Donald Trumps trauriger Sohn Dürfen wir Memes über Barron Trump posten?

Mit der Amtseinführung seines Vaters ist Barron Trump zum Meme geworden. Das Netz ist voll von Bildern, Sprüchen und auch Hass für den Zehnjährigen. Aber ist es ok, ein Kind zu memifizieren?

Von: Anna Bühler

Stand: 27.01.2017 | Archiv

Meme Kolumne | Bild: dpa

Die Amtseinführung von Donald Trump war sogar im Livestream ein Marathon. Stundenlang musste man bei der Liveübertragung zusehen, wie geschäftige Sicherheitsfuzzis mit ihren Jacken sprechen, wichtige Menschen Märsche durch nie enden wollende Gänge hinter sich bringen und gerade wenn man denkt, dass es jetzt mal losgeht, erhebt sich der Mormonenchor.

Auch Barron Trump, der zehn Jahre alte Sohn des neuen Präsidenten, schien nicht durchgehend gut unterhaltenzu sein. Auf manchen Bildern schweift sein müder Blick gedankenverloren über die Menschenmassen. Auf anderen Bildern sieht es aus, als würde er sich verzweifelt die Haare raufen. Szenen, die dem Internet natürlich nicht entgangen sind.

"Barron Trump Memes sind nach der Amtseinführung am Kommen! Kaufen kaufen kaufen!" empfiehlt ein User im Subreddit MemeEconomy – einer Art Börse für Internetwitze. Da sind Memes von Barron Trump in den Tagen nach der Amtseinführung heiße Ware.

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Im versöhnlichen Teil des Internets sind die Leute nett zu Barron. "Wir alle sind Barron Trump" steht da auf den Memes oder "Barron guckt so, wie ich mich jeden Tag fühle". Aber leider trieft aus den dreckigen Ecken auch der Hass - weil... äh, ja einfach nur weil der Junge so ein Apfelsaftgesicht als Vater hat. Ein besonders geschmackloser Tweet kam von Katie Rich, einer bekannten Autorin der Comedyshow "Saturday Night Life". Während der Zeremonie am 20. Januar kommentiert sie: "Barron will be this country’s first homeschool shooter". Der Tweet ist mittlerweile gelöscht.

Die Quittung kommt schneller als Donald Trump twittern kann: Sie kassiert einen dicken Shitstorm und die Kündigung bei Saturday Night Life. Die Debatte um Memes zu Barron Trump geht jetzt erst richtig los. Chelsea Clinton klinkt sich sogar ein und schreibt bei Twitter, dass die Leute auch Barron die Chance geben sollten, ein Kind zu sein. Klar, als Tochter von Bill und Hillary Clinton weiß sie, dass Präsidentenkind sein nicht immer nur bedeutet, die geilsten Spielzeuge zu haben.

Und auch an der Memebörse wird diskutiert: Ist es in Ordnung, Witze über einen zehn Jahre alten Jungen zu verbreiten? "Ich stimme nett gemeinten Barron Memes zu. Das Kind ist eine Goldgrube", meint einer. "Ich denke wir sollten ihn in Ruhe lassen - auch mit nett gemeinten Memes. Er ist ein Kind!" jemand anders.

Die Frage ist also: Sind Memes über Barron generell moralisch falsch? Oder sind lieb gemeinte Memes okay? Die Diskussion an sich ist nicht verkehrt – immerhin zeigt sie, dass es Regeln und Werte geben muss und diese auch verhandelt werden. Doch heißt das noch lange nicht, dass sich auch alle daran halten, was die Memepolizei sagt. Man kann es sich nun mal leider nicht aussuchen, ob man zum Meme wird oder nicht – fragt mal Success Kid oder Scumbag Steve oder David after Dentist oder Star Wars Kid oder die Woodys...

Was wir aber tun können: Wir können wir uns darauf einigen, nicht alles zu teilen. Auch wenn es uns im ersten Moment einen kleinen, fiesen Nasenlacher entlockt.