuen Dream-Teams geht es um die alltäglichen Streitigkeiten einer in die Jahre gekommenen Beziehung. Zu gefühligen Akustikgitarren-Samples und HipHop-Beats beschreiben Fatoni und Mine im ehelichen Zwiegespräch Situationen, die jede Partnerschaft kennt und die schon so manche Liebe an den Abgrund geführt haben: Einer hat das Salz vergessen, der Andere flippt aus und das Chaos bricht los. Am Ende kann dann nur eine Romantic Comedy, das Parade-Genre Til Schweigers, helfen und von den Problemen der Liebenden ablenken. Kluger Text, charmante Instrumentierung: Wenn das Album "Alle Liebe nachträglich" da mithalten kann, darf man Großes erwarten.

4. RIN – Monica Bellucci

Rin ist einer der Köpfe eines Hip-Hop-Genres, das in den USA entstanden ist und dass das Berliner Künstlerkollektiv "Live From Earth" seit 2015 geschickt in Deutschland adaptiert: Cloud-Rap. Die sich betäubt wie in Zeitlupe voranschleppenden Beats und Marimba-Sounds der Auto-Tune-Klagelieder von US-Schmerzensmännern wie Drake, Yung Lean oder ASAP Rocky sind dabei die künstlerische Matrix. Auf "Eros", das vor wenigen Wochen auf Platz drei der deutschen Album-Charts eingestiegen ist, inszeniert sich Rin als ein an der großen Leere der Großstadt leidender Gigolo.

3. Casper feat. Drangsal – Keine Angst

Casper und Drangsal – diese Liaison ist gar nicht so frisch, wie es auf den ersten Blick scheint. Max Gruber a.k.a. Drangsal, der sich seit dem überschäumenden Hype um sein Debütalbum "Harieschaim" gerne als das Enfant terrible des deutschen Indies inszeniert, war bereits bei der letzten Tour des Rappers als Support dabei. Für diesen Herbst hat Casper sein neues Album "Lang lebe der Tod" angekündigt. Ja, diesmal kommt es wirklich. Als Beweis dafür gibt es nach dem düsteren Track "Sirenen" jetzt die nächste Single-Auskopplung "Keine Angst". Eine Symbiose der besonderen Art: Caspers unverwechselbarer, pulsierender Rap und der nebulös-hallende Refrain in bester New-Wave-Manier fügen sich perfekt zusammen. "Würd‘ lieber sterben als nach Hause gehen. Einfach loslassen im freien Flug", knüpft Casper an den Refrain an und unterstreicht damit die Mischung aus Endzeit- und Aufbruchsstimmung.

2. Everything Everything – Can’t do

Everything Everything aus England haben sich schon vor 10 Jahren gegründet (unbedingt mal die alten Sachen anhören!). Warum sie nicht schon viel früher auch bei uns in Deutschland eine etablierte Indieband waren – ein Rätsel. Sei's drum: Ihr neues Album "A Fever Dream" sorgt mittlerweile auch hier für ausverkaufte Hallen und Ihre Mischung aus arty Indiepop und tanzbarer Fröhlichkeit hat sie 2017 zu Dauergästen in der PULS Hitparade gemacht.

1. Bilderbuch - Bungalow

Wer Bilderbuch einmal live erlebt hat, wird das Gefühl nicht mehr los, dass die vier Herren aus Österreich irgendwie über den Dingen stehen. Die Grenze zwischen Ironie und Arroganz scheint fließend. Und weil Maurice Ernst und seine Band gerne Grenzen austesten, weiß man nie, was man von einem neuen Track zu erwarten hat - "Bungalow" ist da wieder das beste Beispiel. Textlich zelebriert Maurice seine typische Mir-egal-Haltung: "Es tut mir leid, wenn ich das alles nicht versteh'. Es tut dir leid, wenn ich nach Hause geh'." Musikalisch klingt "Bungalow" dank Orgel und Effektgeräten außergewöhnlich funky. Anders als vorherige Songs, aber trotzdem ganz klar nach Bilderbuch. Diese Mischung aus Wiedererkennungswert und Innovation ist das, was die Band ausmacht. Was "Maschin" auf dem umjubelten Album "Schick Schock" aus dem Jahr 2015 war, das könnte "Bungalow" auf der im Februar erscheinenden LP "Magic Life" werden.