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Interview mit den Autorinnen von "Mama Superstar" Diese jungen Frauen feiern die positive Seite von Migration

In Deutschland weckt das Wort "Migration" oft negative Assoziationen. Das muss sich ändern, finden Manik und Melisa. Deswegen haben die beiden ein Buch geschrieben, das Migration und ihre Mütter gleichermaßen feiert.

Von: Nicole Ficociello

Stand: 07.05.2019 | Archiv

My Migrant Mama | Bild: My Migrant Mama

Einwanderung = Parallelgesellschaften, Kriminalität und "Wir schaffen das (nicht)" – so negativ rauscht es oft im Blätterwald und in den Kommentarspalten bei Facebook und Co. Dabei wird oft vergessen, die positiven Geschichten von Migration zu erzählen, die gelungene Integration und welche Bereicherung Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen für eine Gesellschaft sein können. Genau das wollen Manik Chander (31) und Melisa Manrique (32) ändern. Female Empowerment statt Opferrolle. Die beiden haben in ihrem Buch "Mama Superstar" die Geschichten von elf Frauen und deren Migranten-Müttern gesammelt und zeigen, wie mutig diese Frauen auf die Hindernisse in der neuen Heimat Deutschland reagiert haben. Jetzt sind die beiden für den Deutschen Integrationspreis 2019 nominiert.

Wie seid ihr auf die Idee zu eurem Buch "Mama Superstar" gekommen?

Wir haben uns vor fünf Jahren in Mumbai kennengelernt und sind im Gespräch darauf gekommen, wie toll unsere Mamas sind. Wir hatten das Gefühl, dass sie unglaublich cool, stark und mutig sind. Und dann haben wir weiter überlegt, warum wir das denken und haben dann verstanden, dass unsere Mamas beide Migranten sind und ähnliche Erfahrungen hatten. Maniks Mama ist zwar von Indien nach Deutschland gegangen und meine Mama von Peru nach Italien, also zwei verschiedene Länder, zwei verschiedene Zeiten. Aber die hatten immer noch ähnliche Erfahrungen und das hat uns total glücklich und stolz gemacht, dass wir das gemerkt haben. Und diesen Stolz und diese Dankbarkeit wollten wir mit anderen Leute teilen.

Euer Buch heißt "Mama Superstar", die Bewegung dazu "Migrant Mama". Wie kamt ihr zu dem Begriff?

In Mumbai haben wir zwei uns am Anfang auf Englisch unterhalten und irgendwann fiel der Satz: "My Migrant Mama is much cooler than yours." Wir fanden die Formulierung ziemlich eingängig und dachten sofort, ja, das machen wir. Zurück in Deutschland haben wir mit Leuten darüber gesprochen und gemerkt, das deutsche Wort "Migrant" ist kein gutes Wort. Es ist total negativ behaftet, weil wir immer sofort an diese ganzen negativen Bilder denken. Und da haben wir beschlossen, wir werden so oft es geht Migrantinnen und Migranten sagen, damit sich das ändert.

Was wollt ihr mit Migrant Mama erreichen?

Wir sagen immer, dass wir der Migration einen neuen Anstrich geben wollen. Bevor wir angefangen haben, an dem Buch zu arbeiten, haben wir geschaut, welche Hashtags zusammen mit Migration genutzt werden und die Ergebnisse waren "Krise", "Problem", "AfD". Dabei haben wir als junge Frauen selber eine total positive Erfahrung mit Migration gemacht. Deswegen wollen wir den Mut, die Liebe und die Vielfalt unserer Gesellschaft feiern und hoffen, dass die Kinder von Müttern mit Migrationsgeschichte ein bisschen früher als wir stolz auf ihre Wurzeln sind.

Dann wart ihr also nicht von Anfang an stolz auf eure Migrant Mamas?

Leider nein. Als Kinder haben wir unseren Mamas oft das Gefühl gegeben, dass das, was sie können und was sie tun, nicht genug ist. Als ich zum Beispiel das erste Mal bei einer deutschen Freundin zu Hause war, hab ich dort Wildreis gegessen und dann kam ich nach Hause und hab zu meiner Mama gesagt: "Mama, ich will nicht mehr diesen weißen Reis! Ich will Wildreis!" Meine Mama hat dann die Augen verdreht und gesagt: "Manik, Basmatireis ist der beste Reis der Welt. Kein anderer Reis kommt in mein Haus!" Da war ich so enttäuscht und Melisa hat so eine ähnliche Geschichte. Die war bei einer Freundin und hat dort Spaghetti Carbonara gegessen. Dann kam sie nach Hause und sagte: "Mama, ich mach jetzt Spaghetti Carbonara!" Und das ist voll in die Hose gegangen, weil sie nicht genau wusste, wie es geht. Sie hatte dann auf einmal ein Omelett mit Spaghetti und war auch voll enttäuscht.

In "Mama Superstar" portraitiert ihr elf Mütter aus neun verschiedenen Ländern. Habt ihr die Interviews alle selbst geführt?

Nein. Wir haben den Töchtern einen Fragebogen gegeben, mit dem sie ihre Mamas selbst interviewen sollten. Die Fragen reichten von "Wie groß war deine Familie als du ein Kind warst?" über "Auf was bist du stolz in deinem Leben?" bis zu "Was ist deine Lieblingsfernsehsendung im deutschen Fernsehen?". Und dann haben wir die Töchter interviewt. Das war total schön zu sehen, was für schöne Gespräche da entstanden sind zwischen Mutter und Tochter. Die Töchter konnten sich danach ganz anders in die Situation ihrer Mütter hineinversetzen.

Ihr hättet auch die Geschichte der Migrant Papas erzählen könne. Welche Rolle spielen Mütter in Familien mit Migrationsgeschichte?

Während Väter sich hauptsächlich darauf konzentrieren, Geld zu verdienen, haben Mamas oft eine doppelte Belastung. Sie gehen auch arbeiten, sind aber gleichzeitig die Brücke zur Gesellschaft. Sie haben zum Beispiel Kontakt zu den Erzieher*innen der Kinder oder zu den Eltern der Freund*innen. Und Migrant Mamas machen wahnsinnig viel, damit sich ihre Kinder auch als Teil dieser Gesellschaft fühlen und deswegen müssen sie wach bleiben und immer mitbekommen was passiert gerade.

Sendung; PULS am 07.05.2019, ab 10 Uhr