Eurosonic Festival 2019 Diese fünf Neuentdeckungen solltet ihr euch anhören

Das Eurosonic Festival in Groningen ist eines der größten Showcase Festivals der Welt. Knapp 350 Newcomer aus ganz Europa präsentieren drei Tage lang, was sie drauf haben. Fünf Bands sind uns besonders in Erinnerung geblieben.

Von: Jonas Hahn

Stand: 21.01.2019 | Archiv

REYKJAVÍKURDÆTUR (IS)

Reykja…wie? "Die Töchter von Reykjavik" heißt diese Band ins Deutsche übersetzt. Sie besteht aus bis zu elf Frauen, die auf charmante Weise und mit Vollgas isländischen Gangster-Rap machen. In ihrer Musik geht es dabei aber nicht nur darum, wie krass sie sind ("I work so much, I only travel by plane"). Sie prangern auch sexuelle Gewalt und Diskriminierung an. Sollte sich die Gelegenheit ergeben, darf man einen der seltenen Auftritte in voller Besetzung auf keinen Fall verpassen. 

BISHOP BRIGGS (GB)

Bishop Briggs ist für viele die Stimme des Eurosonic Festivals 2019 geworden. Es ist sehr beeindruckend, wie vielfältig dieses Energiebündel sie einsetzen kann. Zwischen ihrem zartem INXS-Cover "Never Tear Us Apart" und dem kraftvollem "White Flag" liegen gefühlt nur Sekunden. Die Freude, die sie auf der Bühne hat, überträgt sich schnell aufs Publikum, das sie sicher auch wegen ihrer sympathischen Art begeistert. Mit ihrem Debütalbum "Church of Scars" zeigt sie auch, dass sie nicht nur ein One-Hit-Wonder ist. Ihr Song "River" hat bis heute schon über 200 Millionen Streams.

IVAN DORN (UA)

Wenn es eine Person gibt, die zugleich Westbam und Afrika Bambaataa verkörpern kann, dann ist das Ivan Dorn. Ivan ist in Russland geboren und in der Ukraine aufgewachsen und war dort ein eher mainstreamiger Popsänger. Im Alter von 29 Jahren hat er sich dann getraut, die post-sowjetische Popszene aufzumischen und mit Synthies, Weltmusik und EDM zu experimentieren. Was dabei rauskommt? Booty-Bass zum Milchshakes machen!

KIDDY SMILE (FR)

Allein schon aus visuellen Gründen war der Auftritt von Kiddy Smile eines der Highlights des Eurosonic Festivals: Ein drei auf fünf Meter großer aufgeblasener, knallroter Mund mit Zähnen bietet Platz für die beiden DJs, davor Showmaster Pierre alias Kiddy Smile und seine Tänzerinnen und Tänzer, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Aussehen, Kleidung und Tanzstil sind komplett gegensätzlich. Nach wenigen Sekunden tanzt der Saal zum dancigen Detroit-House von Kiddy Smile, der in Paris auch für seinen LGBTQ-Aktivismus bekannt ist. GlamRock-House mit viel Glitzer und Bass!

ΣTELLA (GR)

Stella Chronopoulou kommt aus Athen und erzählt in ihrer Selbstbeschreibung erst einmal, dass sie von einem kanadischen Kindermädchen erzogen wurde, das gern oben ohne Wasserski gefahren ist. Mittlerweile ist sie mit ihrer Band eine Indie-Größe in Griechenland. Ihre Musik ist tanzbar, nimmt einen aber zugleich auch auf angenehme Weise in den Arm. Stellas Stimme bleibt im Vordergrund und bei geschlossenen Augen fühlt man sich irgendwie, als säße man tief eingesunken in einem Sessel einer schummrigen Bar.

Sendung: Plattenbau, 17.01.2019 - ab 19.00 Uhr