ARD-Themenwoche


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Tipps und Empfehlungen Das sollten Sie sich ansehen!

Tipps und Empfehlungen der Redaktion: Die ARD-Themenwoche 2021 beleuchtet das Thema "Stadt.Land.Wandel" von ganz verschiedenen Seiten. Hier stellen wir Ihnen vor, was uns gefallen hat und was Sie nicht verpassen sollten. Zum Beispiel den Spielfilm "12 Tage Sommer".

Von: Gerhard Brack

Stand: 10.11.2021 | Archiv

Die Reise geht los. Von links: Maria (Esel Lore), Felix (Yoran Leicher) und Marcel (Mehdi Nebbou).
| Bild: BR/Jacqueline Krause-Burberg

Das Angebot zur ARD-Themenwoche ist so groß und vielfältig, dass es schwerfällt, den Überblick zu behalten. Natürlich ist jede Auswahl subjektiv, und jede(r) muss für sich entscheiden, was ihm/ihr am besten gefällt. Hier stellen wir Ihnen ein paar Beiträge vor, die uns besonders gut gefallen. Ihnen vielleicht auch?

"12 Tage Sommer"

"12 Tage Sommer", so heißt der vielschichtige und sehenswerte Spielfilm, den Dirk Kummer im Juli dieses Jahres im München, Garmisch-Partenkirchen und auf der Zugspitze gedreht hat. Der Zuschauer erlebt die Nöte von Vater Marcel, der im Beziehungschaos versinkt, während sein Sohn Felix straffällig geworden ist und die Mutter sich ins Schweigeseminar zurückzieht. Die Jugendrichterin lässt dem Vater vier Wochen Zeit, den Jungen umzustimmen, der lieber in ein Heim will, als weiter bei diesen Eltern zu wohnen.

Das Projekt, das Vater Marcel jetzt in Angriff nimmt, lautet: Raus aus dem Stress in der hektischen Großstadt und zu Fuß alleine zu zweit - begleitet nur von der Eselin Maria, die gerade ihr Fohlen verloren hat - zwölf Tage durch die bayerische Wildnis. Beide zelten im Wald, obwohl Marcel sich vor bayerischen Bären füchtet. Das Ziel ist Deutschlands höchster Berg, die Zugspitze.

Dieser Trip wird für Vater Marcel (Mehdi Nebbou) und Sohn Felix (Yoran Leicher) zu einer Annäherung voller komischer Momente und philosophischer Begegnungen. Doch weniger der Sohn muss da erzogen werden als vielmehr der Vater selber. Die gemeinsame Herausforderung bringt beide Sturköpfe zum Um- und Weiterdenken, und die Begegnungen, die beiden wie in einem Stationendrama unterlaufen, berühren und bleiben in Erinnerung. Ein wunderbarer Film darüber, wie ungewöhnlich Menschen sind und was unser Leben lebenswert macht.

"Drunter und Drüber"

Landstriche veröden und Städte platzen aus allen Nähten: Wie können Städte ihren begrenzten Raum sinnvoll aufwerten? Darum geht es in der vierteiligen Doku-Reihe "Drunter und Drüber". Die Stadt der Zukunft wird - im wahrsten Sinne des Wortes - vielschichtiger sein. Wie kann moderne Architektur mithelfen, die Probleme der Stadt zu lösen? Wie kann sie Wohnungsnot, Dichte, Enge, Lärm, Stress, fehlende Grünflächen umwandeln in etwas Positives? Am besten noch, ohne erneut das begrenzte Gut des Bodens neu zu versiegeln?

Die Reihe stellt richtungsweisende Projekte aus der ganzen Welt vor: vom kleinen Dachaufbau in Wien bis zur Multilevel-Gebäudelandschaft in Seoul, vom unterbauten Reihenhausgarten in London bis zum Singapur Underground Masterplan. Dabei bietet sie atemberaubende Einblicke in die Zukunft unserer Städte, die schon begonnen hat.

"Zeit für Local Heroes"

Vom Stadtrat in der Stadt über die Politikerin in der Gemeinde im Wandel bis zur Bürgermeisterin auf dem Land: Sie alle engagieren sich für ihre Region und geben dem Ort, in dem sie leben, etwas zurück - zum großen Teil ehrenamtlich und mit hohem Einsatz. Die Filmemacher der Reihe begleiteten monatelang die Lokalpolitiker. Hautnah erleben wir, wie sie sich mit Ideen durchsetzen und wie sie scheitern, wie sie Konflikte lösen, Kompromisse finden, aber auch, wie sie - zum Beispiel von Neonazis und Rassisten - angefeindet und bedroht werden. Einblicke, die zeigen, wie schwierig es ist, in der Demokratie Kompromisse zu finden. Und die zeigen, wie unsere Gesellschaft trotzdem zusammenhält - dank der "Local Heroes". Sehenswert!

"STADT"

Mehr als eineinhalb Jahre lang hat Timo Großpietsch als Autor, Kameramann und Cutter an seinem experimentellen Dokumentarfilm "Stadt" gearbeitet. Gedreht wurde an 50 verschiedenen Orten in, über und unter Hamburg - auch an ganz ungewöhnlichen, wo man normalerweise nie hinkommt, etwa auf der Schießanlage der Polizei, im Bordell, im Abwasserkanal, an den Brennöfen der Kupferhütte, im Kindergarten oder in 28 Metern Tiefe unter dem Hafen der Millionenmetropole.
Ohne Interviews, ohne Sprechertext lässt der Film die Bilder wirken, die die Kamera eingefangen hat - unter anderem in magisch wirkenden Helikopterflügen über die Stadt, aber auch in Nahaufnahmen mit Menschen, die in ihre Arbeit versunken sind. Völlig zu Recht spricht Filmemacher Großpietsch, der selbst in Hamburg aufgewachsen ist, von einem "Monsteraufwand", den er für diese außergewöhnliche Produktion betrieben hat: "Das ist ein irres Erlebnis", sagt Großpietsch, "so einen Film, auch in dieser künstlerischen Form, davon machst Du nicht so viele im Leben."

Begleitet wird der 90-Minuten-Film fast durchgehend von einem Soundtrack, den der Pianist Vladyslav Sendecki komponiert, mit der NDR-Bigband eingespielt und den Großpietsch den Bildern untergelegt hat. Eine frei schwingende Symphonie der Großstadt ist so entstanden, die bei aller Distanz, die die Bilder etwa aus der Vogelperspektive bieten, einen Sog entwickeln, dem man sich kaum entziehen kann.

"Das Leben ist kein Kindergarten - Umzugschaos"

Freddy (Oliver Wnuk) und seine Frau Juliana (Meike Droste) verlassen die Komfortzone Konstanz, die Nähe zur Natur, und ziehen nach Berlin, wo verschiedene Lebensstile beengt aufeinanderprallen. Mit Opa Fritz im Schlepptau kommen die Kleemanns samt Tochter Zoë und Sohn Niko bei der Oma unter. Doch der Start in der Millionenstadt verläuft anders als erwartet, Juliana wird unerwartet schwanger, und schon vorher ist in Berlin "alles ganz schön anders", wie er entdeckt. Und Teenagerin Zoë findet den Umzug und die neue Umgebung so furchtbar, dass sie erst nur noch ins Handy schaut und schließlich davonläuft. Sie sehnt sich nach einer heilen Welt, aber wo gibt es die?

Für Oliver Wnuk als ambitionierter Erzieher und Familienvater ist der Filmtitel Motto: "Das Leben ist kein Kindergarten". Im zweiten Film der Reihe muss er nicht nur ein Umzugschaos meistern, sondern auch das berufliche Gleichgewicht mit seiner Frau austarieren. Für den Familienfilm lieferte der Hauptdarsteller – wie bei dem mit mehr als vier Millionen Zuschauern erfolgreich gestarteten Pilotfilm – die Idee und das Drehbuch. Gedreht wurde von Februar bis März 2021 in Berlin, Brandenburg und Konstanz.

"Konstanz und Berlin sind mit die unterschiedlichsten Orte, die man sich vorstellen kann. Und das haben wir in dem Film ganz deutlich erzählt", meint Drehbuchautor und Schauspieler Oliver Wnuk: "Berlin fordert seine Bewohner anders heraus als das schöne, behütetere Konstanz – trotz aller Probleme, die es natürlich auch dort geben mag."

"Stadt im Wandel: Chemnitz und Ingolstadt"

Maria Weigelt gehört nicht zu den Gewinnern der letzten Monate. Als Verkäuferin im Einzelhandel ist sie in einer Branche beschäftigt, die schon vor Corona massiv unter Druck geraten ist. Seit ihrer Lehre arbeitete sie bei Galeria-Kaufhof-Karstadt in der Chemnitzer Innenstadt. 2020 wechselte sie in die Filiale nach Ingolstadt. Doch dann kam der Schock: Keine drei Monate später wurde die Filiale geschlossen. Symptomatisch für eine Stadt wie Ingolstadt, in der gerade ein Einzelhandelsgeschäft nach dem anderen aufgeben muss.

Maria Weigelts Schicksal ist prototypisch für das, was gerade in deutschen Städten passiert. Als Beschäftigte in einem großen Kaufhaus gab es hier für sie in dieser Rolle keine Zukunft mehr. Inzwischen arbeitet sie in einem kleinen Laden, doch auch die sind bedroht. Der Online-Handel boomt, während Innenstädte veröden. Aber die Probleme sind struktureller Natur und für ihre Lösungen müssen Politik und Handel gemeinsam neu denken. Wie lassen sich Online-Handel und persönliche Beratung verbinden? Und können die Jungen vielleicht durch kreative, neue Ideen die Probleme ganzer Städte viel besser lösen als die Alten?

"PULS Reportage: Leben auf dem Land?"

Moderatorin Ariane Alter probiert bei PULS Reportage aus, was viele Städter sich wünschen: Sie zieht aufs Land. Bei Studentin Jana in der unterfränkischen 500-Seelen-Gemeinde Wargolshausen zieht sie ein, denn erstens ist die Kamera so mitten drin im Landleben. Und zweitens gibt es hier eh kein Hotel. Dafür heißt's früh aufstehen am Wochenende, denn hier wird geprobt fürs Faschingsballett. Was hält das Leben im Dorf zusammen? Und was ist ganz anders als in der Stadt?

Ariane taucht ein in eine Welt, die ihr als Stadtbewohnerin teils idyllisch, teils bizarr vorkommt. Schnell weiß man viel über die, die hier leben. Man kann sich nicht aus dem Weg gehen im Dorf. Das hat Vorteile und Nachteile. Das muss man mögen. Jana hat als Ziel, dass sie nach dem Studium, wenn sie eine Familie aufbaut, wieder zurück ins Dorf zieht. Und Ariane Alter zieht das Fazit: "Es geht wahnsinnig viel Gemeinschaft. Das hat mich wirklich beeindruckt! Ich bleibe in der Stadt, aber schaue mit einem sehr, sehr neidischen Auge auf Wargolshausen." Wir meinen: Schön, so nah am Puls sein zu können!

Die ARD-Themenwoche Stadt.Land.Wandel läuft vom 7. bis 13. November 2021

Das Erste, die Dritten Programme, die Digitalprogramme der ARD, tagesschau24, ONE, 3sat, ARTE, KiKA, Phoenix, ARD-alpha, Deutsche Welle, funk.net sowie die Radiowellen und Onlineangebote der ARD, ebenso die Social-Media-Kanäle von ARD, Das Erste und den verschiedenen Landesrundfunkanstalten – sie alle beschäftigen sich mit der Frage, wie in Deutschland der Erhalt einer attraktiven Wohnumgebung und der Weg in eine zukunftsfähige Gesellschaft gelingen kann.


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