Bayern 1 - Experten-Tipps


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Wickeln Welche Windeln sind umweltfreundlicher?

Ein Baby muss im Schnitt 5.000 Mal gewickelt werden. Mit Einwegwindeln kommt eine Menge Abfall zusammen. Stoffwindeln müssen dagegen gewaschen werden. Welche Variante ist ökologischer? Ein Fall für den Bayern 1-Umweltkommissar.

Von: Alexander Dallmus

Stand: 17.04.2013

Illustration: Der Umweltkommissar wirft eine Windel in einen Mülleimer, im Hintergrund sind ein Baby und eine Wäscheleine mit Stoffwindeln zu sehen | Bild: BR/Susanne Baur

Eine schwierige Ausgangslage für den Öko-Ermittler: Denn aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen zur Ökobilanz von Einwegwindeln im Vergleich zu Stoffwindeln sind nicht bekannt. Das Umweltbundesamt, das Bayerische Umweltministerium  und auch das IFEU Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg verweisen in diesem Fall auf eine Studie, die 2005 in Großbritannien veröffentlicht wurde. Deren Ergebnisse dürften aber mittlerweile - auch durch Weiterentwicklungen bei der Windelherstellung - nur noch eingeschränkt Gültigkeit haben. Kritiker halten die Untersuchung außerdem für fehlerhaft.  

Kein Unterschied in der Ökobilanz

Diese Studie hat ergeben, dass es in Sachen Ökobilanz keinen signifikanten Unterschied gibt zwischen den unterschiedlichen Wickelmethoden, wobei  jede davon jeweils spezifische Vor- und Nachteile hat.

Einweg- und Stoffwindeln haben ihre eigenen Vor- und Nachteile.

Bei den Stoffwindeln werden beispielsweise vor allem der Energiebedarf beim Waschen und Trocknen und das Abwasser als problematisch gesehen, bei den Wegwerfwindeln die Produktion der Rohstoffe und die Weiterverarbeitung beispielsweise zu Superabsorbern, also Kunststoffe, die besonders viel Flüssigkeit aufnehmen können.

Nach dieser Studie ist eine Verbesserung der Ökobilanz von Wegwerfwindeln vor allem durch die Hersteller zu erreichen. Sie könnten die Windeln leichter machen, den Energie- und Wasserverbrauch bei der Herstellung reduzieren und den CO2-Ausstoß bei der Produktion verringern.   

Beim Gebrauch von Stoffwindeln liegt dagegen die Möglichkeit zur Verbesserung der Ökobilanz beim einzelnen Nutzer. Er kann Windeln aus Biobaumwolle verwenden und die Windeln in einer modernen Waschmaschine reinigen, die wenig Strom und Wasser verbraucht. Es reicht auch, die Windeln bei 60 Grad mit einem umweltschonenden Waschmittel zu waschen. Ein Windeldienst mit einer modernen Großwäscherei könnte ebenfalls eine umweltfreundliche Alternative sein.

Zahlen und Fakten  

  • Gut 5.000 Mal muss gewickelt werden, bis ein Kleinkind aus dem Windelalter heraus ist.
  • Etwa 660.000 Neugeborene pro Jahr in Deutschland benötigen ca. vier Millionen Windeln pro Tag.  Alle "Wickelkinder" zusammengenommen, sind es täglich mehr als acht Millionen Wegwerfwindeln, die in der Regel über die Restmülltonne und somit die Müllverbrennungsanlagen entsorgt werden.
  •  Laut BUND liegt der Anteil von Windeln am Müllaufkommen in manchen Städten bei zehn Prozent.
  • 1973 wurden die ersten Wegwerf-Windeln in Deutschland verkauft. Schon nach wenigen Jahren hatten sie die Stoffwindeln  weitgehend verdrängt.

Vorteile Einwegwindeln

  • praktisch, geringer Zeitaufwand beim Wickeln
  • Windeln werden einfach in die Restmülltonne geworfen
  • sie halten oft länger "dicht"
  • weniger "geruchsintensiv" durch schnelle Entsorgung

Nachteile Einwegwindeln:

  • höhere Kosten als bei Verwendung von Stoffwindeln
  • Ressourcenverbrauch bei der Herstellung (unter anderem Holz für Zellstoffkern; pro Baby laut "Wiki-Windelservice" vier bis fünf Bäume, Erdöl für wasserdichte Folie)
  • Entsorgung über Restmülltonne und Müllverbrennung (evtl. auch weite Transportwege zur Müllverbrennungsanlage)

Ökowindeln

  • umweltfreundlichere Version der Wegwerfwindeln
  • höherer Anteil an biologisch abbaubaren Bestandteilen (Produkt eines Hersteller ist zum Beispiel zu mehr als zwei Dritteln biologisch abbaubar – allerdings: keine Fäkalien in die Biotonne oder auf den Kompost, sondern in die Toilette!)
  • höherer Anteil an nachwachsenden Rohstoffen, zum Beispiel Folienanteil rein pflanzlich
  • teurer als herkömmliche Einwegwindeln

Vorteile Stoffwindeln

  • Schonung von Ressourcen
  • weniger Müll
  • geringere Kosten als Wegwerf-Windeln (laut Windelservice: Ersparnis 30 bis 50 Prozent über die gesamte "Wickelzeit" gerechnet)
  • evtl. Verwendung eines Windelservices (reduziert Wasser- und Energieverbrauch beim Waschen und Trocknen, allerdings Energieverbrauch und Schadstoffausstoß beim Windeltransport)

Nachteile Stoffwindeln:

  • vergleichsweise hohe einmalige Anschaffungskosten
  • mehr Schmutzwäsche, Wasser- und Energieverbrauch beim Waschen und evtl. Trocken
  • Verwendung von Waschmitteln, Belastung des Abwassers
  • Herstellung aus Baumwolle (beim Baumwollanbau hoher Einsatz von Pestiziden und Mineraldünger und hoher Wasserverbrauch, Alternative: Baumwolle aus kontrolliert biologischem Anbau)
  • höherer Zeitaufwand beim Wickeln
  • Stoffwindeln können nicht so viel Flüssigkeit aufnehmen wie Wegwerfwindeln

Fazit

Eine allgemeingültige Ökobilanz ist kaum aufzustellen, dazu gibt es zu viele Einzelfaktoren. Auch das Verhalten des einzelnen Verbrauchers, die die Ökobilanz von Wegwerfwindeln und Stoffwindeln positiv oder negativ beeinflussen.  

Deswegen vielleicht die letztendlich entscheidende Frage: Wie wohl fühlt sich das Kind mit den unterschiedlichen Windel- und Wickelmöglichkeiten, wie verträgt es die unterschiedlichen Materialien.

Manche Kinder und Eltern kommen mit Stoffwindeln wunderbar zurecht, andere haben Schwierigkeiten damit. Keine Methode wird für alle Eltern perfekt sein.


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