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Ruhmeshalle Fischmob - Power

Fischmob hatten nur einen Chart-Hit und auch nur drei Alben aber ihre letzte CD mit dem schön-bescheuert-trashigen Titel "Power" von 1998 ist einer der Höhepunkte der deutschen HipHop-Bewegung.

Stand: 18.09.2007 | Archiv

Fischmob | Bild: marcnesium

Fischmob hießen die vier ex-Flensburger "Fischköpfe", die von Hamburg aus für kurze Zeit die deutsche Musikwelt bereicherten. Ihre "Power"-Platte ist aus zwei Gründen heute noch hörbar und interessant: So musikalisch vielseitig und so humorvoll war deutsche HipHop seitdem nie wieder.

Das ganze Magnum-Stück dauert über eine Minute und ist eines der sympathischten Intros der deutschen Pop-Geschichte. Damals, 1998, ist der Begriff "Vollspacken" noch ganz neu, aber schon im Vokabular der Band. Der sprechende Detektiv leitet weiter zur Single "Susanne Zur Freiheit", eines der ersten Rap-Features in den deutschen Charts. Fischmob holen Fanta 4, Dendemann und die Stieber Twins in einen gemeinsamen Song.

Ein Album voller Abwechslung

Fischmob - Power (Cover)

Die Plattenfirma hätte 1998 natürlich gern noch mehr so klassische Rap-Stücke wie "Susanne Zur Freiheit" auf der Platte, aber das Fischmob-Album lebt nicht allein vom HipHop, sondern von der Abwechslung: es gibt feisten Crossover-Sound ebenso wie prallen Techno. Jeder Song ein neuer Sound, zum Beispieol der Fake-Protestsong mit dem Fake-Englisch-Titel "Craisons In The Snole".

Obwohl HipHop der kleinste gemeinsame Nenner von Fischmob ist, bricht es auf ihrem irrwitzigen "Power"-Album an allen und mit allen Ecken und Kanten in andere Musikstile hinein: das Stück "David" über den Sänger F.R. David, der in den 80ern mit "Words (Dont Come Easy To Me)" einen One-Hit-Wonder landete, lassen sie von keinem Rap-Produzenten mischen – sondern von J. Mascis, dem Gitarristen der Indie-Rock-Lärmhelden Dinosaur Jr.

Fischmob-Aus wegen eines Computerspiel

Ende 1998, auf dem Höhepunkt ihrer kurzen Karriere steigt "der schreckliche Sven" aus, um Musik für das Computerspiel "Dungeon Keeper 2" zu machen. Das bringt ihn kurzzeitig in die Charts. Und die Band an ihr Ende. DJ Koze avanciert danach zum beliebtesten Club-DJ im Lande. Zusammen mit Fischmob-Kollegen Cosmic DJ und Erobique gründet er das Electro-Soul-Trio International Pony. So toll ihre neue Brut auch ist, es ist schon eine Schande, dass es Fischmob nicht mehr gibt. Gerade angesichts des unlustig-aggressiven deutschen HipHops dieser Tage.


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