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Netzlexikon A wie Ada Lovelace

Es gab noch nicht mal einen Computer: Trotzdem schreibt Ada Lovelace 1843 das erste Computerprogramm. Als Frau, im viktorianischen England. Am 10. Dezember wäre die Erfinderin der Programmiersprache 200 Jahre geworden. Ihre Ideen reichen bis zum Laptop-DJ.

Author: Hardy Funk

Published at: 9-12-2015 | Archiv

Ada Lovelace | Bild: BR

Sherlock Holmes, üppige Ballkleider, legales Kokain: England im 19. Jahrhundert. Und mittendrin: Ada Lovelace, eine Frau aus adligem Haus, die Harfe spielt, reitet, tanzt – und die Programmiersprache erfindet.

Wie bitte? Eine Frau erfindet im 19. Jahrhundert die Programmiersprache?

Richtig gelesen: Augusta Ada Byron King, die spätere Countess of Lovelace oder einfach Ada Lovelace ist die zweite Tochter von Lord Byron, dem berühmten Dichter und berüchtigten Playboy. Ihre mathematische Begabung erbt sie aber von der Mutter: Anne Isabella Noel-Byron ist selbst Hobby-Mathematikerin. Und sie lässt ihre Tochter von kleinauf in Mathematik und Naturwissenschaften unterrichten. Die Beschäftigung mit rationellen Dingen sollte auch verhindern, dass Ada eine so wilde Fantasie entwickelt wir ihr Vater Byron. Mathe-Unterricht für Mädchen ist zwar mehr als ungewöhnlich für die damalige Zeit. Aber Ada bleibt ihr ganzes Leben begeistert von mathematischen Formeln. Und schreibt 1843 das erste Computerprogramm.

Aber damals gibt es doch noch nicht mal einen Computer?

Stimmt. Einen Computer gibt es 1843 noch nicht. Das sollte nochmal rund 100 Jahre dauern. Aber es gibt die Idee vom Computer: Die sogenannte Analytical Engine, das Konzept einer Rechenmaschine, die nicht nur eine, sondern alle möglichen Berechnungen durchführen kann. Vorausgesetzt man programmiert sie – mit Lochkarten. Das sind Karteikarten, die in bestimmten Abständen gelocht werden, gegliedert in Reihen und Spalten. Die Maschine kann diese Löcher dann auslesen, das Muster ergibt den Programmcode.

Wie kommt Ada zum Programmieren?

Mit 17 trifft Ada den Erfinder dieser Maschine: Den Mathematikprofessor Charles Babbage, heute allgemein anerkannt als "Vater des Computers". Und sie versteht, besser als Babbage selbst, welches Potential seine Maschine hat. Die Analytical Engine wird zwar nie gebaut. Aber Ada schreibt trotzdem ein Programm dafür: Sie übersetzt ein Buch über die Analytical Engine, dem sie ihre eigenen Anmerkungen hinzufügt, und die drei Mal so lang werden, wie das übersetzte Buch selbst. In diesen Anmerkungen druckt sie den Code für ein Programm zur Berechnung von Bernoulli-Zahlen ab. Zahlen, die man für Wahrscheinlichkeitsberechnungen braucht. Zugegeben, nicht besonders sexy. Aber hey, es ist das erste Computerprogramm der Welt! Und: Es hätte funktioniert!

Warum weiß keiner von Ada?

Genau wie die nie gebaute Analytical Engine gerät auch Ada Lovelace in Vergessenheit. Erst ab den 1960ern wird sie langsam wiederentdeckt. 1980 benennt das US-Verteidigungsministerium seine Programmiersprache nach Ada – noch heute fliegen damit Flugzeuge und Raketen. Seit den 1990ern ist Ada die Vorzeigefrau, um Mädchen für Naturwissenschaften zu begeistern.

Was verdanken wir Ada Lovelace noch?

Ada beschreibt in ihren Anmerkungen auch schon die Grundlagen moderner Programmiersprachen wie Rekursion, Verzweigungen, Schleifen und Unterprogramme. Sie betont den Unterschied zwischen Hard- und Software. Und sie prophezeit, dass der Computer der Zukunft, dank der Programmiersprache, mehr als nur rechnen können wird. Nur eins spricht sie dem Computer ab: Dass Künstliche Intelligenz irgendwann die Intelligenz von Menschen erreichen wird. Für sie kann ein Computer immer nur das machen, was man ihm sagt und keine eigenen Ideen entwickeln. Bekannt wird diese Überlegung als "Lady Lovelace’s Objection". Andererseits war sie überzeugt, dass Computer irgendwann auch Musik komponieren könnten. Da sind wir leider immer noch nicht ganz, trotz all der Laptop-DJs. Aber vielleicht wird die Visionärin Ada Lovelace auch in diesem Punkt Recht behalten.


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