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US-Wahlkampf Hilfe, meine Familie wählt Donald Trump

Unsere Autorin ist gefrustet: Sie ist Halbamerikanerin, in Deutschland aufgewachsen und liberal erzogen worden. Ihre Familie in den USA besteht aber aus Hardcore-Trump-Anhängern. Das führt manchmal zu ziemlich heiklen Situationen.

Von: Anne Kern

Stand: 15.03.2016 | Archiv

Republikanische Familie mit Waffen und Hund vor einer Südstaaten Flagge | Bild: BR

Mit einem deutschen Vater und einer amerikanischen Mutter war ich eigentlich immer gewohnt, zwischen zwei Welten aufzuwachsen: zwei Sprachen, zwei Kulturen, zwei Perspektiven auf die Welt und zwei Ansammlungen von Traditionen.

Während alle anderen Kinder im Urlaub zu ihrer Oma in den ruhigen Schwarzwald oder sonst wo hingefahren sind, bin ich alle paar Jahre mit meinen Eltern in den Flieger gestiegen und über den Atlantik Richtung USA geflogen. Schöne Sache. Und das war es auch jahrelang - bis eine neue Welt dazugekommen ist, in der ich auch noch aufwachsen sollte: die Politik. Wenn ich meinen Freunden von den USA erzählt habe, dann dachten alle immer an Fortschritt, Offenheit und eine große, neue Welt. Mein Nordamerika sieht aber ganz anders aus: ich denke da mittlerweile oft an Republikaner, Rassismus, Politik und Bildungslücken.

Zwar spielt auch in meiner deutschen Familie Politik eine Rolle, sie nimmt aber wesentlich weniger Raum ein. Ich bin aufgewachsen mit einem ganz einfachen Mantra: "Treat others the way you would like to be treated yourself" - und zwar unabhängig von Religion, Hautfarbe oder politischer Einstellung. Mit dieser Denkweise bin ich auch immer in die USA gereist und habe dort als Teenager zum ersten Mal den Boden unter den Füßen verloren. Da habe ich nämlich so richtig wahrgenommen, dass das bei meiner amerikanischen Familie ganz anders ist: ob am Frühstückstisch, bei der Jobsuche oder der Wahl der Freunde - Politik spielt immer eine Rolle.

Zwischen Fassungslosigkeit & Lachanfall: Autorin Anne.

Wenn die Pancakes nicht schmecken, dann ist Obama dran schuld. Beim Job ist bitte darauf zu achten, dass nicht zu viele Demokraten dort arbeiten. Und wehe, man lacht sich "one of those liberals" an. Die 'Liberals' sind in meiner Familie alle, die nicht klassisch republikanisch ticken: Männer mit langen Haaren. Obama. Menschen, die eine gesetzliche Krankenkasse wollen. Die Dame von nebenan, die keine Südstaatenflagge im Garten aufgestellt hat. Den ersten Schock darüber habe ich längst überwunden. Und trotzdem bleibt mir, wenn ich meiner Familie in den USA zuhöre, regelmäßig die Spucke weg. Dabei muss ich mich immer wieder daran erinnern, dass ich nicht gerade in einem parodistischen Sketch, sondern im echten Leben unterwegs bin. In diesen Momenten danke ich meinen Eltern aus tiefsten Herzen, dass sie mich in Deutschland großgezogen haben.

"Obama has only been concerned with his personal agenda and legacy. He will be remembered as the worst and most destructive president in US history."

- Meine Tante

Nachdem Präsident George Bush Jr. zu seiner Zeit von meiner Familie schön zelebriert wurde, folgte die letzten Jahre ein ausgiebiges Obama-Bashing. Klar also, dass jetzt Donald Trump der nächste Präsident werden MUSS.

Wenn ich mich im Moment bei diversen Social-Media-Channels einlogge, um zu sehen, was in der Welt so los ist, dann werde ich überrollt von Posts meiner Familie über Donald Trump und wie er die Welt retten wird.

"We are angry and do not want 'business as usual', from either party. This country can not continue in the direction it is going. I feel like Donald Trump is the only candidate that will take the USA in the direction it needs to go to survive."

- Meine Tante

Zum Glück gibt’s in dem Fall die gute alte Blockier-Funktion. Mit einem Klick habe ich dann vorerst mal meine Ruhe. Wenn man sich aber wirklich trifft, geht das natürlich sehr viel schlechter - und da wünsche ich mir den Block-Button echt immer öfter. Die einfachsten Unterhaltungen enden viel zu oft in politischen Diskussionen. Auslöser kann dabei fast alles sein: Arbeit, Fernsehen, Schule, Facebook, Gesundheit, Musik, Klamotten, Oprah, Europa, Nachrichten, Tattoos, Religion, Evolution, Hautfarbe, Geld, Reisen undundund... Wie klischeemäßig das klingt, wird mir erst bewusst, wenn ich diese Worte hier aufschreibe. Aber genau so ist es. Zu jedem Thema wird in meiner Familie ein abgefahrener Dreh zu einem republikanischen Standpunkt gefunden - unabhängig davon, ob es überhaupt um ein politisches Thema geht. Besonders schön sind dann solche 'Gespräche':

Ich: So when I get back to Germany I think the first thing I will do is visit my friend in Hamburg.

Grandpa: Are there many Greek people?

Ich: Hamburg is a huge city, there are people from all over the world.

Grandpa: It's a shame what happened down there in Greece. See dear, and that's what will happen here if we don't elect Trump. We will all be broke and ruined just like Greece.

Am Anfang habe ich mich wahnsinnig in solche Gespräche reingesteigert und war total frustriert, weil ich oft das Gefühl hatte, dass meine Familie einfach nur aus Prinzip gestichelt hat. Irgendwann kam ich dann drauf: Sie reden immer so. Nicht nur, wenn ich dabei bin. Denn sie sind selbst dauergefrustet und genau deswegen gefällt ihnen die Art von Donald Trump.

"Obama, the liberals and the democrats have destroyed this country. 'We the people' are tired of being ignored and having this country run by 'career politicians'. They ignore the constitution. Donald Trump doesn't follow his personal agenda and he says what everybody is thinking. He has good business smarts."

- Meine Tante

Warum genau meine Familie so tickt, ist mir bis heute ein Rätsel. Darum geht es mir aber auch schon lange nicht mehr. Heute geht es für mich darum, bestimmte Kommentare einfach zu überhören. Ansonsten müsste ich mich auf sinnlose Gespräche einlassen, bei denen Fox News zitiert wird und eine angenehme Diskussionskultur vollkommen über Bord geworfen wird. In diesem Fall muss ich ehrlich sagen, dass mir der Familiensegen wichtiger ist. Mit der Zeit bin ich Künstlerin darin geworden, die heiklen Themen zu vermeiden und stelle immer wieder erfreut fest, dass meine Familie so viel mehr zu bieten hat als nur politische Parolen. Zum Glück.

Jede Familie hat wohl ihr Macken. Und trotzdem liebt man sie irgendwie.


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