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Interview zur Petition "R. Kelly Stummschalten" "Es geht nicht um Zensur, sondern um eine Sensibilisierung"

Das FBI ermittelt gegen R.Kelly wegen schweren Missbrauchs. Trotzdem spielt der Musiker weiterhin Konzerte - auch in Bayern. Moderatorin Salwa Houmsi will sich mit der Petition "R. Kelly Stummschalten" die Shows verhindern.

Von: Miriam Fendt

Stand: 08.02.2019 | Archiv

R. Kelly | Bild: picture-alliance/dpa

In den USA wurden im Zuge der Aktion #muterkelly bereits zwölf Konzerte des R’n’B-Stars abgesagt. Der Grund: Schwere Missbrauchs- und Pädophilievorwürfe, gegen die auch Polizei und FBI ermitteln. Im April sollen in Deutschland zwei R. Kelly-Gigs stattfinden. In enger Kommunikation mit den Initiator*innen in den USA ist daraufhin bei uns die Petition "R. Kelly Stummschalten" entstanden, die bereits 41.000 Unterschriften gesammelt hat. Das Konzert in Süddeutschland, das erst in Ludwigsburg stattfinden sollte, wurde durch öffentlichen Druck erst nach Sindelfingen verlegt und dann ganz abgesagt. Diese Woche kam dann die Meldung, dass das Konzert in Neu-Ulm einen neuen Veranstaltungsort gefunden hat. In ihrer Stellungnahme begründet die ratiopharm arena ihre Entscheidung mit der Unschuldsvermutung, die sich daraus ableitet, dass R. Kelly noch nicht gerichtlich verurteilt worden ist.

Salwa Houmsi und das DJ Kollektiv Hoe_mies stehen hinter der Petition "R. Kelly Stummschalten". Im Interview hat sie uns erklärt, wie sie zur Entscheidung steht, das Konzert doch stattfinden zu lassen.

PULS: Was sagst du zum Statement der ratiopharm arena?

Salwa Houmsi: Klar, ich verstehe das Argument mit der Unschuldsvermutung, aber wir sind ja trotzdem alle mündige Bürger und können uns abseits dessen eine Meinung darüber bilden. Es ist ja jetzt nicht so, als wäre die ratiopharm arena gezwungen, nur weil es kein endgültiges gerichtliches Urteil gibt. Sie wissen ja auch, dass aktuelle Verfahren laufen. Und wenn man schon so argumentiert, dass es um Angebot und Nachfrage geht, könnte man auch sagen: Es gibt zwar genug Leute, die Tickets kaufen würden, um R. Kelly zu sehen - aber auch viermal so viele Leute, die dagegen unterschrieben haben, dass er hierherkommt.

Was hat sich durch die Petitionen #muterkelly und durch #rkellystummschalten für Konzerte und Streaming verändert?

Wir hoffen natürlich, dass wir mit der Petition ein Zeichen gesetzt haben. Es war mir persönlich auch ein wichtiges Ziel zu sagen: Wir drei sind Frauen, die sich in der deutschen Hip-Hop-Szene eine Plattform erarbeitet haben, die eine Stimme haben. Es gibt in der deutschen Hip-Hop-Szene leider generell nicht so viele Frauen in der Öffentlichkeit, deswegen müssen wir für diese einstehen und versuchen, die Stimmen, die nicht gehört werden, hörbar zu machen. Ich habe mir erhofft, dass alle, die diese Kampagne mitbekommen, dadurch sensibler werden, welchen Künstlern sie eine Plattform geben wollen und welchen nicht.

Es geht nicht darum, einen Einzelfall zu skandalisieren, aber natürlich ist R.Kelly ein gutes Fallbeispiel, mit dem man wirklich konkret was machen kann. Wenn wir jetzt einfach eine Petition gestartet hätten "Lasst uns in Deutschland von Künstlern, die sexuelle Gewalt ausüben, Abstand nehmen", das würde nichts bringen, weil das viel zu schwammig wäre. Und ich hoffe schon, dass wenn ein weiterer Künstler mit ähnlichen Vorwürfen nach Deutschland kommen sollte, oder ähnliche Vorwürfe gegen einen deutschen Künstler laut werden sollten, dass dann nochmal genau das Gleiche passiert.

Hat sich auch in deinem persönlichen Musikverhalten etwas geändert?

Ich weiß nicht, ob ich jetzt speziell durch R. Kelly wacher geworden bin. Ich glaube, bei mir ist das ein laufender Prozess, dass ich mich mit den Künstler*innen auseinandersetze, die ich höre, und mir überlege, inwiefern ich das wirklich vertreten kann. Ich finde es auch wichtig zu sagen, dass es natürlich total schwer ist, sich von seinen Darlings zu trennen. Musik ist sowas emotionales. Wenn du so eine krasse Bindung zu einem Musiker hast und dann kommt da eine Hintergrundgeschichte raus, dann ist es natürlich schwer zu sagen, ich möchte das jetzt nicht mehr hören. Es sagt ja auch keiner, du darfst R. Kelly zu Hause nicht mehr hören. Es geht nur um die Erweiterung dessen. Willst du auch 100 Euro für ein Konzertticket von R. Kelly ausgeben? Es geht hier nicht um eine komplette Zensur, sondern eher um eine Sensibilisierung.

Wie geht es jetzt weiter?

Unsere Ziele sind weiterhin, dass die beiden Konzerte in Hamburg und Neu-Ulm nicht stattfinden. Aber unser höheres Ziel ist es, uns mit den Opfern sexueller Gewalt zu solidarisieren. Wir wollen zeigen, dass wir es nicht vertretbar finden, was für eine krasse Überzeugungsarbeit sie leisten müssen und auf wie viel Ignoranz sie stoßen, bis sie überhaupt gehört werden - falls sie überhaupt gehört werden. Wir lassen uns jetzt natürlich nicht unterkriegen durch die Konzertzusage in Neu-Ulm und haben auf jeden Fall noch ein paar Aktionen in der Hinterhand.

Sendung: Plattenbau vom 07.02.19 - ab 19 Uhr