Bayern 2 - Zündfunk


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Die Alben des Jahres 80 gute Gründe für 2014

Klare Favoriten und große Enttäuschungen - das ist die Quintessenz des Popjahrs 2014. Die besten Alben des Jahres, ausgewählt von Zündfunk und Nachtmix. Und glaubt uns: Auch die 80. Platte hat ihre Berechtigung in dieser Liste!

Stand: 19.12.2014 | Archiv

Zündfunk-Charts | Bild: picture-alliance/dpa

Ein Jahr der klaren Favoriten - und der großen Enttäuschungen: die ALBEN DES JAHRES 2014 von ZÜNDFUNK und NACHTMIX

Platz 1.

THE NOTWIST - Close To The Glass

THE NOTWIST - Close To The Glass

Ja, sie stehen schon wieder ganz oben, sie sind sozusagen Zündfunk-Seriensieger. Nachdem unsere Redaktion schon "Neon Golden" zum Album der Nuller Jahre gewählt hat, steht nun "Close To The Glass" wieder an der Spitze unserer Charts 2014. Vielleicht, weil diese Band das Schwere auf so wunderbare Weise leicht klingen lässt. Vielleicht, weil die Band immer Haltung hat und nie Kompromisse zu machen scheint. Vielleicht, weil diese Band für so vieles steht, was auch dem Zündfunk nicht fremd ist: die Liebe zu Elektronik, Hardcore und Jazz. Und weil sie immer noch und immer wieder so verdammt gute Songs schreiben können.

Platz 2.

KATE TEMPEST - Everybody Down

KATE TEMPEST - Everybody Down

Auf "Everybody Down" ist es der Straßenpoetin mit dem Lausmadlgsicht gelungen, die Geschichte von Becky, Harry und dessen Bruder Peter so spannend und durchgängig zu erzählen, dass wir Mike Skinner aus unserem Gedächtnis streichen. Und eine ganze Menge Hits hat sie auch dabei. Dafür war sie für den Mercury Prize nominiert - gewonnen haben ihn die Young Fathers, sie bleibt unsere Siegerin der Herzen. Haben wir schon davon geschwärmt, wie charmant und umwerfend ihr Auftritt beim Puls-Festival war?  

Platz 3.

CARIBOU - Our Love

CARIBOU - Our Love

Dan Snaith war, ist und wird der Konsensmann bleiben an der Schnittstelle zwischen House und Indie, Songwriting und Electro. Warum er nicht ganz oben ist in unseren Jahrescharts? Vielleicht weil wir uns schon daran gewöhnt haben, dass der bebrillte Mathematiker Album für Album schon öfter derartige Klasse abgeliefert hat.

Platz 4.

JUNGLE - Jungle

JUNGLE - Jungle

Jungle waren die Hitmaschinen des Jahres: Time, Platoon, The Heat und vor allem Busy Earning. In die Singles haben die jungen Briten ihren ganzen Enthusiasmus hineingelegt, ihre Liebe zur Gap Band, der Dazz Band, Falsettgesang aber auch so seltsamen Stuff wie Supermax. Auch live eine Bombe, auf Albumlänge mit leichten Abnutzungserscheinungen.

Platz 5.

THE WAR ON DRUGS - Lost In The Dream

THE WAR ON DRUGS - Lost In The Dream

Wenn sich Bruce Springsteen bei einem neuen Album wieder mal nur wiederholt, dann gibt es seit einigen Jahren eine attraktive Alternative: Adam Granduciel ist der momentan bessere Endboss. Schöner als Zündfunk-Autor Florian Fricke kann man die neue The War On Drugs Platte nicht zusammenfassen: "Lost in a Dream hat mehr emotionales Gewicht als 20 Hipster-Alben aus Brooklyn zusammen." True Story.

Platz 6.

FKA TWIGS - LP1

FKA TWIGS - LP1

Am Anfang verharrte der Zündfunk in leichter Skepsis - die Hype-Maschine hatte nach Banks nun FKA Twigs als schon wieder nächstes großes Ding auserkoren. Tatsächlich hat sich FKA Twigs an die sonischen Ränder der Galaxie gewagt und ist dabei fast erfroren - ihr Sound ist von klirrender Kälte, aber durch die Eiszapfen ihres Kühlfachs schimmert ein schönes arktisches Blau.

Platz 7.

JA, PANIK - Libertatia

JA, PANIK - Libertatia

Wo sie sind, ist immer Libertatia. Mit "Libertatia" ist den österreichischen Wahlberlinern ihr Prefoub-Sprout-Album gelungen - ein kleines Stück Utopie, angesiedelt tief in den 80ies. Diese Band hat mittlerweile - und absolut zu Recht - den Status, sie könnten auch "Komm mit mir ins Abenteuerland"-Texte schreiben und es wäre state-of-the-art. Gottseidank sind sie aber weiterhin die derzeit geschmeidigste Diskurs-Band. One world, one love, one Ja, Panik

Platz 8.

SWANS - To Be Kind

SWANS - To Be Kind

Wer dieses Jahr auf einen Konzert der Swans war, wird das so schnell nicht vergessen. Ultra-Schall, Lärm, Lärm, Lärm - unerbittlich, unkorrumpierbar, aufrecht, kein Fußbreit den Kompromiss-Maschinen. Das Gegenteil von altersmilde.

Platz 9.

PARQUET COURTS - Sunbathing Animals

PARQUET COURTS - Sunbathing Animals

Allein zwei formidable Alben in einem Jahr zu veröffentlichen, ist schon eine Leistung - eines als Parquet Courts, eines als Parkay Quarts. Dass beide aber das Zeug zum Top Ten Album haben, ist die noch größere Überraschung. All Killer, no filler. New York und die Welt haben wohl endlich ihre neuen The Strokes.

Platz 10.

DAMON ALBARN - Everyday Robots

DAMON ALBARN - Everyday Robots

Egal ob mit den Gorillaz, in Afrika oder mit Blur oder solo. Damon Albarn kann nichts falsch machen. Auf diesem Album denkt Damon Albarn über die Technologisierung des Alltags nach und verbindet das mit Erinnerungen an seine Kindheit - das berührt tief. Fast will man sagen "unbedingt mehr davon", wenn man nicht wüsste, dass mit den Gorillaz und Blur nicht schon wieder die nächsten Platten in der Pipeline stecken.

Platz 11.

MOODYMANN - Moodymann

MOODYMANN - Moodymann | Bild: Moodymann / KDJ

Das große Mysterium der House-Music steigt von der Kanzel und haut ein Funk-Album raus, das James Brown Freude bereiten würde. Uns auch.

Platz 12.

JENS FRIEBE - Nackte Angst Zieh Dich An Wir Gehen Aus

Egal ob Ikea-Prospekt, U-Bahn-Plakate oder sogar das Telefonbuch - Jens Friebe traut man ohne weiteres zu, dass er jeden Slogan in gescheite Texte gießen und vertonen kann. Nach "Das mit dem Auto ist egal, Hauptsache dir ist nichts passiert" sein vielleicht bestes Album. Dabei ist Friebe nicht nur ein begnadeter Texter, sondern auch ein fantastischer Übersetzer. Wie er "What Will Death Be Like" von Momus eindeutscht, gehört in alle Lehrpläne fürs nächste Semester.

Platz 13.

SOHN - Tremors

SOHN - Tremors

Der Mann, der im Jahr 2014 elektronische Musik mit Space-Prog kurz geschlossen hat: der in Wien lebende Brite, der seiner Heimat London den Rücken gekehrt hat, weil sich da alle gegenseitig kopieren und keinen eigenen Stil finden. Live erhebt er seine Stimme, dass einem wohlige Schauder den Rücken runter rieseln. Auf dem Zündfunk-40-Festival hat der Mann mit der Mönchs-Kapuze begeistert.

Platz 14.

SLEAFORD MODS - Divide And Exit

"The smell of piss is so strong, it smells like decent bacon" - Welcome to Notts aka Nottingham. Die Sleaford Mods sind heuer das Post-Working-Class-Phänomen aus England. Irgendwo zwischen Vollproll und Thomas Bernhard, zwischen Johnny Rotten und Mike Skinner. Endlich ein übellauniger Gegenentwurf zu allen "Happy"- und "Get Luckies".  Definitv die Attitüde des Jahres.

Platz 15.

RUN THE JEWELS - Run The Jewels

RUN THE JEWELS - Run The Jewels

MC Killer Mike und El-P sind Run The Jewels - das sind die, die dieses Jahr auch ein Remix-Album gecrowdfundet haben, das nur mit Katzensounds produziert worden ist - nennt sich dann "Meow the Jewels" - die Aktion ist natürlich Whiskas, aber ihr Album "Run The Jewels 2" ist das wütende Hip-Hop-Pamphlet, das wir im #Ferguson-Jahr - leider - verdient haben.

Platz 16.

TY SEGALL - Manipulator

TY SEGALL - Manipulator | Bild: TY SEGALL  / Drag City

TY SEGALL - Manipulator

Dieser Kerl aus Kalifornien kennt offensichtlich keinen Kalender, er tut einfach so als hätten wir immer noch 1973. Das Jahr in dem "Raw Power", "Houses Of The Holy" und "Sabbath Bloody Sabbath" rauskamen - in der Tradition kommt auch “Manipulator” daher. Einziger Unterschied: Ty Segall singt über die NSA und Idioten mit Smartphones. Der Lord-Segall-Bewahrer des Rock‘n‘Roll.

Platz 17.

DAS HOBOS - This Is The Place

DAS HOBOS - This Is The Place

Vor sechs Jahren waren sie mit ihrem Rhytm Police-Debüt schon mal Album der Woche im Zündfunk - damals machten sie Electro-Punk/Disco-Rock und spielten auch in Moskau. Außerdem sind Leo Hopfinger (aka LeRoy Schlimm, so nennt er sich als Edit-Produzent) aus München, Tom Simonetti (Augsburg) und Frank Nägele (Stuttgart) bei der vielversprechenden Zweitband gelandet. Das Hobos - wie der Name schon sagt - haben ihr Studio am Bahnhof Buchloe und verbinden Dub, Folk und Field Recordings, inklusive Rangiergeräusche.

Platz 18.

SHABAZZ PALACES - Lese Majesty

SHABAZZ PALACES - Lese Majesty

Es shabazzt 2014 wieder mit: "Lese Majesty" - heißt soviel wie "Majestätsbeleidigung". Aber nicht die Palaces werden beleidigt, sie machen die Kerle auf dem Thron, die Kanyes und Jay-Zs, ordentlich an. Ihr sonischer Hip Hop zeigt weiter straight Richtung Future. Wo Flying Lotus 2014 mit seinem Jazz zu rückwärtsgewandt daherkommt (im Zündfunk nur auf Platz 79), überzeugen die Palaces auch heuer wieder. Shabazz is the place.

Platz 19.

SPOON - They Want My Soul

SPOON - They Want My Soul

Er ist nicht der Mann für das ganz große Spektakel: Britt Daniel aus Austin macht seit Jahren mit "Spoon" tolle Alben. Und auch auf "They want my soul" hat er mit allen Wassern gewaschene, knochentrockene und extrem clevere Songs wie "Knock Knock", die immer auch eine Spur Disco oder Funk im Tank haben.

Platz 20.

SBTRKT - Wonder Where We Land

SBTRKT - Wonder Where We Land

Live war sein Laptop-Kasperltheater mit Gesang aus der Dose eine Enttäuschung, aber der Producer Aaron Jerome hatte eines der offensten Club-Alben des Jahres und mit "Higher" und "New Dorp, New York" zwei klasse Hits. Und auch wenn sich das nicht ganz in den Zündfunk-Jahrescharts widerspiegelt: Natürlich ist Clubmusik längst der neue Indie, der neue Konsens.

Platz 21. NICK MULVEY - First Kind

Platz 22. BONNIE 'PRINCE' BILLY - Singer's Grave A Sea Of Tongues

Platz 23. FATIMA AL QADIRA - Asiatisch

Platz 24. STEPHEN STEINBRINK - Arranged Waves

Platz 25. APHEX TWIN - Syro

Platz 26. ALT-J - This Is All Yours

Platz 27. SHARON VAN ETTEN - Are We There

Platz 28. TRAXMAN - Da Mind Of Traxman 2

Platz 29. GLASS ANIMALS - Zaba

Platz 30. METRONOMY - Love Letters

Platz 31. ANGEL OLSEN - Burn Your Fire For No Witness

Platz 32. CHET FAKER - Built On Glass

Platz 33. NENEH CHERRY - Blank Project

Platz 34. CLAP! CLAP! - Tayi Bebba

Platz 35. SISYPHUS - Sisyphus

Platz 36. MIREL WAGNER - When The Cellar Children See The Light Of Day

Platz 37. HOLY SONS - The Fact Facer

Platz 38. PLANNINGTOROCK - All Love's Legal

Platz 39. HURRAY FOR THE RIFF RAFF - Small Town Heroes

Platz 40. WARPAINT - Warpaint

Platz 41. V.A. NEXTLIFE - Hyperdub+Teklife-Labelkombi

Platz 42. ALEXIS TAYLOR - Await Barbarians

Platz 43. BILL CALLAHAN - Have Fun With God (Dream River in dub)

Platz 44. TONY ALLEN - Film Of Life

Platz 45. TEMPLES - Sun Structures

Platz 46. SEEKAE - The Worry

Platz 47. THE 78 PROJECT - Volume 1

Platz 48. THE ACID - Liminal

Platz 49. CONOR OBERST - Upside Down Mountains

Platz 50. DIE STERNE - Flucht In Die Flucht

Platz 51. LEIF VOLLEBEKK - North Americana

Platz 52. YOUNG FATHERS - Dead

Platz 53. (INGA) COPELAND - Because I'm Worth It

Platz 54. STEPHEN MALKMUS & THE JICKS - Wigs Out At Jagbags

Platz 55. GUDRUN GUT+HANS-JOACHIM IRMLER - 500m

Platz 56. ANDY STOTT - Faith In Strangers

Platz 57. BISHOP NEHRU + MF DOOM - Nehruviandoom

Platz 58. ROYAL BLOOD - Royal Blood

Platz 59. THE BUG - Angels & Devils

Platz 60. DEERHOOF - La Isla Bonita

Platz 61. GUTS - Hip Hop After All

Platz 62. DEN SORTE SKOLE - Lektion 3

Platz 63. KINDNESS - Otherness Female Energy:

Platz 64. REAL ESTATE - Atlas

Platz 65. THE NATIONAL JAZZ TRIO OF SCOTLAND - Standards Vol. III:

Platz 66. MOIRÉ - Shelter Werk Discs

Platz 67. DER NINO AUS WIEN - Bäume:

Platz 68. ROMAN FLÜGEL - Happiness Is Happening:

Platz 69. MAC DeMARCO - Salad Days

Platz 70. FHLOSTON PARADIGM - The Phoenix

Platz 71. SYLVAN ESSO - Sylvan Esso

Platz 72. ST. VINCENT - St. Vincent:

Platz 73. JACK WHITE - Lazaretto

Platz 74. DIE NERVEN - Fun

Platz 75. VON SPAR - Streetlife Italic

Platz 76. LANA DEL REY - Ultraviolence

Platz 77. SUN KIL MOON - Benji Caldo Verde

Platz 78. GAZELLE TWIN - Unflesh

Platz 79. FLYING LOTUS - You're Dead

Platz 80. PRINCE - ART Official Age

Die persönlichen Bestenlisten der Zündfunk-Redaktion | Bild: Sophie Dezlhofer zur Übersicht Persönliche Alben des Jahres Einzelwertungen der Musikredaktion

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