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Ruhmeshalle The Get Up Kids - Something To Write Home About

1999 veröffentlichen fünf Punkrock-Kids aus Kansas eine perfekte Platte zwischen juveniler Aufbruchsstimmung und introspektiver Teenage Angst. Das Geheimnis der Get Up Kids liegt in der Mischung der Songs.

Published at: 27-8-2009 | Archiv

The Get Up Kids, Bandfoto 2004 | Bild: Universal Music / Interscope

1996 formiert sich das bis zum heutigen Tag bestehende Line-Up der Get Up Kids: Sänger und Gitarrist Matt Pryor, der zweite Sänger und Gitarrist Jim Suptic, Bassist Rob Pope und dessen Bruder Ryan am Schlagzeug. In dieser Besetzung spielen die Kids 1997 ihr Debütalbum "Four Minute Mile" ein. Darauf präsentiert die Band eine poppige Variante des damals in Szenekreisen äußerst populären Midwestern-Emo. Klanglich weder so düster und weinerlich wie Mineral oder Sunny Day Real Estate noch so polyrhythmuasversessen wie die Freunde und Tourkollegen von Braid. Dafür gibt es ordentlich scheppernden, aber auch hochmelodiösen Punk mit Teenage-Angst-Lyrics, der mindestens zwei große Hits hervorbringt: "Don't Hate Me" und "No Love".

Durch die unbestreitbare Qualität des Albums und exzessives Touren wird die Band bald als neuer Superstar der Szene gehandelt. Schließlich entscheiden sich die Kids für das einflussreiche Independent-Label Vagrant, und mit James Dewee steigt ein weiteres Get Up Kid in die Band ein. Der hat zuvor auf die Drums der Hardcore-Band Coalesce eingedroschen, greift aber nun für die Get Up Kids in die Keyboard-Tasten.

Ein perfektes Werk im Grenzbereich

Albumcover "Something To Write Home About" von The Get Up Kids  | Bild: Vagrant Records

The Get Up Kids – Something To Write Home About (Cover)

"Something To Write Home About" wird zu einer der meisterwarteten Independent-Platten des Jahres 1999. Das Album ist ein in jeder Hinsicht perfektes Werk im Grenzbereich ultraeingängiger Popmusik und deutlichen Punk- und Hardcore-Wurzeln. Pop-Punk-Perlen wie das mit unglaublich käsigen Keyboards versehene "Action And Action" und natürlich der schlichtweg euphorisierende Dauerbrenner "Ten Minutes" stehen auf der einen Seite. Auf der anderen gibt es kunstvoll eingesponnene Heuler: "Valentine" etwa, dessen fragile Melodieführung erst durch den juvenil-knödelnden Gesang von Matt Pryor seine volle Wirkung entfaltet.

Der überragende, tieftraurige Abschluss des Albums "I'll Catch You" mit dominanten Pianomelodien und Weltumarmungsfinale lässt schließlich sämtliche Dämme brechen. Auch nach dem tausendsten Hördurchgang verdienen sich wirklich alle dieser zwölf Songs einen festen Platz im Herzen. Virulente, hochaffizierende Melodien, wie man sie nur einmal im Leben zu Stande bringt. Das gilt leider auch für die Get Up Kids, die es sich mit dem reduzierten Stromausfall-Folk auf ihrem Folgealbum "On A Wire" mit der Szene verscherzten. Ob zu Recht oder nicht darf sicher diskutiert werden. Fakt ist: Auch mit ihrem letzten Album "Guilt Show" konnten sie trotz Rückbesinnung auf alte Stärken nicht mehr genug Boden bei den Fans gut machen.

Schließlich lösen sich die Get Up Kids nach einem Abschiedskonzert in ihrer Heimatstadt Kansas auf und mit ihnen verschwindet, nach Bands wie Texas Is The Reason, Jets To Brazil, Mineral und Braid, eine weitere wichtige Genreband von der Musiklandkarte. Nach dreijähriger Pause sind sie 2009 plötzlich wieder da und spielen Konzerte zum zehnjährigen Jubiläum von "Something To Write Home About". Da hatte sicher kaum ein Get Up Kids-Fan etwas dagegen.


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