Künstliche Intelligenz vs. Mensch Welche Jobs der Computer in Zukunft komplett übernimmt

Algorithmen und Roboter sind Jobkiller – so zumindest das Klischee. Forscher sagen aber, nur manche Berufe fallen in Zukunft ganz weg. Wo wir umlernen müssen und welche Ausbildung wir uns sparen können.

Von: Tobias Krone

Stand: 21.01.2019 | Archiv

Künstliche Intelligenz vs Mensch  | Bild: BR

Es klang schon erschreckend: Frank Appel, Boss des Deutschen Post-Konzerns, hat auf der Digitalkonferenz DLD über die Zukunft der Arbeit gesprochen – und ordentlich für Verunsicherung gesorgt: "Egal, welchen Job Sie annehmen – es gibt keine Garantie mehr, dass Sie ihn in zehn oder 15 Jahren noch haben werden."

Und er machte dabei wenige Unterschiede zwischen den Qualifikationen. Egal, ob Pakete transportieren oder Artikel schreiben – das könne heute schon ein Algorithmus automatisch machen. Was theoretisch auch stimmt.

Diese Jobs fallen wirklich weg

Für gewisse Branchen wird es wirklich hart in den nächsten zehn Jahren. Florian Butollo erforscht seit Jahren, welche Auswirkungen es auf die Arbeitswelt hat, wenn Computeralgorithmen immer intelligenter werden.

"Es wird im Moment viel diskutiert über die Rolle von Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeitern bei Banken und Versicherungen zum Beispiel, die einen geeigneten Kredit oder ein geeignetes Versicherungsangebot raussuchen. Arbeit in Call-Centern kann leicht durch Chat-Bots ersetzt werden. Wir haben eine Automatisierung im Feld der Finanzmärkte."

Florian Butollo, Soziologe am Wissenschaftszentrum Berlin (WZB)

Diese Jobs könnten in Zukunft also wegfallen, weil Computerprogramme genauso gut Zahlen analysieren und vergleichen können wie Menschen – und teilweise sogar Prognosen ausspucken können, wie sich Aktienkurse in Zukunft entwickeln. Insgesamt 25 Prozent aller Berufe könnten bald von einem Computer erledigt werden, sagt eine Studie des Forschungsinstituts der Agentur für Arbeit IAB aus dem Jahr 2018. Ebenfalls sehr gefährdet: Berufe, in denen Sachen hergestellt werden. Auch hier sind Roboter ziemlich weit entwickelt, während Menschen in Pflegeberufen, Lehrerinnen und Lehrer sowie Kreative den Algorithmen noch länger viel voraushaben werden. 

Es ist ein Missverständnis, dass es dann keine Arbeit mehr gibt

Zugegeben, diese Fakten klingen nicht gerade beruhigend. Aber der Soziologe Florian Butollo sieht trotzdem wenig Grund zur Panik. Schließlich arbeiten Ingenieure ja schon ziemlich lange daran, dass unsere Arbeit einfacher und effizienter wird. Denn dass Computer systematisch Jobs auffressen würden, kann man zumindest in Deutschland nicht sagen.

"Jetzt, nach 150 Jahren Geschichte der Automatisierung, kann man sagen: So viele Leute waren noch nie in Lohn und Brot wie heute."

Florian Butollo, Soziologe am Wissenschaftszentrum Berlin (WZB)

Wir sind mittendrin in dieser Revolution der Arbeitswelt – denn auch das Internet hat viele Abläufe in fast allen Jobs verändert. Die meisten Berufsbilder werden sich in Zukunft aber schneller verändern – was dann heißt: mehr Fortbildungen. Florian Butollo: "Es wird nicht so sein, dass man als Maschinenbauingenieur anfängt und dann in fünf Jahren zum Erzieher umschult und dann Taxifahrer wird, sondern man muss innerhalb der Berufsfelder am Ball bleiben."

 Sendung: Filter, 21. Januar 2019, ab 15 Uhr.